Glossar

Radiokirche bei NDR 1 Niedersachsen

B

von Jan von Lingen

Übertritt zum Buddhismus

"Mein Sohn ist zum Buddhismus übergetreten.  Wie kann ich damit umgehen?"

Zwei Buddhisten messen den Platz für die neue Buddha Statue in Hannover aus. © NDR Fotograf: Jens Otto Detailansicht des Bildes Ihr Sohn wurde als Kind getauft und als Jugendlicher konfirmiert. Er war Mitglied der evangelischen Kirche und hat sich jetzt dem Buddhismus zugewandt. Für Sie als Mutter eine schwierige Entscheidung. Kaum nachzuvollziehen. Warum macht Ihr Sohn das?

Ich glaube, es geht dabei nicht allein um Ihren Sohn, sondern auch um Sie! Denn Sie sind aufgewachsen in einer Zeit der eindeutigen Antworten. Kirche hat für Sie vielleicht ganz selbstverständlich dazu gehört - die zehn Gebote, das Vaterunser, die Jesusgeschichten. Haben Sie sich als junger Mensch mit anderen Religionen wie dem Buddhismus beschäftigt? Wahrscheinlich eher selten - und wenn dann im Rahmen der Schule.

Ihr Sohn ist eine Generation jünger. Er ist ein Kind unserer Zeit. Und ein Religionswissenschaftler hat unsere moderne Gesellschaft einmal mit einem "Supermarkt der Religionen" verglichen. Was er damit meint: Heute gibt es ein unglaublich großes Angebot! In diesem "Religionssupermarkt" gibt es neben dem Christentum auch Buddhismus, Esoterik, Mystik, Yoga. Ihr Sohn hat also eine viel größere Auswahl als Sie. Und er hat sich entschieden für den Buddhismus. Die freie Wahl der Religion ist sein gutes Recht. Jeder darf über seine Religion frei entscheiden.

Und das erlebe ich auch in meinem Familien- und Freundeskreis. Wir diskutieren hin und wieder über Gott und die Welt. Aber da mischen sich Erfahrungen: Es geht um Kirche und um Sternzeichen. Und wir diskutieren auch über Jesus und über Meditation.

Zuhören und erzählen

Nun ist Ihr Sohn Buddhist geworden. Vieles mag Ihnen fremd sein am Buddhismus - wie die Seelenwanderung oder die Bedeutung der Meditation. Aber vieles ist uns vertraut - wie die Friedensliebe und die Ehrfurcht vor dem Leben. Nicht umsonst ist der Dalai Lama, ein Sprecher des Buddhismus, ein gern gesehener Gast bei Kirchen und Kirchentagen.

Wie Sie damit umgehen können, dass Ihr Sohn Buddhist ist? Sprechen Sie mit ihm! Hören Sie zu, was ihn am Buddhismus fasziniert - und erzählen Sie ihm, warum Ihnen der christliche Glaube gut tut.

Erzählen Sie ihm, wie wichtig Ihnen das Gebet war, als Sie nicht aus und ein wussten. Vielleicht spielt auch ein Psalm eine wichtige Rolle in Ihrem Leben - wie Psalm 23 "Der Herr ist mein Hirte". Was hat der Psalm Ihnen bedeutet...

Überzeugen müssen Sie einander nicht. Aber vielleicht können Sie einander zuhören und voneinander lernen?

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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