Spielfilme im NDR Fernsehen
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"Schiffbruch mit Tiger", das Buch des Kanadiers Yann Martell, war vor zehn Jahren ein Bestseller. Die Geschichte eines Schiffbrüchigen, der zusammen mit einem Tiger in einem Rettungsboot überlebt, wurde jetzt verfilmt. Regie führte Ang Lee, der bereits mehrere Oscars gewonnen hat, Hollywoods Spezialist für großes magisches Kino.
Der 17-jährige Inder Pi will zusammen mit seinen Eltern nach Amerika auswandern. An Bord des Frachters, der sie in die neue Welt bringen soll, sind auch mehrere Tiere aus dem Zoo, den die Familie in Indien besaß. Das Schiff gerät in Seenot und sinkt. Nur Pi und der bengalische Tiger mit dem schönen Namen Richard Parker können sich wie durch ein Wunder retten. Gemeinsam auf engstem Raum in einem Rettungsboot treiben sie monatelang auf dem Meer. Pi (gespielt von dem Newcomer Suraj Sharma) und der gefährliche Tiger lernen miteinander auszukommen.
Der Roman galt lange als unverfilmbar. Statt turbulenter Abenteuer handelt das Buch von religiöser Sinnsuche. Gerade dies hat Regisseur Ang Lee gereizt. Er möchte zeigen, wie Pi seine eigenen Ansichten über die menschliche Natur und den Glauben entwickelt. Das hat auch sein indischer Hauptdarsteller Sharma bei den Dreharbeiten erlebt: "Für Ang ist das kein Film, für ihn ist das eine Suche. Er begibt sich auf eine Reise, und es ist keine einfache, sondern eine riskante Reise. Für ihn ist es eine Prüfung, der er sich ganz ausliefert. Und wir begleiten ihn dabei."
Mit seinen Botschaften droht der Film zuweilen in den esoterischen Kitsch abzurutschen. Doch die dreidimensionalen, teils computeranimierten Bilder, in denen Realität und Phantasie verschmelzen, sind beeindruckend. Während die 3-D-Technik sonst eingesetzt wird, um den Zuschauer zu überwältigen, vermeidet Ang Lee jede Effekthascherei. Diesmal dürfen wir träumen, wenn Pi über den Pazifik schaukelt oder schon als kleiner Junge im Zoo entdeckt, dass auch wilde Tiere eine Seele haben.
Pi hat genügend Zeit, seine Ansichten über die menschliche Natur und den Glauben zu überdenken.
Ang Lee schafft Szenarien, wie man sie im Kino noch nicht gesehen hat. Fliegende Fische regnen in allen Farben über die Leinwand. Ein Wal taucht aus den Tiefen des Meeres auf und reitet über die Wellen. Neonfarbene Papageien flattern in 3-D durch eine Voliere. Prächtige Kostüme - und für die Komik sorgt Gérard Depardieu mit einem Gastauftritt als böser Schiffskoch. Märchenhaftes Kino zum Jahreswechsel.