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Charly Graf - Ein deutscher Boxer

Erstausstrahlung: 12. Juni 2012 im Ersten

Nach dem aufsehenerregenden Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende", den international viel beachteten Dokumentarfilmen "Aghet - Ein Völkermord" und "Das Schweigen der Quandts" widmete sich Grimme-Preisträger Eric Friedler mit seinem neuen Film "Ein deutscher Boxer" einer besonderen Lebensgeschichte und einer außergewöhnlichen Sportler-Karriere.

Ausschnitte aus "Ein deutscher Boxer"

Kulturjournal - 28.03.2011 22:30 Uhr - Autor/in: Eric Friedler

Eric Friedler erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen und Boxers: Charly Graf. Ein Kurzbeitrag des Kulturjournals zum Dokumentarfilm.

Eine Kindheit geprägt von Armut und Rassismus

Schwarzer, Boxer, deutscher Meister: Charly Graf wird 1951 im sozialen Brennpunkt Mannheim-Waldhof als unehelicher Sohn einer ungelernten Arbeiterin und eines schwarzen US-Soldaten geboren und wächst in den sogenannten Benz-Baracken auf. Rückblickend wird er sein Leben als ewigen Kampf bezeichnen.

Wegen seiner Hautfarbe wird er immer wieder ausgegrenzt und mit Vorurteilen konfrontiert. Die ersten Trainer erklären dem Nachwuchssportler, dass er einer anderen Rasse angehöre. Trotz früher Erfolge im Boxsport wird er kriminell, denn im Rotlichtviertel von Mannheim, wo er mit dem organisierten Verbrechen in Berührung kommt, fühlt er sich anerkannt. Immer wieder gerät er mit dem Gesetz in Konflikt, landet regelmäßig im Gefängnis, wo er zusammengerechnet rund zehn Jahre seines Lebens verbringt.

Der Boxer und der Terrorist

Inspiriert vom Streik in der Danziger Werft, aus der die Bewegung Solidarnocz hervorgehen wird, zettelt er 1980 spontan und mit dem Schlachtruf "Solidarität" eine Gefängnismeuterei an, als er seine schwerkranke Mutter nicht besuchen darf. Im politisch noch immer sensiblen Klima der 80er-Jahre wird er daraufhin in die JVA Stammheim verlegt. Hier lernt er den Ex-RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock kennen, mit dem er von nun an seine Hofgänge zu absolvieren hat. Zwei Welten prallen aufeinander - doch die beiden so verschiedenen Männer freunden sich entgegen aller Erwartungen an.

Peter-Jürgen Boock (Ex-RAF-Mitglied) zusammen mit Charly Graf (Ex-Profiboxer) vor der JVA Stammheim. © NDR Detailansicht des Bildes Eine Freundschaft, die Leben verändert: Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock (l.) und Boxprofi Charly Graf. Peter-Jürgen Boock beginnt, Charly Graf für Literatur zu interessieren, was dessen Leben eine völlig neue Wendung gibt. So fängt das Kind aus den Benz-Baracken an, Roman-Klassiker von Hermann Hesse und William Faulkner zu lesen. Worte, so erkennt der ehemalige Zuhälter und Türsteher fasziniert, können über dieselbe Kraft verfügen wie Faustschläge. Boock bringt Graf nicht nur dazu, sein Leben und sich selbst zu hinterfragen, sondern motiviert ihn auch, wieder an seine Profi-Laufbahn als Boxer anzuknüpfen.

Als Häftling im offiziellen Boxwettkampf

Doch dann wird Graf überraschend in die JVA Ludwigsburg verlegt. Allerdings hat er diesmal ein paar Bücher im Gepäck und den festen Willen, wieder als Boxer einzusteigen. Es ist ein veränderter Graf, der in Ludwigsburg den Kontakt zur Gefängnisleitung sucht und dem es gelingt, sich als Häftling erfolgreich für offizielle Wettkämpfe anzumelden. Klug mobilisiert er mit Hilfe des Box-Promoters Jean-Marcel Nartz die deutsche Presse und stellt die Anstaltsleitung mit einer geglückten Anmeldung zu einem Kampf vor vollendete Tatsachen.

Charly Graf (r.) boxt gegen Reiner Hartmann. © picture-alliance/Sven Simon Fotograf: Sven Simon Detailansicht des Bildes Charly Graf (r.) in seinem Kampf gegen Reiner Hartmann um die deutsche Meisterschaft der Profis am 9. März 1985. Eisern zieht er sein persönliches Trainingsprogramm durch und bekommt sogar einen täglichen Trainerbesuch gestellt. Grafs Rechnung geht auf. Er darf zum ersten Kampf in die Freiheit und wird sogar von einer "grünen Minna" gebracht, mit persönlicher Polizei-Eskorte. Ein einzigartiger Fall in der deutschen Justizgeschichte. Und Graf gewinnt! Und er gewinnt immer wieder und befindet sich bald auf dem direkten Weg zur deutschen Meisterschaft. Dabei wird die Ballade "Willy" von Konstantin Wecker wichtig für ihn. Als, wie er es formuliert, "intellektueller Ratschlag, einen Kampf zu gewinnen". Und tatsächlich: Wieder in Freiheit gelingt es ihm, Deutscher Meister im Schwergewicht zu werden.

Vom Deutschen Meister in die Depression

Charly Graf glaubt sich am Ziel seiner Träume, fühlt sich "wie im Paradies" und endlich, endlich anerkannt als Deutscher. Doch schon wenige Monate später verliert er unter dubiosen Umständen seinen Titel. Schiebung oder faire Entscheidung? Charly Graf fällt in eine tiefe Depression, hört auf zu boxen, verlässt Mannheim. Es wird Jahre dauern, bis Charly Graf diesen Schlag verwindet. Über ein Jahrzehnt später kehrt er zurück, versucht neu, Fuß in der alten Heimat zu fassen, findet endlich als Sozialarbeiter in Mannheim seine Berufung. Und dann erfährt er doch noch Gerechtigkeit. Von einer Seite, von der er es nie erwartet hätte.

  • Innenansichten eines Kämpfers

    Charly Graf mit verbundenen Händen in Boxerpose. © NDR Detailansicht des Bildes "Mein Name ist Charles Graf, ich bin geboren am 16. November 1951 in Mannheim. Die meisten sehen mich als Boxer mit einem beschränkten Horizont. Und für mich sind die Siege, wenn ich sie in ihrer Haltung zerstöre. Neger, Neger! Ich musste immer kämpfen. Es war immer ein Kampf. Für mich war es ein Kampf, einfach, einfach ... um klar zu machen, dass ich ein Mensch bin."

  • Charly Graf als Vierjähriger mit seiner Mutter. © NDR Detailansicht des Bildes "Manchmal aber lag ich alleine im Bett. Mittwochs. Und dann habe ich gehofft, dass meine Mutter keinen Mann mitbringt. Das war komisch, ich hab auch gehofft, dass sie bald kommt, weil ich in der Wohnung alleine war. Ich hatte Angst. Diese Angst hat sich durch mein Leben gezogen, diese Angst. Angst vor meinen Gefühlen, vor meiner Unsicherheit."

  • Peter-Jürgen Boock (Ex-RAF-Mitglied) zusammen mit Charly Graf (Ex-Profiboxer) vor der JVA Stammheim. © NDR Detailansicht des Bildes "Was Sozialarbeiter und andere Institutionen nicht geschafft haben, hat ein Terrorist geschafft. Ein Mensch, der gemordet hat, hat verhindert, dass ich auch in diese Richtung gehe, weil ich war ja wirklich in der organisierten Kriminalität. Die Gespräche mit diesem Mann haben mein ganzes Weltbild über den Haufen geworfen und verändert. Ich wäre der gleiche Prolet wie ich vor 25 Jahren war, ohne Peter-Jürgen Boock."

  • Charly Graf. © NDR Detailansicht des Bildes "Das ist eine Leere. Eine große Leere, die auch übergeht in eine Depression. Denn man spürt ja im Unterbewusstsein, dass man nur als Sieger gemocht wird und akzeptiert wird. Das war ja jetzt nicht so, dass ich nur einen Kampf verloren hätte, sondern mein Selbstwertgefühl, meine Existenz, mein Ich war weg. Mein ganzes Selbstvertrauen, nicht wegen irgendwelchen Schmerzen oder sonst was. Nein. Der ganze Mensch Charly Graf war ausgelöscht für mich."

  • Charly Graf. © NDR Detailansicht des Bildes "Und ich weiß noch, meine ersten Trainer haben das damit erklärt, dass ich eine andere Rasse bin. Eine andere Rasse! Irgendwann habe ich diesen Mist geglaubt. Zeitweise. Aber ich bin keine andere Rasse. Das bin ich nicht. Ich bin ein Mensch mit Gefühlen, der Sehnsucht hat nach Liebe, Freundschaft ... der aber in totaler Einsamkeit lebt."

  • Charly Graf. © NDR Detailansicht des Bildes "Es gibt ja diesen Spruch vom 'Resozialisieren'. Das Re- ist falsch! Man kann niemanden resozialisieren, der in der Vergangenheit nicht sozialisiert war. Den kann man auch nicht resozialisieren. Man muss erst mal sozialisiert sein. Und das war ich bis dato noch nie."

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Auszeichnung

Drei NDR Produktionen erhalten Grimme-Preis

Darunter auch "Ein deutscher Boxer" von Eric Friedler. mehr

Zitate aus der Presse
Zeitungen in einem Kiosk © Piicture-Alliance / dpa
 

"Ein deutscher Boxer" - Pressestimmen

Eine Zusammenstellung von Kommentaren und Kritiken aus deutschen Medien zur NDR Dokumentation "Ein deutscher Boxer". mehr

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Thomas Classen. © NDR
 
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Zahlreiche Größen aus dem Profiboxsport wie Thomas Classen kommen in dem Dokumentarfilm zu Wort.

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Interview
Eric Friedler. © NDR/Pressebild.de/Bertold Fabric
 

Vom Reiz des Unvorhersehbaren

Gespräch mit Eric Friedler zu seinem Dokumentarfilm "Ein deutscher Boxer". mehr

Hinter der Kamera
Charly Graf in Boxmontur auf dem Gang eines Gefängnisses. © NDR
 
Links
Charly Graf. © NDR
 
Link

Über den Aufstieg und Fall des deutschen Boxers Charly Graf. (tagesschau.de)

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