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Die Absolventen der Hamburg Media School Max Zähle (Regie und Drehbuch), Stefan Gieren (Produktion) und Sin Huh (Kamera) waren mit "Raju" für den diesjährigen Oscar in der Kategorie "Bester Kurzfilm" nominiert. Kurz vor dem Abflug nach Hollywood sprach NDR.de mit Stefan Gieren und Sin Huh.
NDR.de: Wer aus Ihrem Team fliegt nach Los Angeles?
In Internetrankings liegt "Raju" im Rennen um den Kurzfilm-Oscar vorn. Produzent Stefan Gieren (links) und Sin Huh (Kamera) freuen sich.
Stefan Gieren: Wir alle gehen nach Hollywood. Wir kriegen zwar keine Zuschüsse von der zuständigen Academy der Oscars für die Flüge. Aber das ist eine so große Ehre, dabei zu sein, da graben wir alle unsere Ersparnisse an und kriegen einen freundlichen Zuschuss von German Films, damit wir alle da sein und diesen Moment in Los Angeles genießen können.
Was sagt Ihre Uni, die Hamburg Media School, zur Nominierung?
Stefan Gieren: Die sind total aus dem Häuschen, freuen sich wahnsinnig für uns und helfen uns etwas dabei, alles zu koordinieren. Mit ein bisschen Glück kommen sogar ein paar von der Schule nach Los Angeles. Wir haben sogar drei indische Teammitglieder, die den Weg auf sich nehmen.
Sin Huh: Wow, ich bin überrascht, ich wusste das nicht.
Und die dürfen alle mit in den Saal der Verleihung?
Stefan Gieren: Die dürfen nicht alle mit rein. Es kriegen nur die direkt Nominierten die Karten, also der Regisseur Max Zähle und ich als Produzent. Wir dürfen jeweils eine Person mitnehmen. Das sind Sin Huh, der Kameramann und der Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring. Wir versuchen Hände ringend, für die Hauptdarstellerin Julia Richter noch ein Ticket zu bekommen.
Wie aufgeregt ist man als Künstler, neben Größen wie Clooney und Spielberg nominiert zu sein und im selben Raum zu sitzen?
Stefan Gieren: Ich war vor kurzem beim gemeinsamen Mittagessen mit allen Oscar-Nominierten. George Clooney war da, Brad Pitt, Meryl Streep, Steven Spielberg und Martin Scorsese. Die ganzen Namen, die einen seit der Jugend begleiten. Mit denen kann man plötzlich Hände schütteln, sprechen und Scherze machen. Man ist gemeinsam auf einer Art Klassenfoto. Das hat etwas Surreales, aber es ist wunderschön. Man spricht halt mit allen mal kurz und versucht, dass sie einen in Erinnerung behalten. An unserem Tisch saß der Szenenbilder des Stummfilms "The Artist", der fantastische Arbeit geleistet hat. Mit dem war es ganz spannend, sich lange zu unterhalten.
Sin Huh: Da war ich leider noch nicht mit dabei, aber wenn die ganzen Helden der Kindheit da plötzlich stehen, man am Büffet neben denen steht und Häppchen zu sich nimmt, muss das schon eine ziemlich besondere Sitation sein, zum Beispiel mit Steven Spielberg. Das ist ein Traum, der wahr wird.
Kommen Sie vor lauter Terminen noch zu anderen Projekten?
Stefan Gieren: Mein Februar ist so voll mit lauter glücklichen Nachrichten zwischen Hollywood und Berlinale! Aber tatsächlich drehe ich gerade einen Thriller, einen richtigen Kinofilm. "On Air" soll der heißen und wir haben einen Verleih, der diesen im Oktober ganz groß rausbringen will. Das wird ein richtig großes Ding und macht jetzt schon richtig viel Spaß. Weitere Details will ich aber noch nicht verraten. Wir haben aber einen sehr internationalen Stoff und werden uns nicht vor James Bond verstecken müssen.
Hätten im Fall der Fälle 45 Sekunden Zeit, um sich zu bedanken: Max Zähle (r.) und Stefan Gieren.
Was schreibt man in die - potenzielle - Dankesrede?
Stefan Gieren: Man schreibt keine Rede. Der Planungshorizont ging ja nur bis zur Nominierung, die man sich herbeigeträumt hat. Und jetzt ist soviel zu tun, dass man an das Gewinnen gar nicht denken man und auch gar nicht die Zeit hat. Und auf das Gewinnen kommt es in diesem speziellen Fall auch gar nicht mehr an. Weil: Alleine über diesen Roten Teppich zu laufen, im Kodaktheater zu sitzen, auf dieser Leinwand vielleicht ein Ausschnitt des eigenen Films zu sehen, das ist gar nicht zu toppen! Da will man nicht noch an mehr denken. Da will man nicht vorher eine Dankesrede schreiben. Wir haben 45 Sekunden. Die Leute in Hollywood sind es gewöhnt, zu unterhalten und mitzureißen und das kann man - oder man kann das nicht. Es gibt bei den Oscars auch ganz furchtbare Dankesreden. Das liegt einem oder auch nicht, das ist Showbusiness.
Wie viele Gedanken macht man sich als Mann übers Outfit, wenn einen Millionen Zuschauer sehen?
Stefan Gieren: Man macht sich total Gedanken! Man könnte sich ja nie so ein Outfit leisten, aber wir haben Sponsoring von der Firma Joop erhalten. Die statten uns aus. Wir werden im Smoking über den Roten Teppich laufen. Wir sind so froh, ich hätte mir das niemals leisten können.
Bedeutet Smoking Fliege oder Krawatte?
Stefan Gieren: Zum Glück haben wir eine Kostümbildnerin, Petra Kilian, die uns berät, eine gute Freundin. Ob Krawatte oder Fliege hängt wohl von der Art des Anzugs oder Smokings ab. Aber Schwarz ist natürlich Pflicht.
Das Gespräch führte Patricia Batlle, NDR.de.