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Link in neuem Fenster öffnenEin Hörspiel von Stephan Krass
Mit den Erinnerungen verhält es sich wie mit den Gedanken. Wir können sie nicht heraufbeschwören. Vielmehr kommen sie zu uns und scheren sich nicht um die Frage, ob sie uns gerade im rechten Augenblick ereichen.
Sie blitzen am Firmament der Memoria auf und streuen von weit her ein Wort oder ein Bild in unsere Gegenwart. So entsteht ein Netz von Erinnerungssegmenten, die sich keiner chronologischen Ereignisstruktur beugen, sondern eine eigene Ordnung aus verborgenen Verknüpfungen bilden. Mal streifen die Erinnerungssplitter signifikante Ereignisse, mal banale Begebenheiten, mal kreisen sie um biografische Daten, mal um Momente der Zeitgeschichte. Ihre Textur setzt sich aus vielen und oft weit entfernten Partikeln zusammen.
Matthias Brandt bei einer Hörspielprobe.
Für das literarische Verfahren, die Bewegungsgesetze des Erinnerungsprozesses abzubilden und ihre Segmente mit der wiederkehrenden Formel "Ich erinnere mich" einzuleiten, stehen Georges Perec und Joe Brainard Pate.
In dem Hörspiel "Das grüne Auge von Falun" wird diese Vorlage als Einladung verstanden, die Spur der eigenen Erinnerung aufzunehmen. Das Stück ist von einer Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Februar 2013 gewählt worden.
Stephan Krass wurde 1951 in Ochtrup/Westfalen geboren. Er lebt in Karlsruhe und New York und arbeitet als Literaturredakteur (SWR) und Dozent fur Literatur an der Hochschule fur Gestaltung Karlsruhe. Zuletzt erschienen der Band "Konzil der Planeten Poetische Konstellation" (2010) und das Hörspiel "Die Amnesie der Ozeane" 2009). Fur "Ponderabilien. Ein Spiel mit Worten und Werten" ( 2007) erhielt er den "Hörspielpreis der Akademie der Künste Berlin".
Sendetermin: 11. September 2013, 20.00 Uhr
Regie: Ulrich Lampen
SWR 2013 / 55 Minuten
Mit Matthias Brandt