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Bei der Oscar-Verleihung am 26. Februar gilt Brad Pitt als Favorit für den Darsteller-Oscar. Doch in der beliebten Kategorie "Wer eigentlich gewinnen sollte" liegt sein Kollege Gary Oldman vorne, für seine Rolle eines biederen Agenten in dem Film "Dame, König, As, Spion". Katja Nicodemus hat die John-le-Carré-Verfilmung von dem Schweden Tomas Alfredson gesehen.
Ein bisschen angestaubt ist es ja schon, das Genre des Kalter-Krieg-Spionagethrillers. Die Welt der Spione der 60er- und 70er-Jahre verströmt den Geruch von Resopalschreibtischen, eingemotteten russischen Pelzmützen und Kunstlederaktenkoffern. Damals, in dieser uns heute so fern scheinenden Zeit, in der die Welt noch übersichtlich schien: zwei Blöcke, zwei Großmächte, zwei Ideologien. In Tomas Alfredsons Verfilmung von John Le Carrés Thriller "Dame, König, As, Spion" liegen die Dinge anders. Hier wird der Staub zum Stil erhoben, und von Anfang liegt eine seltsame Spannung in der Luft: "Es gibt einen Maulwurf!" (Filmzitat)
Ein Verräter hat sich in die Führungsetage des britischen Geheimdienstes MI6 eingeschlichen. Gerade wurde einer der besten Männer in Budapest beim Versuch, einen Informanten anzuwerben, erschossen. Der Geheimdienstchef nimmt seinen Hut, sein wichtigster Mann George Smiley wird entlassen. Doch dann ruft ihn der für den Geheimdienst zuständige Staatssekretär zu sich. Smiley soll den faulen Apfel finden.
Um es klar zu sagen: Die komplizierte Handlung und die Frage, wer genau wen mit welchen Motiven betrügt, ist hier nicht entscheidend. Entscheidend sind die fantastischen Schauspieler, allen voran Gary Oldman als Smiley, der die Spannung der Geschichte mit minimalistischer Mimik trägt. Sein Gegenspieler ist Colin Firth, der nie kälter und undurchsichtiger in einer Rolle erschien. Mal gemeinsam, mal miteinander, dann gegeneinander kämpfen sie sich durch eine Ermittlung, die sich auch um eine russische Agentin dreht. Vor nicht allzu langer Zeit lieferte sie dem Geheimdienst eine heiße Fährte.
Worum geht es hier? Um die Essenz des Kalten Krieges, der, das vergisst man gerne, eben tatsächlich ein Krieg war, und dessen Opfer hier manchmal brutal ins Bild gerückt werden. Um die Spionage-Elite dieses Krieges, deren Handeln hier viel persönlichere, privatere Ursachen hat, als man zunächst vermuten könnte. Und um meisterlich inszenierte Szenen im MI6-Hauptquartier, dessen kahle Flure und senfgelbe Innenräume zum Sinnbild für die tiefe Einsamkeit der Protagonisten werden. Vor diesem Hintergrund muss man gar nicht jede Auseinandersetzung um jedes Telefax verstehen.
"Dame, König, As, Spion", das soll hier nicht unterschlagen werden, hat auch viele komische Seiten. Und diese Komik entsteht aus der Spannung zwischen dem steifen Beamtengehabe der Figuren und jenen Momenten, in denen das Behördliche zusammenbricht, und etwa eine Sitzung der allerhöchsten britischen Geheimdienstmitarbeiter vollends aus den Fugen gerät.
Großartige Schauspieler, großartige Ausstattung, das Kolorit einer Zeit - das ist mehr als man gemeinhin von einem Thriller erwarten kann. Das Ende von "Dame, König, As, Spion" ist dann doch sehr überraschend. Es könnte noch überboten werden durch das wirklich große Finale: Den Darsteller-Oscar für Gary Oldman.