Der NDR ist Medienpartner und stiftet erstmals den NDR Nachwuchspreis.
Das 20. Hamburger Filmfest ist mit der Verleihung von sechs Preisen zu Ende gegangen. Einige Preisträger nahmen ihre Auszeichnung bei der Abschlussfeier persönlich entgegen. Im voll besetzten Cinemaxx-Kino am Dammtor zog Festivalchef Albert Wiederspiel am Samstagabend eine positive Bilanz der neuntägigen Veranstaltung. Er dankte dem Publikum vor allem für die Diskussionsfreude nach den Aufführungen. Die Festivalleitung teilte mit, dass die Besucherzahlen um fast zehn Prozent höher lagen als im Vorjahr. Als Abschlussfilm lief "Adieu Berthe" von Bruno Podalydès aus Frankreich.
Zum ersten Mal stellte in diesem Jahr der NDR das 5.000-Euro-Preisgeld für den Nachwuchspreis des Filmfestes. Gewinner ist der Film "Germania" von Regisseur Maximiliano Schonfeld, der auch das Drehbuch verfasste. In der Begründung der Jury heißt es: "Wir haben zwölf tolle Filme gesehen, aber nur einer wirkt in uns fort. Und das ist das Größte, was man über einen Film sagen kann." In dem Film geht es um Abschied und Trennung von der Kindheit und von einem festen Ort. "Die Schauspieler sind alle Laien, doch sie werden behutsam geführt und wir glauben ihnen jedes Wort. Wenn die Kamera erzählt, wird man von der Schönheit der Bilder gefangen genommen und trotzdem dient sie der inneren Entwicklung der Geschichte", lobte die Jury.
Bei der von Julia Westlake moderierten Abschlussveranstaltung erhielt zudem Cate Shortlands Nazikinder-Drama "Lore" den undotierten Preis der Hamburger Filmkritik. Xavier Dolans Transsexuellengeschichte "Laurence Anyways" bekam den mit 5.000 Euro dotierten Art Cinema Award. Der Häagen-Dazs Publikumspreis ging an "This Life" der dänischen Regisseurin Anne-Grethe Bjarup Riis. Rund 1.600 Zuschauer hatten über den Sieg entschieden. Den Michel Preis des parallel zum "großen" Filmfest ausgerichteten Michel Kinder und Jugend Filmfestes erhielt "Bitte bleib!" von Regisseur Lourens Blok.
Auf dem Festival waren 148 Filme in 250 Vorstellungen gezeigt worden. Passend zum Evangelischen Kirchentag, der Anfang Mai 2013 in Hamburg stattfindet, widmete sich ein Schwerpunkt des Festivals dem Thema Glaube.
Bereits am Donnerstag war der südkoreanische Regisseur Kim Ki-duk mit dem Douglas-Sirk-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt die Verdienste des Koreaners, der mit seinem neuesten Melodram "Pieta" bereits den 18. Film auf die Leinwand gebracht hat. Kim Ki-Duk habe mit "Pieta" das Melodram par excellence gedreht, sagte Filmfest-Chef Wiederspiel bei der Verleihung.
Zum Eröffnungsfilm "Valley of Saints" (Tal der Heiligen) waren auch dessen Regisseur Musa Syeed sowie die Schauspieler Gulzar Ahmad Bhat und Mohammed Afzal Sofi gekommen. Festivalleiter Wiederspiel sagte zuvor, er freue sich darüber, erstmals einen Eröffnungsfilm aus Kaschmir zu zeigen, einen "romantischen Film mit ökologischer Botschaft". Die Hauptdarsteller konnten sich beim Festival erstmals auf großer Leinwand sehen: Beide leben in Kaschmir, 14 Reisestunden von Neu Delhi und dem nächsten Kino entfernt.
Wer auf Tuchfühlung mit den Stars und Machern des Festivals gehen wollte, musste nicht unbedingt in eine der Filmvorstellungen gehen. Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler lud täglich im Festivalzelt auf dem Allendeplatz zu einem Forum ein, bei dem jeweils ein Schauspieler einen Regisseur befragte. Zu den Gästen gehörten Barbara Auer, Gustav Peter Wöhler, Peter Lohmeyer, Lars Kraume und Michael Verhoeven.
Feierliche Ehrung der besten Werke als Höhepunkt des Hamburger Filmfestes: Der Film "Germania" hat den NDR Nachwuchspreis bekommen, "Laurence Anyways" den Art Cinema Award.