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von Mauretta Heinzelmann
Das akutelle Album der Woche ist "Anthem" von Sebastian Gille
Mit 28 Jahren agiert der Saxofonist Sebastian Gille (geboren 1983 in Quedlinburg/Sachsen-Anhalt) erstaunlich reif und intensiv. Bei den ersten Tönen erkennt man sein hingebungsvolles Spiel, ob in stiller sehnsüchtiger Reduktion oder in feurigen Klangkaskaden. Gilles Debütalbum "Anthem" fesselt durch eine verträumte, dabei außerordentlich präsente Qualität. Die Rhythmusgruppe des Wahlhamburgers ist das begehrteste junge Klaviertrio dieses Landes: Pianist Pablo Held (25-jährig), Bassist Robert Landfermann (29-jährig) und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel (30-jährig). Gemeinsam mit Sebastian Gille schaffen die vier eine wunderbare dichte Athmosphäre wie die Berggipfel auf dem Cover.
Frei, weit und von harmonischer Kraft
"Anthem" nimmt bewusst Bezug auf eine spirituelle Musikform, entwickelt aus dem Antiphon der gregorianischen Morgen-Gesänge: Gefeierte Innerlichkeit, hymnischer Wechselgesang, klangliche Dialoge, um zu gemeinsamer Harmonie zu finden. Diese konzentrierte Haltung verbindet Sebastian Gille gekonnt mit spielerischer Freiheit. "Ich liebe Jazz in erster Linie wegen seiner Improvisationen", erklärt Sebastian Gille. Die Improvisation sei für ihn so etwas wie ein Zeugnis, das ein Musiker ablege. Er äussere dabei die Gefühle, die er mit dem musikalischen Thema und mit seinen Musikerfreunden verbinde. Werte wie Offenheit, Vertrauen und Ehrlichkeit seien ihm wichtig. Sebastian Gilles Ton auf dem Tenorsaxofon, dem Sopran oder der Altklarinette spiegelt diese Werte wieder, er ist warm und reich. Trotz aller akademischer Weihen (Studium an der Musikhochschule in Hamburg) klingt er angenehm roh und natürlich. Und er erzählt von einer zeitlosen Weite, von der man in einer schnelllebigen Welt nicht genug bekommen kann.

Sebastian Gille