Das etwas andere Kirchenlexikon
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"Im Glaubensbekenntnis der christlichen Kirchen heißt es von Jesus: Er wurde geborgen, hat gelitten, ist gestorben, wurde begraben, stieg hinab ins Reich des Todes, ist am dritten Tage auferstanden. Warum wird von seinem Leben nichts gesagt?"
Eine Jesus-Figur am Kreuz.
Dafür gibt es nur einen Grund: Die Kirche beruft sich in ihrem Bekenntnis auf den dreifaltigen Gott - den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Sohn ist dabei weniger der irdische Jesus, als vielmehr der auferstandene Christus. Und darum ist im Glaubensbekenntnis auch nicht von Jesus die Rede sondern von Jesus Christus. Und es fehlt jeder Hinweis auf Jesu Wirken und Lehren zwischen seiner Geburt und der Kreuzigung. Im Bekenntnis der Christen fällt das Leben Jesu sozusagen unter den Tisch. Es kommt einfach nicht vor.
Lange Zeit hat das auch niemanden gestört. Ist das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis doch schon mehr als 1.500 Jahre alt. Und damit so etwas wie eine Institution, die nicht einfach verändert werden kann. Alle Aussagen, die in diesem Glaubensbekenntnis über Jesus Christus gemacht werden, greifen alte Formeln auf, die im Neuen Testament, also im zweiten Teil der Bibel, zu finden sind. Diese Formeln erinnern daran, welche Bedeutung Jesus Christus, der Sohn Gottes, für alle hat, die sich auf ihn berufen und sich zu ihm bekennen.
Für Martin Luther war das Apostolische Glaubensbekenntnis übrigens so etwas wie die Summe der Heiligen Schrift. Eine Kurzfassung, die alles Wesentliche enthält. Im 19. Jahrhundert kam Kritik auf an dieser Sichtweise. Wird im Bekenntnis doch das antike Weltbild vorausgesetzt. Wer es nicht kennt, kann beim Bekennen der Jungfrauengeburt und dem Hinabsteigen Jesu ins Reich des Todes durchaus ins Schleudern kommen. Um das Glaubensbekenntnis wurde in der Kirche lange gerungen. Es gab scharfe Auseinandersetzungen. Etwa darum, auf welche Weise Gott in Jesus Mensch wurde. Und wie das im Bekenntnis zu formulieren ist. Doch das Leben Jesu spielte bei den Diskussionen um das Bekenntnis keine Rolle. Zu groß ist die Spannung zwischen der historischen Gestalt Jesu und der Bedeutung, die ihr die ersten Christen beigemessen haben. Schon die Urgemeinde formt aus den sehr unterschiedlichen Jesusbildern das eine Christusbild, das die kirchliche Tradition und die Lehre beherrscht.
Und bis heute wäre es wohl schwierig, aus den Schilderungen Jesu in den Evangelien ein oder zwei Aussagen für einen Bekenntnistext zu formulieren, die von nahezu allen Christen akzeptiert werden.
Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.