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Das Jazz-Trio e.s.t. zählte zu den erfolgreichsten Piano-Trios Europas.
Selten ging so ein Aufschrei durch die Medien, die Jazzgemeinde und Kreise weit darüber hinaus - selten war von soviel stummen Entsetzen in zahllosen Internetforen zu lesen, wie im Juni 2008 als die Nachricht vom Unfalltod des schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson die Runde machte. Was sicherlich viel mit einem unprätentiösen, allseits verehrten Künstler zu tun hat, der trotz seines großen Erfolges seinem Publikum stets mit großem Respekt begegnete. Dies allerdings nie unterwürfig, sondern eher mit sympathiefördernder Lässigkeit und leisem Witz.
Zu erleben war der Habitus eines Jazz-Stars, der keiner sein wollte, der dessen ungeachtet aber als einer der herausragendsten Jazzmusiker der letzten 20 Jahre gilt.
Der Bassist Dan Berglund nennt als musikalische Einflüsse Rockmusiker wie etwa Jimi Hendrix.
Zusammen mit dem Schlagzeuger Magnus Öström und dem Bassisten Dan Berglund erschuf Esbjörn Svensson einen neuartigen Trio-Sound, der mit Anleihen aus der Pop- und Rockmusik dem Genre neue Hörer bescherte: "Rock'n'Roll und Pop waren jene Musikarten, in denen wir uns ohne die Einflussnahme unserer Eltern wiedererkannten", sagte Esbjörn Svensson einmal in einem Interview auf NDR Info, dessen Trio - kurz e.s.t. genannt - amüsanterweise vom Glam-Rock der 70er-Jahre auf den Weg gebracht wurde.
Der Song "Ballroom Blitz" von der Band "The Sweet" war es, dessen Beat in frühen Jugendtagen nur der spätere e.s.t.-Schlagzeuger Magnus Öström beherrschte. Und auch der erst viele Jahre später hinzugestoßene Bassist Dan Berglund nennt für einen Jazzmusiker so verblüffende Einflüsse wie Black Sabbath, Deep Purple, Jimi Hendrix und - was die jüngere Vergangenheit betrifft - die britische Band Radiohead.
Die CD "e.s.t. live in hamburg" ist Jahre später von der London Times zum Jazzalbum des Jahrzehnts gewählt worden.
Musikalische Sozialisationen, die eine kreative und akademisch unverstellte Herangehensweise markieren, die das Esbjörn Svensson Trio im Laufe der Jahre in zahllosen Konzerten mit zunehmend phänomenaler Resonanz präsentierte. Auftritte, bei denen die drei Schweden nicht nur eine geradezu traumwandlerische Spielkultur, sondern auch eine Unverbrauchtheit an den Tag legten, wie sie nur wenigen derart beständigen Bands vergönnt ist
"Niemand von uns kann sich zu keiner Zeit sicher sein, was am betreffenden Abend geschehen wird, da wir zum Beispiel keinen Ablaufplan haben. Wir wollen nicht zuviel festlegen, sondern herausfinden, welche Musik am jeweiligen Abend zu uns passt", so beschrieb Esbjörn Svensson einen Kontinuitätsfaktor, der zusammen mit der organischen Einbindung elektronischer Klangeffekte entscheidend zum Sound beitragen sollte, der sich zu einem unverwechselbaren Markenzeichen des Trios entwickelte.
Gemeinsam mit Dan Berglund und Magnus Öström wirft Thomas Haak einen weiten Blick zurück auf die Geschichte jenes Piano-Trios, das im Laufe der letzten beiden Dekaden wie kaum ein anderes international Erfolge feierte, dem Nachwuchs Türen öffnete und für Initialzündungen sorgte.