Album-Check: "Django Unchained"-Soundtrack
Der Filmmusik hört man ihre Wurzeln im Italo-Western an. mehr
In dieser Woche kommt der neue Film von Quentin Tarantino in die Kinos: "Django Unchained". Der Film bezieht sich auf Vorbilder aus einer besonderen, ein bisschen kuriosen Phase der Filmgeschichte, in der mitten in Europa Geschichten aus dem Wilden Westen verfilmt wurden.
Sie heißen nur Django, Sartana. Oder einfach: der Fremde. Sind unrasiert, schwitzen, stinken. Ganz anders als im klassischen US-Film. Weit weg vom Wilden Westen - in Europa entstand Mitte der 60er-Jahre der Italo-Western.
Aus einer Not heraus: "Die Herkules-Filme hatten sich gerade totgelaufen. Man guckte auf Deutschland, wo die Karl-May-Filme sehr erfolgreich liefen. Und dann hat man das zusammengerührt. Und versucht, ein neues Genre zu kreieren", erklärt Hans-Michael Bock vom Hamburgischen Centrum für Filmforschung. Er hat 2012 ein ganzes Festival zum europäischen Western veranstaltet.
Der italienische Regisseur Sergio Leone, hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1973 mit seiner Frau, wurde mit seinen Italo-Western berühmt.
"Für eine Handvoll Dollar" aus dem Jahr 1964 ist gleich ein überwältigender Erfolg. Der Regisseur Sergio Leone hat eine japanische Filmvorlage übernommen und mit allerlei zusammengekramten, billigen Requisiten und Kulissen wie Kreuzen, Kirchen und viel Staub in Szene gesetzt. Er entwickelt eine eigene Bildsprache: schnelle Schnitte, Augen in Großaufnahmen, gestorben wird in Zeitlupe zur opernhaften Klängen von Ennio Morricone.
Audienz eines Exzentrikers: In "Nosferatu" saugt Klaus Kinski 1979 als Dracula statt an Zigaretten an den Kehlen seiner Opfer.
Der Erfolg der harten, unerbittlichen Helden und der Geschichten ohne Moral beim Publikum überrascht viele. Klaus Kinski, Jean-Luis Trintignant oder Franco Nero werden Stars. US-Nebendarsteller werden importiert und kommen ebenfalls groß raus wie Lee van Cleef oder Clint Eastwood.
Der Italo-Western hält bald mehrere Spielarten bereit, die in immer neuen, zunehmend billigen Varianten abgedreht werden: den harten Stoff des zynischen Rächers. Oder die Parodie: "Eine Faust geht nach Westen", "Zwei hau'n auf den Putz", "Vier Fäuste für ein Hallelujah", "Die rechte und die linke Hand des Teufels" mit Bud Spencer und Terence Hill.
Sergio Leone trägt seine Kunst sogar nach Hollywood. "Spiel mir das Lied vom Tod", 1968 - ein epischer Höhepunkt des Genres, mit dem klassischen Westernhelden Henry Fonda als Killer.
Bud Spencer prügelte sich zusammen mit Terence Hill erfolgreich durch 19 Filme.
In Europa verkommt der Spaghetti-Western bald zum Futter für Bahnhofskinos. Das Publikum ist satt Mitte der 70er. Die Stars sind woanders. Und Western, wenn sie überhaupt noch gedreht werden, sehen anders aus: Realistischer, kritischer soll es wieder einmal werden. Nur im Filmgedächtnis reitet er noch durch den Staub - der wortkarge Fremde mit dem Hut im Gesicht und dem dunklen Auftrag in der Seele.