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Blau verfremdetes Motiv: Eine ausgerollte Filmrolle. © © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M Fotograf: © Henry Schmitt - Fotolia.com_23277998_M
 

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Fatih Akin - Regisseur des Rauen

von Patricia Batlle, NDR.de

Der Hamburger Filmemacher Fatih Akin © NDR Online Fotograf: Patricia Batlle Detailansicht des Bildes Weltstar aus Altona: der Hamburger Filmemacher Fatih Akin. Fatih Akins Filme zeigen oft ein Milieu, das nahe "an der Straße" liegt. Street credibility heißt das im Fachjargon. Bereits in seinem ersten, von der Kritik gefeierten Langspielfilm "Kurz und Schmerzlos" zeichnete Akin 1998 eine Kleinkriminellenstudie voller Schmerz und Härte, deutlich vom Gangsterkino seines Vorbilds Martin Scorsese beeinflusst. Dabei entstammt der am 25. August 1973 in Hamburg-Altona geborene Sohn eines Arbeiters und einer Grundschullehrerin einem fast schon bürgerlichen Milieu, geprägt von der ersten Generation türkischer Einwanderer im Viertel.

Nach den Abgründen seiner Filmfiguren befragt antwortete Akin in einem Interview: "Ich bin mit solchen Leuten aufgewachsen. Ich kenne sie. Mein Freundeskreis besteht aus solchen Leuten." Obwohl die Eltern Fatih und den älteren Sohn Cem als gläubige Muslime erziehen, besuchen beide einen katholischen Kindergarten, später das Gymnasium. Im Jahr 2000 macht Fatih das Diplom für Visuelle Kommunikation an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Denn schon mit 16 Jahren weiß der Fan von Box- und Bruce-Lee-Filmen, dass er Regisseur werden will. So jobbt er bei der Hamburger Wüste-Filmproduktion, die später seine ersten Filme produziert.

Goldener Bär für dritten Spielfilm

Fatih Akin, Sibel Kekilli und Birol Ünel auf der Berlinale 2004 © Berlinale Detailansicht des Bildes Für "Gegen die Wand" bekam Akin (Mitte) 2004 den Goldenen Bären. Für Fotografen posiert er mit seinen Darstellern Sibel Kekilli und Birol Ünel. Mit seinem dritten Spielfilm "Gegen die Wand", der Geschichte einer unglücklichen Scheinehe mit Biröl Ünel und Sibel Kekilli in den Hauptrollen, gelingt dem Regisseur 2004 der internationale Durchbruch. Das Melodram erhält auf der Berlinale den Goldenen Bären - es ist das erste Mal in 18 Jahren, dass ein deutscher Film die begehrte Trophäe bekommt. Akin hatte den Film mit seiner 2003 gegründeten eigenen Produktionsfirma Corazón International mit Wüste Film und dem NDR koproduziert. Es folgt eine Einladung nach Cannes, dem Kino-Olymp, wo der Drehbuchautor und Regisseur im Folgejahr den Juryvorsitz der Reihe "Un Certain Régard" übernimmt.

Drehbuchpreis in Cannes für Migrationsdrama

2007 wird "Auf der anderen Seite" auf dem französischen Festival sogar mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet. Das Migrationsdrama erzählt von sechs Menschen auf ihrem Lebensweg zwischen Bremen und Istanbul. Sein jüngster Kinofilm "Soul Kitchen", eine Komödie um den Kneipenbesitzer Zinos und seine persönliche Hommage an Hamburg, ist in Deutschland mit 1,3 Millionen Zuschauern sein kommerziell stärkster und auch im Ausland an der Kinokasse erfolgreich. Nicht zufällig spielt sein Jugendfreund Adam Bousdoukos die Hauptrolle - der Hamburger war zehn Jahre lang Tavernenbesitzer und schrieb das Drehbuch mit.

Der ausgeprochene Schauspielregisseur

Szenenbild aus "Soul Kitchen" © Pandora Detailansicht des Bildes Mit Moritz Bleibtreu - hier in einer Szene aus "Soul Kitchen" (l) - hat Akin schon mehrere Filme gedreht. Fatih Akin, dem seit Mai 2011 auf dem "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz in Berlin ein Stern gewidmet ist, gilt wie sein spanischer Regiekollege Pedro Almodóvar als ausgesprochener Schauspielregisseur. Vielleicht, weil er selbst als Darsteller gearbeitet hat, etwa in Stefan Thiels kaum bekannten Thriller "Kismet". Er hat den Mut, neben Weggefährten wie Moritz Bleibtreu ("Im Juli", "Soul Kitchen") wenig bekannte Gesichter zu besetzen, und gibt ihnen nach seinem Motto "Go with the flow" beim Dreh Raum zur Entfaltung. Sein Darsteller Mehmet Kurtulus, mit dem der Hamburger bereits in seinem Kurzfilm "Getürkt" zusammenarbeitete, wurde der erste türkische Ermittler beim ARD-"Tatort". Auch Sibel Kekilli hat es zum "Tatort" geschafft - an Axel Milbergs Seite als Kommissar Borowskis Assistentin Sarah Brandt.

Dem heimischen Kiez ist Akin stets treu geblieben. Der passionierte Hobby-DJ und Amateur-Boxer fühlt sich in Hamburg-Altona am wohlsten. Dort wohnt er mit seiner Frau, der Schauspielerin und Regisseurin Monique Akin und ihren zwei Kindern in einer alten Fischfabrik von 1836, denn "das Neue altert schneller als das Alte", so der Hamburger in einem Interview.

Autobiografie und neue Projekte

Seine Memoiren sind im September 2011 rund um den 38. Geburtstag des Autorenfilmers erschienen. Ihr Titel: "Im Clinch: Die Geschichte meiner Filme" (Rowohlt). Seine Trilogie "Liebe, Tod und Teufel" wird Akin im kommenden Jahr vollenden. 2013 beginnen die Dreharbeiten zum dritten Teil "The Cut". Dafür soll er den jungen Franzosen Tahar Rahim ("A Prophet") verpflichtet haben.

Aktuell arbeitet der 39-Jährige an mehreren Projekten gleichzeitig: Einer Langzeitdokumentation "Der Müll im Garten Eden" über das Dorf seiner Großeltern in der Türkei, die auf dem Filmfestival in Cannes im Mai 2012 ihre Uraufführung feierte und am 6. Dezember 2012 in die bundesweiten Kinos kommt, sowie an zwei Biografien. Die eine widmet sich dem umstrittenen ehemaligen Profiboxer Ahmet Öner, mit dem der Regisseur befreundet ist, die andere dem kurdisch-türkischen Regisseur und Schauspieler Yilmaz Güney. Er ist laut Akin ein "Unikat, ein Macho, Frauenheld, Waffenfetischist, Maoist, Intellektueller, Poet und Filmemacher", der in mehr als 100 Filmen gespielt, 60 Drehbücher geschrieben und 25 Filme inszeniert hat - teils aus dem Gefängnis heraus. Ein Charakter ganz nach dem Filmuniversum vom Autor Fatih Akin.

 

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Die Klappe zu den Dreharbeiten am Set von Fatih Akins Komödie "Soul Kitchen" © NDR Fotograf: Patricia Batlle
 
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Fatih Akin drehte in Wilhelmsburg. Mit dabei: Moritz Bleibtreu, Birol Ünel und Kameramann Rainer Klausmann.

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Fatih Akin: Im Clinch (Cover) © Rowohlt
 
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Das ttt stellt Fatih Akins Film-Memoiren "Im Clinch" vor

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Die Biografie und Filmografie von Fatih Akin auf Filmportal.de

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