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Interview
Das Schloss Wolfsburg wurde bereits 1302 erbaut.
Verantwortlich für das neue Jazzfestival "JazzCastle" im Renaissance-Schloss Wolfsburg ist Wolfgang Beuermann. NDR Jazz Moderator Tobias Richtsteig hat mit dem künstlerischen Leiter gesprochen.
NDR: Herr Beuermann, Sie heben ein neues Jazzfestival aus der Taufe. Woher stammt denn die Idee zum JazzCastle?
Wolfgang Beuermann: Die Stadt Wolfsburg feiert ihren 75. Geburtstag. Das war für uns der Anlass zu sagen: Jetzt starten wir auch mit einem guten Line-Up ein tolles Festival. Und das soll dann künftig jedes Jahr stattfinden.
NDR: "JazzCastle" ist ein griffiger Name für ein neues Jazzfestival. Was steckt dahinter?
Wolfgang Beuermann: Wir haben ein phantastisches Weser-Renaissance-Schloss in Wolfsburg, die Grundsteinlegung war 1302. Das hat ein phantastisches Ambiente, rundherum der Schlosspark, da passt unser Jazzfestival sehr gut hinein. Deshalb: "JazzCastle". Und: Es ist ein reines Kulturschloss, da sind städtische Galerien drin, es sind Museen drin, es ist das Institut Heidersperger drin. Das alles schreit danach, dass man es weiter aufwertet.
Das Schloss bietet eine schöne Kulisse für ein Jazzfestival.
NDR: Und das "JazzCastle" ist also ein Festival im Schloss?
Wolfgang Beuermann: Ja, wir bespielen den Schloss-Innenhof, aber wir stellen zwei große Zelte da hinein, sodass für alle Fälle Bühne und Zuschauerbereich überdacht sind. Aber wenn das Wetter es erlaubt, öffnen wir die Zelte, um am Abend die schöne Illumination des Schlosses und das Ambiente zu genießen.
NDR: Auch musikalisch wird es bei 19 Konzerten so einiges zu genießen geben. Was sind denn Ihre Highlights im Programm ?
Wolfgang Beuermann: Der Schwerpunkt in diesem Jahr heißt ganz klar: Piano. Ich freue mich besonders, dass wir Joachim Kühn einladen konnten - der auch 1974 schon in Wolfsburg beim damaligen Jazzfestival dabei war. Dann sind auch Iiro Rantala und Michael Wollny im Programm - zwei Pianisten, die ich im Moment favorisiere.
Im Mittelpunkt des Festivals steht die Erinnerung an Esbjörn Svensson.
NDR: Im Mittelpunkt des Programms steht die Erinnerung an einen weiteren, stilprägenden Pianisten: Esbjörn Svensson.
Wolfgang Beuermann: Als wir das Festival planten, fiel mir auf: Genau an diesem Wochenende vor fünf Jahren ist Esbjörn Svensson bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen. Und einige der Künstler in unserem Programm gehörten zu seinen Freunden, haben mit ihm gespielt. So entstand die Idee, ein besonderes Konzert zu seinen Ehren zu machen.
Wir haben den schwedischen Botschafter als Schirmherrn bekommen, der dieses Tribut-Konzert eröffnen wird am Samstag in der Nacht um 24 Uhr.
Magnus Öström, der Schlagzeuger aus dem Esbjörn Svensson Trio wird dabei sein, Nils Landgren wird kommen, er unterbricht extra seine Osteuropa-Tournee. Viktoria Tolstoy, die viel mit Esbjörn gearbeitet hat, kommt nach Wolfsburg, auch Ulf Wakenius, ein langjähriger Wegbegleiter - und Lars Danielsson, Marius Neset, Jakob Karlzon, Michael Wollny und Adam Bałdych: insgesamt neun herausragende Künstler erinnern an diesen großen Pianisten, ihren Kollegen.
NDR: Aber das ist ja noch lange nicht das einzige Highlight im Programm.
Wolfgang Beuermann: Natürlich nicht, gleich am Freitag haben wir die DJ Night für die jungen Leute. In der Dunkelbar des Kunstvereins wird die Saxofonistin und House-DJane Paris Cesvette ihre jazzigen Grooves direkt aus London auflegen, abwechselnd mit Markus Kater und C. Robert Walker. Davor spielen Jazzanova. Am Samstag Abend um 22 Uhr sind die Nighthawks mit dabei, deren Musik passt sehr gut in den späten Abend. Und später laden wir dann in den Gewölbekeller ein, denn für mich muss ein Jazzfestival auch bis in die Nacht hinein gehen, da muss es Jam Sessions geben.
Jazzanova spielten schon oft in Hamburg und 2012 auch auf der JazzBaltica.
NDR: Das ist ja ein Programm, das auch überregional Anziehungskraft hat.
Wolfgang Beuermann: Ja, natürlich, "JazzCastle" strahlt sicherlich über Wolfsburg hinaus. Alle sind eingeladen: Wir sind sehr gut zu erreichen, mit dem ICE aus Berlin in 50 Minuten, aus Hannover sind es nur 20 Minuten mit dem ICE, aus Braunschweig noch weniger. Das Einzugsgebiet ist schon recht groß und ich denke: Wolfsburg ist auch immer eine Reise wert.