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Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll. Und das meiste sogar schon, bevor es auf den Teller kommt. Allein in Deutschland sind es geschätzte 20 Millionen Tonnen jedes Jahr. Vieles davon könnte man noch essen. Essen kommt für uns schon lange nicht mehr vom Bauernhof, sondern aus dem Supermarkt: ein gigantisches Schlaraffenland, das immer nachgefüllt wird, immer ist alles da und zwar reichlich, im Sommer wie im Winter. Hauptsache, die Ware sieht frisch aus.
Groteske Auswüchse unserer Konsumwelt: Tausende Tonnen Brot landen jedes Jahr auf dem Müll.
Klaudia Fischer ist Supermarktverkäuferin: "Wir haben bestimmte Artikel, die Tagesartikel sind, wie Lauchzwiebeln, Radieschen, Kopfsalat. Die dürfen wir immer nur einen Tag verkaufen. Es muss einfach nur perfekt aussehen. Aber wenn beim Kohlrabi schon das Grüne ab ist, kauft ihn keiner mehr. Ist das Grüne dran, machen sie es ab." Ein Fall für den Müll. Ebenso wie 500.000 Tonnen Brot im Jahr. Davon könnte ganz Niedersachsen satt werden. Doch statt im Magen landet das Brot auf der Halde. Backwaren vom Vortag möchte schließlich niemand. Darum liefern die Bäckereien ständig nach. Jedes fünfte Brot, das gebacken wird, bleibt übrig. Ein kalkulierter Überschuss.
Ein Durchschnitts-Supermarkt wirft täglich 50 Kilogramm Lebensmittel weg. Originalverpackt und in aller Regel vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit.
"Ich weiß, dass die Supermarktbetreiber sehr viel Wert darauf legen, dass abends das Brotregal voll ist", erzählt der Bäcker Roland Schüren. "Es gibt da durchaus in den Mietverträgen Klauseln, die da lauten: Volles Brotregal bis 18.30 Uhr. Und ich habe auch selber böse Briefe gekriegt, wenn zum Beispiel vor Feiertagen, die sehr schwer zu kalkulieren sind, das Brotregal zu einer gewissen Zeit schon relativ gerupft aussieht. Mit Androhung zur Kündigung des Mietvertrags."