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Von Thomas Haak
Erinnern Sie sich noch an den Eyjafjallajökull? Das war jener isländische Vulkan, der im März und April 2010 weite Teile des europäischen Luftverkehrs lahmlegte. Im Herbst 2012 schickt sich mit der Samúel Jón Samúelsson Big Band erneut eine isländische Naturgewalt an, den Kontinent zu erobern.
Im Unterschied zur gigantischen Aschewolke, trägt die knapp zwanzigköpfige Formation des Posaunisten aus Reykjavik alles andere als lähmendes Potential in sich. Ihr brodelnder Afro-Funk-Bigband-Jazz ist tief in der Tradition James Browns verwurzelt, schweißtreibend wie Fela Kutis Afrobeat und in seinen ebenso scharfen wie komplexen Bläsersätzen mehr als nur eine Hommage an Kultbands wie Earth, Wind & Fire oder Tower Of Power.
Die Melodien erinnern an Blaxploitation-Filme wie "Superfly" oder Fernsehserien wie "Die Straßen von San Francisco" - manche davon dezent durchweht vom Geiste Sun Ras. Anhand von Titeln wie "International Monetary Fonk", "Chicken Street" (eine Anspielung auf die einstige Hippie-Flaniermeile Kabuls) oder "Guð Blessi Ísland" (Gott schütze Island) lässt sich zudem politisches Bewusstsein ablesen - was die Samúel Jón Samúelsson Big Band allerdings keineswegs davon abhält, ungehemmte Spielfreude an den Tag zu legen.
Wer das Funk-Kollektiv im April 2012 im Rahmen der Bremer Jazzmesse Jazzahead im Konzert erleben konnte, weiß wovon die Rede ist. Und auch auf ihrer jüngsten "Konserve" ist der aufrührerische Live-Geist deutlich zu spüren, was sicherlich auch ein wenig mit dem losungsgebenden Titel des Albums zu tun hat. Denn schließlich ist "Helvítis Fokking Funk" ("Hell Fucking Funk") eine Abwandlung jenes Schlachtrufs, mit dem 2008 isländische Bürger gegen die lokalen Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Straße gingen.

Samúel Jón Samúelsson Big Band