Stand: 25.01.2017 17:20 Uhr

"Gorch Fock" - Schulschiff und Botschafterin

"Boben dat Leben steiht de Dod, aber boben den Dod steiht wedder dat Leben" (Über dem Leben steht der Tod, aber über dem Tod steht wieder das Leben) - mit diesen plattdeutschen Worten tauft die 14-jährige Ulli Kinau am 23. August 1958 das erste Segelschulschiff der Bundesmarine auf den Namen ihres Onkels Gorch Fock, den bekannten Seefahrtsdichter. Zehntausende Gäste verfolgen den Stapellauf der Dreimastbark im Hamburger Hafen.

Die "Gorch Fock"

1959 sticht die "Gorch Fock" zu ihrer ersten Ausbildungsfahrt in See. Seither hat sie Hunderttausende Seemeilen zurückgelegt und alle Weltmeere befahren. Rund 300 Tonnen Eisenballast im Rumpf geben dem Schiff auf See eine besonders hohe Stabilität - theoretisch bis zu 90 Grad Krängung. Diese Bauweise war auch eine Konsequenz aus dem Untergang der "Pamir", bei der 80 Seeleute ums Leben kamen. Das Segelschulschiff der Handelsmarine war 1957 in einem Hurrikan im Atlantik gesunken.

"Gorch Fock" zierte Zehn-Mark-Schein

Schiffsdaten der "Gorch Fock"

Schiffstyp: Bark
Stapellauf/Taufe: 1958
Werft: Blohm + Voss, Hamburg
Eigner: Deutsche Marine
Heimathafen: Kiel
Länge (über Bugspriet): 89,32 Meter
Breite: 12 Meter
Höhe: Fock- und der Großmast jeweils 45 Meter, Besanmast: 40 Meter
Tiefgang: 5,5 Meter
Anzahl der Segel: 23
Segelfläche: gut 2.000 Quadratmeter
Höchstgeschwindigkeit: 18,2 Knoten (34 km/h), mit Hilfsmotor (1.690 PS) etwa 13,7 Knoten
Galionsfigur: ein stilisierter Albatros (2003 wurde die ursprüngliche Holzfigur durch eine Figur aus Kunststoff ersetzt)

Spätestens ab 1963 ist die "Gorch Fock" auch allen Landratten ein Begriff: Millionenfach ziert sie bis zur Einführung des Euro die Rückseite des Zehn-Mark-Scheins. Ab 1989 gehören im Zuge der Gleichberechtigung bei der Bundeswehr zu der 223-köpfigen Besatzung auch Frauen.

Mehr als 14.500 angehende Offiziere und Unteroffiziere haben bislang auf der "Gorch Fock" ihr seemännisches Rüstzeug erhalten. Mit ihren 23 Segeln und einer Gesamtlänge von fast 90 Metern ist die Bark ein gern gesehener Gast bei Hafenfesten wie dem Hamburger Hafengeburtstag oder der Kieler Woche im Heimathafen des Schulschiffes.

Kein Komfort an Bord

Mehrmals ist die technische Ausstattung des Schulschiffs modernisiert worden. Von Komfort an Bord kann dennoch bis heute keine Rede sein. Privatsphäre gibt auf dem 89 Meter langen Schiffes kaum. In den zwölf Quadratmeter großen Schlafsälen nächtigen 30 Personen in Hängematten über- und nebeneinander. Extreme Wetterbedingungen mit Sturm und hohen Wellen sowie lange Nachtwachen an Deck oder anstrengende Übungen sind Alltag auf der "Gorch Fock".

Deutschlands "schwimmende Botschafterin"

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2013 ist die "Gorch Fock auch in London zu Gast.

Große Bedeutung hat die "Gorch Fock" aber nicht nur als Schulschiff: In der Welt fungiert sie als Deutschlands "schwimmende Friedensbotschafterin" - ganz im Gegensatz zu den anfänglichen Befürchtungen mancher Deutscher, mit der "Gorch Fock" würde erneut ein Kriegsschiff vom Stapel laufen. So reist das Schiff zum Beispiel 1974 als erster Truppenteil der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg nach Polen und ist 1976 bei der 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit in New York zu Gast. Auf ihren Ausbildungsfahrten ist sie in den Häfen regelmäßig für Besucher geöffnet und auch viele Politiker nutzen das Segelschulschiff als repräsentativen Ort für diplomatische Veranstaltungen.

Tod einer Kadettin löst Diskussionen aus

Jahrzehntelang ist das Segelschulschiff "Gorch Fock" der Stolz der Deutschen Marine. Doch dann häufen sich die Unglücksfälle. Erst geht am 3. September 2008 die 18 Jahre alte Kadettin Jenny Böken über Bord. Im November 2010 stürzt die 25-jährige Kadettin, Sarah Lena Seele, während einer Ausbildungsfahrt aus der Takelage in den Tod stürzt.

Der Unfall löst heftige Diskussionen über die Bedingungen an Bord aus. Der Kommandant verliert seinen Posten, die Ausbildungsfahrten werden ausgesetzt. Erst zwei Jahre später bricht die "Gorch Fock" am 27. November 2012 unter ihrem neuen Kapitän Helge Risch und mit einem modernisierten Ausbildungskonzept erneut mit Kadetten an Bord in See. Risch gelingt es, das Schulschiff wieder in ruhigere Fahrwasser zu lenken. Im Juni 2014 übernimmt Fregattenkapitän Nils Brandt das Kommando an Bord.

Erhebliche Schäden stoppen das Schiff

Seit Dezember 2015 steht die "Gorch Fock" der Marine jedoch nicht mehr zur Verfügung. Bei einer Überprüfung wird festgestellt, dass die Masten marode sind und ersetzt werden müssen. Im Januar 2017 entscheidet das Verteidigungsministerium: Die "Gorch Fock" wird zunächst repariert, mittlelfristig aber durch einen Neubau ersetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.01.2017 | 17:00 Uhr

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