Das Kirchenlexikon - E wie Ethik

von Jan von Lingen

"Es geschieht ja immer wieder Unrecht und man kann froh sein, wenn Menschen sich für andere einsetzen. Meine Frage ist: Wie kommen wir eigentlich zu einem christlichen Verhalten? Und wird man dadurch ein guter Mensch?"

Ein großer, geschnitzter Schmuck-Kompass an Bord des Passagierschiffs "Fair Lady". © NDR Fotograf: Carsten Valk Detailansicht des Bildes "Niemand ist gut außer Gott" - so schroff hat Jesus das einmal gesagt. Ein klare Absage, die zeigt: Als Menschen werden wir nie "perfekt" sein, aber das wissen Sie sicher selbst. Trotzdem sagt Jesus auch: "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Denn wir leben ja in Beziehungen. Da sind der Mitmensch, die Familie oder der Staat - und genau da, mitten im Alltag, muss sich der Glaube bewähren. Aber wie?

Es beginnt damit, dass wir sensibel werden für Recht und Unrecht und die Würde der Mitmenschen achten. Daraus folgt dann ein entsprechendes Verhalten: Wir sollen uns für andere einsetzen. Dies nennen wir "Ethik". Und darüber haben schon viele Philosophen und Theologen nachgedacht. Vier Tugenden waren in der Antike wichtig - Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, das rechte Maß. Später haben Theologen die christlichen Tugenden ergänzt: Glaube, Hoffnung, Liebe.

Doch so einfach das klingt: Diese klassischen Tugenden reichen heute nicht mehr aus. Denn unsere Welt ist kompliziert geworden: Dürfen zum Beispiel werdende Eltern ein Embryo untersuchen lassen, ob das werdende Kind behindert ist? Und ist dann eine Abtreibung ethisch vertretbar? Wann ist der Punkt gekommen, an dem ein Ehepaar, das sich auseinander gelebt hat, mit guten Gewissen trennen darf? Dürfen Soldaten in ein Land einmarschieren, um ein Unrechtsregime zu stürzen? Naturschutz, Geldwirtschaft, gerechte Produktionsbedingungen - es ist heute nicht leicht, richtige Entscheidungen zu treffen.

Mit der christlichen Ethik ist es wie mit einem Wanderer, der sich im Wald verlaufen hat. Nur weil er unsicher ist, wird er nicht stehen bleiben und auch nicht im Kreis laufen. Er wird bewusst in die Richtung gehen, die ihm richtig erscheint. Und wenn er Glück hat, hält er Kompass und Karte in Händen. Wie ein Kompass sind für mich die zehn Gebote und das Gebot der Nächstenliebe. Wie eine Karte ist die Bibel. In ihr heißt es: "Seid bedacht darauf, was ehrbar, gerecht und liebenswert ist!." Das zum Beispiel scheint mir die richtige Richtung. (nach Philipper 4,8)

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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