Oscar für Waltz in "Django Unchained"

Bei der Vergabe des wohl wichtigsten Preises in der Filmbranche, dem Oscar, gibt es unausgesprochen zwei Gruppen: die Preisträger, bei denen zuvor klar ist, dass sie ihn bekommen, nur noch nicht wieviele - und dann gibt es noch die Überraschungspreisträger, die freilich die erste Hürde der Nominierung bereits genommen haben.

Nun sind am 24. Februar wieder die goldenen Trophäen verliehen worden und Quentin Tarantinos Spaghetti-Western "Django Unchained" gehörte zweifellos zur ersten Gruppe: nominiert als bester Film - mit Christoph Waltz, der bereits den Golden Globe als bester Nebendarsteller gewann. Nun sagt man dem "Globe" nach, der Vorbote des Oscars zu sein. Das hat hat sich Sonntagnacht einmal mehr bestätigt, Waltz hat ihn also bekommen - für ihn zum zweiten Mal.

Von Katja Nicodemus

Christoph Waltz als Zahnarzt im Wilden Westen? In dieser ersten Szene von Quentin Tarantinos Film sind wir genauso überrascht wie die Sklavenbesitzer, die er gleich überfallen wird. Tatsächlich arbeitet Mr. Schultz keineswegs als Zahnarzt, und der Holzwagen mit dem überdimensionalen Zahn auf dem Dach ist nur Tarnung. Wofür? Das erfahren wir und der befreite Sklave Django im Saloon des nächsten Städtchens.

Verbrecherjagd wie im Django-Film von 1966

Schultz, der Kopfgeldjäger, braucht Django, den Mann in Ketten, um auf einer Plantage drei gesuchte Verbrecher zu finden. Lustvoll inszeniert Tarantino die Verwandlung des Sklaven in einen freien Mann, der geschundenen Kreatur in einen selbstbewussten Westerner: Er setzt Django aufs Pferd, verpasst ihm eine coole Jacke, einen breitkrempigen Hut und einen Revolver. Ein Held ist geboren! Und für Schultz ein ebenbürtiger Partner.

Gemeinsam wollen sie Djangos Ehefrau aus den Fängen eines brutalen Sklavenhalters befreien. Das ist auch schon die ganze Handlung dieses Spaghetti-Westerns. Dabei betreibt Tarantino eine Neubelebung und Umdeutung des Genres.

Tarantino beim Dreh © © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH Detailansicht des Bildes Quentin Tarantino während des Drehs. Genauso wie Sergio Corbuccis originaler Django-Film von 1966 spielt Quentin Tarantino mit opernhaften Überhöhungen, mit Großaufnahmen und harten Schnitten. Lustvoll inszeniert er brutale Schießereien mit übertriebenen Blutfontänen, jagt ganze Anwesen mit Dynamit in die Luft. Aber zum Glück gibt es auch den typischen durchtriebenen Tarantino-Humor.

Etwa wenn Christoph Waltz inmitten der Wildnis in geschraubtem Goethe-Deutsch über Siegfried und Brunhilde schwadroniert. Oder wenn die beiden Helden gegen eine Ku-Klux-Klan-Bande antreten - und die feindliche Seite zunächst einmal mit Kapuzenproblemen zu kämpfen hat: "Müssen wir die denn beim Reiten aufhaben?! Ich sehe gar nichts!... Mann, ihr könnt mich alle mal. Meine Frau hat die Kapuzen genäht!"

Die Sklaverei ist das eigentliche Thema des Films

Mit seinem Duo, einem deutschstämmigen Kopfgeldjäger und einem befreiten Sklaven, gelingt Quentin Tarantino eine Verschiebung des Blicks.

Die Sklaverei ist hier nicht Hintergrund, sie wird zum eigentlichen Thema des Films. Gemeinsam mit den beiden merkwürdigen Helden wirft der Film einen völlig entgeisterten Blick auf die Südstaaten und die Bestialität der Sklaverei. Tarantino zeigt grauenvolle Auspeitschungen, Sklaven, die von Hunden zerfetzt werden, Sklavinnen, die sadistisch bestraft werden. Und in der Gestalt des von Leonardo DiCaprio gespielten Plantagenbesitzers Candy begegnen wir einer furchterregenden Mischung aus Jähzorn, Sadismus und Brutalität. Der Plan, Djangos Ehefrau Broomhilda zu befreien, gerät in Gefahr.

Trotz aller Grausamkeiten, trotz der Barbarei gelingt Tarantino die waghalsige Gratwanderung zwischen Unterhaltungskino und Amerika-Kommentar. Sein Film schreibt die Geschichte um, nimmt mit den Mitteln des Spaghetti-Westerns Rache an den Sklavenhaltern. Hier werden die weißen Rassisten hemmungslos abgeknallt, so wie einst in den frühen Western die Indianer vor den Wagenburgen. Und doch ist "Django Unchained" auch durchdrungen von einer tiefen Verzweiflung: über das, was in einem Land, das so stolz auf seine demokratischen Traditionen ist, noch vor 150 Jahren möglich war.

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NDR Kultur | 17.01.2013 | 07:20 Uhr

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Filmdaten

Django Unchained

Western
USA 2012
Regie: Quentin Tarantino
FSK: ab 16 Jahre

mit:
Jamie Foxx
Christoph Waltz
Leonardo DiCaprio

Kinostart: 17. Januar 2013

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Die offizielle Website des Films.

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"Django Unchained" heißt der Western von Quentin Tarantino.

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