Am Filmset der "Apfelkerne"

von Nadine Dietrich

Eine Million Mal wurde das Buch "Der Geschmack von Apfelkernen" der Hamburger Schriftstellerin Katharina Hagena verkauft. Jetzt wird es fürs Kino verfilmt.

Am Filmset von "Der Geschmack der Apfelkerne" © NDR.de Fotograf: Nadine Dietrich Detailansicht des Bildes Das Gutshaus verschwindet hinter Kulissenwänden und Filmset-Zelten. 20 Minuten windet sich die schmale Straße von der Autobahnabfahrt durch die ostholsteinische Hügellandschaft. Felder, Kühe auf den Weiden, Bauernhäuser, Wälder mit alten Bäumen, dann eine hohe Allee und endlich taucht das Gut Stendorf auf, imposant mit großen Stallungen und Parkanlagen.

Hierher hat es so großartige Stars wie Marie Bäumer, Meret Becker und Hanna Herzsprung verschlagen. Herzsprung spielt eine junge Frau, die das Haus ihrer Großmutter erbt und sich entscheiden muss, ob sie dieses Erbe annimmt oder nicht, denn es sind auch viele schmerzliche Erinnerungen mit dem Familiensitz verbunden: "Als ich das Haus am ersten Drehtag gesehen habe, hab ich sofort gesagt: Okay, ich nehme das Erbe an, der Film ist abgedreht!"

Familie als Spiegel

Am Filmset von "Der Geschmack der Apfelkerne" © NDR.de Fotograf: Nadine Dietrich Detailansicht des Bildes Hannah Herzsprung, Marie Bäumer, Meret Becker und Ophüls-Preisträger Florian Stetter sind einige der jungen Darsteller in diesem Film. Im Buch und damit auch im Film ist das natürlich eine deutlich schwerere Entscheidung. Es wird eine Familiensaga erzählt über drei Generationen: Großmütter, Mütter und die Tochter heute. Allesamt sind stark und eigenwillig. Und jede Generation muss Schicksalsschläge hinnehmen, sich arrangieren, hat Geheimnisse und prägt die Kinder.

Die unsichtbaren Familienbande darzustellen, das hat die Regisseurin Vivian Naefe besonders gereizt. Es gebe einfach zu wenige gute Familiengeschichten in Deutschland, sagt sie, obwohl in der Familie alles entstehe, was die Gesellschaft als Ganzes präge: "Und das ist eine wunderbare Familiengeschichte, Macbeth-artige Figuren und diese junge Frau, die mit ihrem Trauma aufräumen muss, um das Erbe zu akzeptieren oder abzulehnen, das ist eine wunderbare Metapher für das, was wir alle mit unserer Familie am Hals haben.

Achtung! Der Film kommt!

Am Filmset von "Der Geschmack der Apfelkerne" © NDR.de Fotograf: Nadine Dietrich Detailansicht des Bildes Dieser Raum des Gutshauses wird von der Filmcrew vorerst nur als Abstellzimmer verwendet. Damit leben oder es vergessen? Die Hauptfigur Iris entscheidet sich für das Erinnern, und dabei spielt das Gutshaus ihrer verstorbenen Großmutter eine wichtige Rolle. Sie streift darin herum, lauscht seinen Geräuschen, schlüpft in alte Kleider und irrt durch den Garten. Da das alte Verwalterhaus auf dem Gut Stendorf leer stand, können die Filmleute darin bauen und verändern, so viel sie wollen. Es beeinträchtigt niemanden.

Drumherum sieht das schon anders aus: die Anwesenheit der 60 Filmleute auf dem landwirtschaftlichen Betrieb bringe doch einiges durcheinander, seufzt der Betriebsleiter Matthias Wörz. Die Traktoren dürfen nur noch in Drehpausen auf die Felder fahren, aus dem Gartenteich wurde ein Frosch gefangen, weil er in die Aufnahmen quakte, sogar die Schafe mussten weg: "Das Blöken war zu viel des Guten. Das passte nicht. In der Nähe des Gutes haben wir Moorwiesen, da hat der Schäfer seine Schafe zu Ostern draufgetrieben, und diese Geräuschkulisse hat dann doch arg gestört, er musste sie umtreiben."

So ist das mit der echten Idylle: alles gut und schön, aber bitte nicht, wenn "der Film" vorbeikommt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 08.06.2012 | 17:40 Uhr

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