Das Kirchenlexikon - A wie (US-)amerikanische Kirchen

von Jan von Lingen

"Bald wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Dabei spielen die Kirchen eine wichtige Rolle. In den USA gibt es ja viele fundamentalistische Kirchen, deren Einstellungen in einer modernen Welt nicht nachvollziehbar sind. Warum sind die Kirchen in den USA so anders?"

Amerikas Präsident Barack Obama und Mitt Romney von den Republikanern. (Montage) © picture alliance / dpa Fotograf: Ron Sachs, Justin Lane Detailansicht des Bildes Die Kirchen in den USA sind so anders, weil sie eine andere Geschichte haben als die Kirchen bei uns. Denken Sie an die sogenannten Pilgerväter, die ersten amerikanischen Siedler. Sie hatten sich von der Kirche in England losgesagt und traten die weite Reise über den Atlantik an, dort lebten sie fortan im neuen "gelobten Land" - Amerika. Ihnen folgen viele andere christlichen Gemeinschaften, die wegen ihres strengen Glaubens in Europa benachteiligt oder zum Teil sogar verfolgt wurden.

Und so vielfältig wie einst die Einwanderer waren, so vielfältig ist heute die kirchliche Landschaft. Und wer durch die USA reist, wird oft ganz selbstverständlich gefragt: Which church do you belong to? Welcher Kirche gehören Sie an? In den USA gehören viele zu den Baptisten, Methodisten oder den Episkopalen, aber auch zur katholischen Kirche. Mehr als 80 Prozent der Amerikaner verstehen sich als gläubige Christen.

Das wissen auch die Wahlkampfmanager und Politiker. Und sie wissen auch: Die meisten streng gläubigen Christen wählen eher konservativ, also republikanisch. Das bedeutet: Sie schätzen Familie, Kirche, Tugenden, lehnen anderes ab: Abtreibung, die Evolutionslehre oder Homosexualität. Darum spielen diese Themen immer eine Rolle bei der Präsidentschaftswahl und den Vorwahlen.

In diesem Jahr ist ein aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat zum Beispiel der Multimillionär Mitt Romney, er wäre der erste Mormone als Präsident. Die Mormonen haben neben der Bibel eine weitere "heilige Schrift", verzichten konsequent auf Rauchen oder Alkohol, fordern einen strengen Gehorsam und tun sich schwer mit der Gleichberechtigung der Frauen. Doch so "fundamentalistisch" sind nicht alle Kirchen, es gibt Unterschiede: Viele Gemeinden sind sozial engagiert, kämpfen gegen die Todesstrafe oder den Irakkrieg. Und in den Städten leben Menschen liberaler als auf dem kirchlich geprägten Land.

Für uns ist diese religiöse Stimmung in den USA schwer nachvollziehbar, aber sie hat eben ihre historischen Wurzeln. Und tatsächlich ist die amerikanische Geschichte mit ihren Einwanderern ohne die vielen Kirchen nicht denkbar. Denn obwohl Staat und Kirche in den USA strikt getrennt sind, hält Religion auf ihre Weise die Gesellschaft zusammen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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