Spielfilme im NDR Fernsehen
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Von allen Musicals ist "Les Misérables" das erfolgreichste: Seit 28 Jahren ununterbrochen auf der Bühne - in 42 Ländern, in 21 Sprachen. Und nun kommt eine opulente Film-Version in die Kinos. Regie führte Tom Hooper, Oscar gekürt für "The King's Speech". Und prominent sind auch die Gesangsparts besetzt - mit Hugh Jackman, Russell Crowe und Anne Hathaway.
Singende Menschen auf der Leinwand - für nicht wenige ist das ein K.O.-Kriterium bei der Filmauswahl. Und in "Les Misérables" wird fast nur gesungen, inklusive der Dialoge.
Andererseits: Als Bühnen-Adaption eines Victor Hugo-Romans hat "Les Misérables" mit Ohrwurm-Orgien à la Lloyd-Webber ungefähr so viel zu tun wie ein Bildungsroman mit einem Comic. Hier geht es um das Elend des einfachen Volks zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Held Jean Valjeant ist einer, der aus Hunger zum Dieb wurde und 19 Jahre Gefängnis und Zwangsarbeit hinter sich hat, als er von Gesetzeshüter Javert endlich entlassen wird.
Auf eine deutsche Synchronisation der Songs wurde glücklicherweise verzichtet. So sind die Stars, Hugh Jackman als Valjean und Russell Crowe als sein Gegenspieler Javert, auch wirklich zu hören, wenn sie sich musikalisch duellieren. Und das lohnt sich! Denn das Besondere an dieser Musical-Verfilmung ist, dass die Songs nicht - wie üblich - vorab im Studio aufgenommen wurden, sondern direkt beim Agieren vor der Kamera. "Dass hier jeder einzelne jede Note live singt, hat den Vorteil, dass wir emotional überhaupt nicht eingeschränkt sind", findet Russell Crowe.
Wie viel ausdrucksstärker Spiel und Gesang durch diese Methode sind, beweist eindrucksvoll Anne Hathaway, die als verzweifelte ledige Mutter Fantine den größten Hit des Musicals beiträgt.
Jean Valjean, der Jahre nach seiner Straf-Entlassung unter neuem Namen Bürgermeister einer Stadt geworden ist, übersieht die Not dieser Frau und versucht es später wieder gut zu machen, indem er sich väterlich um ihre Tochter Cosette kümmert. Ist der Mensch fähig, sich zu ändern, sich moralisch zu verbessern? Das ist eines der Themen, die Victor Hugos komplexer Roman behandelt. Ein weiteres: Die Geburt revolutionärer Bewegungen aus Elend und Unterdrückung. Dieser Aspekt bekommt beim Blick in Richtung Nahost eine ganz neue Aktualität. Aber natürlich wird auch hier sehnsuchtsvoll von Liebe gesungen, wobei sich der junge Brite Eddie Redmayne als echte musikalische Entdeckung erweist.
Gänsehaut-Songs zum Polit-Stoff - das ist die geniale Kombi in "Les Misérables". Es dauert etwas, bis man sich einfindet in dieses gesungene Epos, das Regisseur Tom Hooper doch etwas theaterhaft inszeniert hat. Dann aber sind Musik und Geschichte wirklich ergreifend.