Obdachlos - Weihnachten auf der Straße

Mit alten Schlafsäcken wirken sie fehl am Platz in glitzernden Einkaufstraßen: obdachlose Menschen. Ihre Anwesenheit gilt als geschäftsschädigend, ihr sichtbares Elend stört. Nach Beobachtung des Magdeburger Soziologen Titus Simon bringen Menschen in Deutschland immer weniger Toleranz für Obdachlose und Bettler auf. In einer Gesellschaft, die sehr auf Leistung, Konkurrenz und Erfolg ausgerichtet sei, nehme die Toleranz gegenüber Menschen ab, die diesem Ideal nicht entsprächen, so Simon. Dabei nimmt die Zahl derer, die auf der Straße leben stetig zu. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) sind 20.000 bis 30.000 Menschen obdachlos. In den nächsten vier Jahren wird die Anzahl um weitere zehn bis 15 Prozent wachsen. Was auffällt: Immer mehr junge Menschen unter 25 Jahren leben auf der Straße.

Weihnachten ist ein "schwieriges Fest"

Jürgen S. ist 48 Jahre alt und lebt seit 30 Jahren "auf Platte". Der Mann mit dem grauen Vollbart schläft meist am Stadtrand allein in Waldhütten. Weihnachten sei für ihn ein "schwieriges Fest". Unter einer Brücke, so Jürgen S., trifft man ihn nie. "Viel zu feucht", sagt er. Veronika K. war fünf Monate obdachlos. Die Hygiene sei für sie als Frau das Schwierigste am Leben auf der Straße. Ihr Wunsch zu Weihnachten: endlich wieder eine eigene Wohnung. Andrea H. ist Sozialarbeiterin und betreut in Hamburg obdachlose Frauen. Sie engagiert sich im Rahmen eines Containerprojektes, das Frauen wenigstens vorübergehend eine Wohnmöglichkeit bietet.

Hilfsangebote sind oft unzureichend

Obdachlose in Treffpunkt © dpa Fotograf: Kay Nietfeld Detailansicht des Bildes Anlaufstelle für Obdachlose. Es gibt zwar eine Reihe von Hilfsangeboten von Städten und Kommunen, doch reichen diese meist nicht aus. In Hamburg stehen für die mehr als 1.000 Obdachlose lediglich 240 Schlafplätze zur Verfügung. Seit 2002 versorgt ein Mitternachtsbus die Menschen ohne Dach über dem Kopf mit heißer Suppe. Im vergangenen Jahr wurden mithilfe der Kampagne "Gib Deinen Zehnten", die auch von beiden großen Kirchen unterstützt wird, 60.000 Portionen ausgegeben.

Damit Obdachlose nicht auf der Straße übernachten müssen, bieten Diakonie und Caritas in Niedersachsen 1.500 stationäre und 1.800 ambulante Plätze in 55 Einrichtungen an. Alle Landkreise und kreisfreien Städte verfügen über eine Anlaufstelle.

Weitere Informationen
Ron B. vor dem Hamburger Rathaus © NDR Fotograf: Özgür Uludag
 

Weihnachten auf der Straße

Früher verdiente Ron B. als Archäologe mehr als 6.000 Euro. Heute ist er obdachlos und kann seiner Tochter nicht einmal ein Weihnachtgeschenk kaufen. mehr

Die Winter-Unterkunft des Hamburger Senats für Obdachlose © NDR.de Fotograf: Marc-Oliver Rehrmann
 

"Niemand soll auf der Straße schlafen müssen"

Für Obdachlose in Hamburg stehen in diesem Winter 50 Schlafplätze mehr zur Verfügung. Die Stadt hat unweit des Hauptbahnhofes eine neue Unterkunft eingerichtet - für ein halbes Jahr. mehr

Kein Leben im bürgerlichen Rahmen

Obdachlose Männer und Frauen haben ihre oft dramatischen Lebensgeschichten. Und oft versteht man dann, warum ihnen ein Leben in bürgerlichem Rahmen nicht (mehr) möglich ist. Pastor Jan Dieckmann spricht mit Betroffenen am 25. Dezember um 13.25 Uhr in "offen gesagt ...", der christlichen Talkreihe aus der Hamburger St. Pauli Kirche.

Adressen

Ambulante Hilfe Hamburg e.V.
Ludolfstr. 60
20249 Hamburg
Tel. (040) 38 97 32
Fax (040) 3 89 43 35
E-Mail: ambulante.hilfe@wohnungslose.de

Containerprojekt für Frauen
Wallstraße 7a
22087 Hamburg
Mo, Di, Do, Fr, Sa 9.30 - 11 Uhr
Mo, Di, Mi, Do, Fr, So 18 - 20 Uhr

Zentrale Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot
Levetzowstraße 12a
10555 Berlin
Tel. (030) 390 47 40
Fax (030) 39 04 74 20
E-Mail: info@wohnungslos-berlin.de

Arbeiter Samariter Bund (ASB)
Sülzburgstr. 140
50937 Köln
Tel. (0221) 47 60 52 88

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/kirche_im_ndr/fernsehkirche/err319.html
Junge Hände halten die Hände einer alten Frau. © picture-alliance/godong
 

Ehrenamt - ... und jetzt helfe ich anderen

Millionen Menschen tragen durch ehrenamtliche Arbeit zum Zusammenhalt der Gesellschaft bei. Pastor Jan Dieckmann sprach mit "Helfern" über ihre Motive, sich zu engagieren. mehr

Eine Hand legt beim Gesellschaftsspiel Scrabble Wörter wie "Gedächtnis", "Gehirn", "Erinnern" © picture-alliance/ dpa/dpaweb Fotograf: Frank Rumpenhorst
 
Video

Demenz - der Fremde an meiner Seite

Rund 1,2 Millionen Menschen leiden hierzulande unter Demenz. Patienten vergessen nicht nur, oft ändert sich auch ihr Charakter. Pastor Jan Dieckmann sprach in "offen gesagt ..." mit zwei Betroffenen. mehr

Eine medizinisch-technische Radiologieassistentin betrachtet in Hannover in dem Mammografie Screening Zentrum eine Aufnahme einer Brust. © dpa Fotograf: Angelika Warmuth
 
Video

Brustkrebs - Leben mit der Angst

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Um darauf aufmerksam zu machen, findet im Oktober der Brustkrebsmonat statt. Pastor Jan Dieckmann sprach in "offen gesagt ..." mit Betroffenen. mehr

Waltraut Rollenhagen (li.) und Ute Seyfried (re.) © NDR / Christian Breidert Fotograf: Christian Breidert
 

Wenn das eigene Kind verschwunden ist

Für Eltern ist die Phase der Ungewissheit - zwischen Hoffen und Bangen - kaum zu ertragen. Pastor Jan Dieckmann sprach am 25. April in "offen gesagt ..." mit Betroffenen. mehr

Ausblick

Das Thema bei "offen gesagt ..." am 6. Mai 2012 um 13.15 Uhr: Ich bin homosexuell und will Kinder

Weitere Informationen

Kirchliche TV-Sendungen im Überblick

Fernsehgottesdienste und die christliche Talksendung "offen gesagt" - mehr Informationen zum kirchlichen Fernsehprogramm auf ARD und NDR gibt es hier. mehr

Kontakt

offen gesagt ...

Evangelische Kirche im NDR
Redaktion Hamburg
Wolffsonweg 4
22297 Hamburg
Tel: 040 - 51 48 09 - 0
Fax: 040 - 51 48 09 99
E-Mail: offengesagt@err.de

Links zum Thema

Die Beratungstelle bietet Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose.

Link in neuem Fenster öffnen

Beratung und Hilfe für Menschen ohne eigene Wohnung oder drohendem Wohnungsverlust.

Link in neuem Fenster öffnen


Angebot der Landeshauptstadt Kiel für obdachlose Menschen.

Link in neuem Fenster öffnen

Hilfsangebote auf der offiziellen Webseite der Stadt Flensburg.

Link in neuem Fenster öffnen

Informationsangebot für Wohnungslose, von Wohnlosigkeit Bedrohte und Menschen mit Armutserfahrung.

Link in neuem Fenster öffnen