Von Wunderheilern und Wüstenlandschaften

von Krischan Koch

Der Roman "Der Medicus" des amerikanischen Schriftstellers Noah Gordon ist einer der erfolgreichsten Historienromane überhaupt. Allein in Deutschland verkaufte sich das Buch seit seinem Erscheinen 1987 über sechs Millionen Mal. Jetzt ist der Roman über die Medizin im Mittelalter von dem deutschen Regisseur Philipp Stölzl verfilmt worden.

 

Die Legende vom fernen Wunderheiler

England im 11. Jahrhundert: Der Waisenjunge Rob Cole (gespielt von Tom Payne) zieht mit einem Heilpraktiker von Stadt zu Stadt, von Markt zu Markt. Dabei entdeckt er seine eigene medizinische Begabung. Er kann vielen Kranken helfen, außerdem forscht er nach den Ursachen der rätselhaften "Seitenkrankheit", an der seine Mutter gestorben ist. Eines Tages hört er von einem legendären Medicus im fernen Persien.

Der junge Rob Cole macht sich auf eine lange Reise aus dem mittelalterlich düsteren England ins persische Isfahan, um dort bei dem berühmten Mediziner Ibn Sina - eine Paraderolle für Ben Kingsley - in die Lehre zu gehen.

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Der junge Rob Cole will Menschen heilen. Um das zu lernen, geht er zum Besten seiner Zunft, dem persischen Medicus Ibn Sina. Ihn nennen seine Anhänger den "Columbus der Medizin".

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Schon das Buch ist bildstark

Lange galt "Der Medicus" als unverfilmbar. Ein Hollywood-Projekt kam nie zustande. Der deutsche Regisseur Philipp Stölzl hatte bei der Lektüre des 900-Seiten-Romans aber sofort an eine Verfilmung gedacht.

"Wenn man den Roman liest, ist das schon Kino - in seiner Welt, in den Gerüchen, in den Themen", sagt der Regisseur. "Es sind große Themen: Religionskrieg, Religionsignoranz, der steinige Weg der Wissenschaft, die sich über moralische Grenzen hinwegsetzen muss. Das sind Kinobilder, die man sofort im Kopf hat."

Der Film zeigt sehr anschaulich, dass der Orient in den Wissenschaften Europa damals weit voraus war. Aber der "Columbus der Medizin", wie Stölzl ihn nennt, erlebt auch die Tyrannei des Schahs, fanatische Mullahs und dogmatische Wissenschaftler. Obduktionen sind streng verboten. Coles erste Operation der "Seitenkrankheit", einer Blinddarmentzündung, wird skeptisch beargwöhnt, ebenso wie neue Behandlungsmethoden der Pest.  

Eine lange Reise mit Durststrecken

Auf der zweieinhalb stündigen Reise vom Okzident zum Orient gibt es ein paar Durststrecken. Die Geschichte ist vorhersehbar. Dafür wirken die Schauplätze wie aus einem prachtvollen Bilderbuch: Wüstenlandschaften, Pestkrankenhäuser und der schaurige Palast des Schahs.

Stölzl schockiert uns mit grauseligen Amputationen und versöhnt uns dann mit einer völkerverständigenden Liebesgeschichte. Die Botschaft für Frieden und Toleranz passt zum Fest. Opulentes Weihnachtskino.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 23.12.2013 | 11:54 Uhr

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Filmdaten

Der Medicus

Abenteuer, Drama, Historie
Deutschland 2013
Regie: Philipp Stölzl
FSK: ab 12 Jahre

mit
Tom Payne
Emma Rigby
Ben Kingsley

ab 25. Dezember 2013 im Kino

Link

Die offizielle Website zum Kinofilm.

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