NDR Bigband - NDR Jazz
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"Luden" Petrowsky bei einem Live-Konzert an seiner Querflöte.
Die Stadt Berlin hat eine enorme Anziehungskraft auf Künstler, vor allem auf jene, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Die Chance, auf andere Musiker zu treffen, gemeinsam Jazz zu spielen, ist in Berlin größer als in jeder anderen Stadt Deutschlands. Dabei allerdings von "der" Jazz-Szene Berlins zu sprechen, geht das überhaupt?
Es gibt diverse professionelle Big Bands, darunter mindestens zwei Frauenbands, die einerseits als Showbands auftreten, andererseits aber Musikerinnen auf die Bühne bringen, die auch in anderen Formationen ihr individuelles Spiel zeigen. Es existiert eine jahrelange Zusammenarbeit von Musikern, daneben gibt es Neueinstiege in bestehende Bands und es entstehen auch immer wieder junge Bands. Die Begegnung von älteren und jüngeren Musikern ist dabei ebenso selbstverständlich wie die Begegnung mit anderen Genres.
Manfred Krug und Uschi Brüning beim Konzert in der Rostocker Straßenbahnwerkstatt am 16. August 2008.
Auch das ehemalige Ostberlin war für viele Künstler der DDR ein Zentrum. Aus dem Voigtland, aus Leipzig, aus Güstrow oder aus Neuruppin zog es Musiker an die Spree, so zum Beispiel den Saxofonisten Volker Schlott, die Sängerin Uschi Brüning, den Saxofonisten Ernst-Ludwig-Petrowsky oder den Bassklarinettisten und Saxofonisten Falk Breitkreuz. Die vielen Freiräume, die Möglichkeit bezahlbare Probenräume und Ateliers in einer Millionenstadt zu finden, das waren in den vergangenen zwanzig Jahren Gründe, nach Berlin zu ziehen.
Kalle Kalima, Jazz-Gitarrist und Komponist aus Finnland lebt seit einigen Jahren in Berlin.
Den Wandel, die Veränderung nach dem Fall der Mauer hautnah mitzuerleben, vielleicht auch mitzugestalten, das war der Reiz, den diese Metropole ausgestrahlt hat in andere Städte, auch aufs Land, sei es innerhalb Deutschlands oder international. So kamen unter anderem der finnische Gitarrist Kalle Kalima, der Sänger Michael Schiefel aus Münster oder die Sängerin Cymin Samawatie aus Braunschweig nach Berlin.
Die Pianistin Maria Baptist iast in Berlin geboren worden. Nach einem Zwischenstopp in New York lebt sie seit 1996 wieder in Berlin wo sie auch als Professorin arbeitet.
Die einen kommen zum Studium, die anderen zieht es nach der Ausbildung aus allen deutschen Bundesländern, aus Europa und den USA dorthin. Aber es gibt auch gebürtige BerlinerInnen unter den Jazzmusikern. Die Pianistin Maria Baptist, die Sängerinnen Pascal von Wroblewsky und Lisa Bassenge sind in Ost- oder Westberlin groß geworden und haben dort die Musik für sich entdeckt.
A-Trane, B-Flat, Quasimodo und die Kunstfabrik-Schlot sind bekannte Clubs in der Innenstadt, in denen internationale und nationale Gäste, aber auch in Berlin lebende Künstler auftreten. Neue Spielstätten, neue Orte für Sessions werden immer wieder von Berliner Musikern aufgetan, manchmal für eine besondere Reihe, manchmal als längerfristiger Geheimtipp direkt um die Ecke - sei es in Pankow, im Wedding oder in Kreuzberg, sei es für Ragtime, Swing, frei Improvisierte Musik, oder für melodisch modernen Jazz. Diese Orte und Gelegenheiten als Besucher oder Einwohner für sich zu entdecken, das offenbart die Anziehungskraft dieser Stadt auf Künstler vieler Genres.
Zu hören im Jazz-Special am Freitag, 12. Oktober, ab 22:05 Uhr auf NDR Info.