Spielfilme im NDR Fernsehen
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Geheimdienstler sprechen nicht gern über ihr Geschäft, schließlich gehört Verschwiegenheit zu eben diesem. Erst recht gilt das, wenn es um offizielle oder inoffizielle Handlungsanweisungen geht. "Töte den Terroristen, bevor er es tut" ist ein solcher Grundsatz in Israels Inlandsgeheimdienst, wie der Dokumentar-Film "Töte zuerst - Der israelische Geheimdienst" ("The Gatekeepers") es zeigt.
Die Koproduktion des NDR mit dem israelischen Fernsehen IBA und ARTE France gewährt exklusive Einblicke in die israelische Besatzungspolitik: Im Film von Regisseur Dror Moreh treten erstmals alle sechs noch lebenden ehemaligen Chefs des Innengeheimdienstes Israels ("Schin Bet") vor die Kamera und berichten offen über ihre Arbeit.
Die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" hatte den Film "Töte zuerst" Mitte Januar in der Kategorie "beste Dokumentation" für einen Oscar nominiert. Doch er konnte sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen.
NDR Intendant Lutz Marmor äußerte sich damals erfreut: "Dass eine Koproduktion des NDR als eine der weltweit besten fünf Dokumentationen für den Preis nominiert wurde, ist ein Riesenerfolg und belohnt das große Engagement des NDR für den Dokumentarfilm. Ich beglückwünsche die Macher des Films sehr herzlich. Glückwunsch auch an Patricia Schlesinger und Barbara Biemann, die stets an den schwierigen Stoff geglaubt und den Film redaktionell kompetent begleitet haben."
Der Schin Bet ist zuständig für die innere Sicherheit in Israel und in den besetzten Gebieten Westjordanland und Gaza.
Panzer und isrealische Soldaten im Grenzgebiet zum Gazastreifen.
Seit dem Sieg seiner Streitkräfte im Sechstagekrieg 1967 ist es Israel nicht gelungen, dauerhaft Frieden zu schließen. Die sechs für den Film "Töte zuerst" interviewten Leiter des Schin Bet standen seit Ende des Krieges im Zentrum aller sicherheitsrelevanten politischen Entscheidungen Israels. Sie berieten alle Premierminister, ihre Einschätzungen und Ansichten hatten - und haben - erheblichen Einfluss auf die israelische Politik.
Der 51-jährige Moreh, selbst ehemaliger Soldat einer Geheim-Einheit, beschäftigt sich schon lange in seinen Filmen mit israelischer Politik. Während der Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm über Ariel Sharon kam ihm die Idee, einen Film über die Männer im Zentrum der israelischen Macht zu drehen. Der ehemalige Schin Bet-Chef Ami Ayalon sagte Moreh sofort zu, bei einem solchen Projekt mitzuwirken. Nach und nach bekam er Kontakt zu den anderen noch lebenden Schin Bet-Chefs.
Im Film sprechen sie unter anderem über gezielte Tötungen von Palästinenserführern, über Bombenabwürfe auf Gaza, aber auch über den Terror ultraorthodoxer Juden. Selbstkritisch sehen sie aber auch ihr eigenes Agieren. Sie berichten von Erfolgen und Niederlagen, darüber, wie sie den Sicherheitsapparat nach dem Sechstagekrieg aufbauten und zu einem der ausgeklügeltsten Überwachungssysteme der Welt machten.
Ihr Fazit: Israels Zukunft ist düster, Jerusalem gewinne zwar jede Schlacht, verliere aber den Krieg. Und die Israelis seien grausam geworden - nicht nur zu den Palästinensern, auch zu sich selbst.
Schin Bet oder auch Schabak nennt sich Israels Inlandsgeheimdienst. Seine Kernaufgaben liegen in der Spionageabwehr und der Terrorismusbekämpfung sowie im Personenschutz. Sein Operationsgebiet umfasst auch die von Israel besetzten Gebiete im Westjordanland und Gaza-Streifen.
Mossad ist der israelische Auslandsgeheimdienst, von den Aufgaben wie Informationsbeschaffung und Aufklärung vergleichbar mit der US-amerikanischen CIA oder dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND). Als operatives Instrument der Regierung setzt Mossad Israels Interessen im Ausland teils mit international umstrittenen Methoden durch.
Aman heißt Israels militärischer Nachrichtendienst, vergleichbar dem bundesdeutschen "Militärischen Abschirmdienst" (MAD). Der vierte Nachrichtendienst Lakam, dessen Aufgabe die Unterstützung des israelischen Nuklearprogramms war, wurde 1986 aufgelöst.
Dror Morehs Dokumentarfilm hat sich im Wettbewerb um den Oscar zwar nicht durchgesetzt, feierte aber dennoch große Erfolge auf der ganzen Welt. Die "National Society of Film Critics" der Vereinigten Staaten verlieh ihm unlängst den Preis als bester Dokumentarfilm des Jahres. Auch auf Festivals unter anderem in Toronto und Amsterdam erlangte die Dokumentation höchste Anerkennung.
Anfang Januar lief der Film in den israelischen Kinos an.
tötet zuerst
Dass dieser großartige Film keinen Oscar gewinnen konnte ist doch wohl klar. "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" [mehr]