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Blau verfremdetes Motiv: Eine ausgerollte Filmrolle. © © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M Fotograf: © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M
 

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Vincent will Meer

Kinostart: 22. April 2010

Vorgestellt von Moritz Holfelder

Gesellschaftliche Außenseiter sind dankbare Figuren für Tragikomödien, man denke an "Rain Man" oder "A Beautiful Mind". Schwierig wird es aber, wenn diese Antihelden allzu deutlich mit körperlichen oder psychischen Behinderungen zu kämpfen haben. Regisseur Ralf Huettner versucht mit "Vincent will meer" die Gratwanderung zwischen der tragischen Geschichte von drei schwer therapiebedürftigen jungen Menschen und den vielen komischen Momenten, die ihre Flucht aus einem Heim Richtung Italien mit sich bringt. "Vincent will Meer" kommt diese Woche in die deutschen Kinos.

Eine abenteuerliche Fahrt

Magersucht, Zwangsneurose und Tourette-Syndrom - so lauten die Krankheitsbilder, unter denen die drei jungen Menschen leiden, die in "Vincent will meer" eine Art Ausbrechergemeinschaft auf der Reise an die italienische Mittelmeerküste bilden. Vincent, der Hauptcharakter, hat eine Mission zu erfüllen: Er will die Asche seiner verstorbenen Mutter dort ins Meer streuen, wo seine Eltern einst glücklich waren.

Vincent leidet unter dem Tourette-Syndrom, das sich in ungewollten verbalen Entgleisungen äußert. Als er in eine Klinik kommt, um zu lernen, wie er am besten mit der Krankheit umgeht, trifft er auf Menschen mit ähnlichen Schicksalen. Zusammen mit der magersüchtigen Marie und seinem zwangsneurotischen Zimmergenossen Alexander klaut er das Auto der Klinikleiterin und begibt sich auf die abenteuerliche Fahrt Richtung Meer.

Kurzweiliger Wohlfühlfilm

"Vincent will meer" funktioniert als Roadmovie. Das erinnert ein wenig an die Behindertenkomödie "Verrückt nach Paris", die 2002 eine ähnliche Geschichte sehr charmant und frisch erzählte.

Regisseur Huettner lässt seine Version allzu schnell in einen harmlosen, kurzweiligen Wohlfühlfilm übergehen, der bietet, was man von leichter Kost dieser Art erwartet: Die drei Heiminsassen auf der Flucht lernen mit- und aneinander eine Menge fürs Leben, und sie schaffen es innerhalb kürzester Zeit, ihre jeweiligen Krankheiten ein bisschen zu besiegen: Die magersüchtige Marie fängt an, zu essen; der zwanghafte Alexander wird plötzlich ganz locker; und Vincent beginnt, sich gegenüber seinem herrischen Vater zu emanzipieren. Auch zeigt Huettner, dass die vermeintlich normalen Menschen genauso beschränkt, behindert oder verrückt sind wie die offiziell Therapiebedürftigen. Der Regisseur dämpft dabei die Ausfallserscheinungen des Trio Infernals komödiengerecht und verharmlost die jeweiligen Krankheitsbilder trotz des Bemühens um Authentizität. Ein bisschen Therapie ist so für jeden dabei, meint Huettner.

Eine ziemlich durchgeknallte Beziehung

"Vincent will meer" fehlt es bei allen verständlichen Bemühungen um Witz und Leichtigkeit vor allem an Tempo und Rhythmus. So positiv es überhaupt ist, einmal einen Spielfilm über ein paar gehandikapte junge Menschen zu drehen, so beklagenswert ist es dann, wenn das Werk sich als recht bieder entpuppt. Allein Florian David Fitz und Karoline Herfurth als Vincent und Marie machen die launig konventionelle Komödie zum Erlebnis: Ihr Versuch, eine ziemlich durchgeknallte Beziehung zu leben, besitzt allein die verstörende Kraft, die "Vincent will meer" dann doch kinotauglich macht. So hätte man sich die gesamte Inszenierung gewünscht: rebellisch und doch sensibel, neurotisch und doch getragen von einem existentiellen Lebensmut.

"Vincent will meer" - eine Komödie, die man sich ein wenig schwergewichtiger gewünscht hätte.

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