"Vergiss mein nicht" - ein intimes Filmprojekt

Sie war eine starke Frau, hatte ein bewegtes Leben - heute erkennt sie manchmal weder den eigenen Mann noch ihren Sohn.

Gretel, die Mutter von Filmemacher David Sieveking, ist an Demenz erkrankt. Er zieht für einige Zeit zu seinen Eltern, um seinen Vater zu entlasten und dokumentiert diese Zeit. Entstanden ist ein intimes Filmprojekt - der Dokumentarfilm "Vergiss mein nicht".

"Schon nach einer Woche bin ich völlig erledigt"

Zeit für die kranke Mutter - und trotzdem arbeiten. Für viele Angehörige ist das ein Problem. Sieveking löst es auf seine Weise: Er fängt einfach an zu drehen. David ist nun Sohn, Betreuer und Dokumentarfilmer in einer Person. Gretel genießt den Trubel, für Sieveking aber ist der Alltag hart. "Schon nach einer Woche bin ich völlig erledigt. Keine Ahnung, wie mein Vater das die letzten Jahre geschafft hat", erinnert sich der Filmemacher. Davids Mutter verliert schleichend ihr Gedächtnis, aber sie zeigt neue Facetten: Ehrlichkeit und Unschuld - gepaart mit Wortwitz und weiser Poesie.

Blick in die Vergangenheit

Der Film erzählt auch von der früheren Gretel, einer unabhängigen, intellektuellen Frau. Sie studierte Sprachwissenschaften und hatte eine eigene Sendung beim NDR. Während der 68er war sie politisch sehr aktiv, genau wie ihr Mann Malte. Und sie führten eine "offene Ehe" - nicht ohne Krisen.

Liebe und der Humor tragen die Familie

Die Krankheit verändert auch die Zweisamkeit: "Das Wunder der Dreharbeiten war, dass sich eine Liebesgeschichte ergeben hat, dadurch, dass die Demenzerkrankung zwischen meinen Eltern nochmal eine neue Art von Liebe hat aufkeimen lassen und nochmal was hat aufblühen lassen, was die beiden noch nie erlebt hatten. Und in gewisser Weise war das ja auch zwischen mir und meiner Mutter so - ich bin ihr auch noch nie so nah gekommen", erzählt Sieveking.

Die Liebe und der Humor tragen die Familie und den Film. Das ist tröstlich. Darf man einen Film über seine kranke Mutter machen? Wenn er so wird - ja.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 28.01.2013 | 22:45 Uhr

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Infos zum Film

Vergiss mein nicht

Dokumentarfilm 2012
Buch & Regie: David Sieveking
Länge: 88 Min.

Ab 31. Januar im Kino

Links

Offizielle Homepage des Dokumentarfilms.

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Weitere Informationen
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