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Blau verfremdetes Motiv: Eine ausgerollte Filmrolle. © © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M Fotograf: © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M
 

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Filmrezension: Melancholia

von Krischan Koch

Lars von Trier gilt einer der wichtigsten Filmregisseure Europas und gleichzeitig einer der umstrittensten. Nach seinen provozierenden Sympathiebekundungen für die Nazis auf dem Filmfestival in Cannes wurde er von der Festivalleitung zur unerwünschten Person erklärt. Sein Film "Melancholia" aber wurde von der Kritik gefeiert. Hauptdarstellein Kirsten Dunst gewann die "Silberne Palme".

Hochzeit in den letzten Tagen der Menschheit

Ein großer Planet rast auf die Erde zu und wird bald mit ihr kollidieren. Die depressive Justine (gespielt von Kirsten Dunst) will ihrem Leben noch einen Sinn geben und ihre Hochzeit feiern. Ihre Schwester Claire hat auf einem malerischen Landgut in den schwedischen Schären alles perfekt organisiert. Doch wie man das aus skandinavischen Filmen schon kennt, das rauschende Fest misslingt. Die gemietete Stretchlimo bleibt im Wald stecken und die Mutter (Charlotte Rampling) hält böse Hochzeitsreden.

Nach ihrer Hochzeit rutscht Justine immer stärker in Depressionen ab. Claire nimmt sie bei sich auf. Doch angesichts des bedrohlich näherkommenden Planeten mit dem schönen Namen Melancholia wird auch die ältere Schwester von Ängsten gequält. In seinem Film zelebriert Lars von Trier das große Leitmotiv seiner Arbeit: die Melancholie.

"Wenn ich schreibe", so Lars von Trier, "dann erzähle ich von mir selbst. Justines und Clairs Depression ist nichts anderes als eine Beschreibung meiner eigenen Depressionen. Irgendwie sehe ich mich in beiden Schwestern. Man kann sie als eine Person sehen, als zwei Seiten einer Person."

Ein berauschend schöner Film in märchenhaften Bildern

Mit der nahenden Katastrophe tauschen die Schwestern ihre Rollen. Justine wird immer gelassener. Genüsslich sonnt sie sich nackt im Mondlicht des unheimlichen Planeten, im Schein des Untergangs. Kirsten Dunst spielt das mit gespenstisch kaltem Blick. Claire (Charlotte Gainsbourg) verfällt derweil immer mehr in Panik.

Lars von Trier schwelgt in deutscher Romantik. Ihm gelingen betörend schöne, manchmal kitschige Szenen, unterlegt mit Wagners "Tristan und Isolde", surreale Bilder aus einem Schlossgarten, in dem die Schatten der Bäume zu beiden Seiten fallen, und alptraumhafte Situationen, wenn sich Wurzelwerk in Justines Hochzeitskleid verfängt und sie am Davonlaufen hindert. So etwas schafft nur Lars von Trier: Ein berauschend schöner Film über die Melancholie und den Untergang der Welt.

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