Sendedatum: 11.03.2017 11:30 Uhr

Das flenst: Bier von der Förde

Comic-Figur "Werner" macht Flens bundesweit bekannt

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Durch die "Werner"-Comics wurde Flensburger bekannt. Heute bietet die Brauerei es auch als "Bölkstoff" an.

Während andere Bierhersteller seit Anfang der 70er-Jahre auf Fernsehwerbung setzen und ihre Produkte bundesweit anbieten, ist Flensburger noch eine lokale Marke. Das ändert sich schlagartig, als die Comic-Figur "Werner" Anfang der 80er ins Rampenlicht tritt. Zeichner Rötger Feldmann nutzt das Flensburger Bier als Vorlage für seine erfolgreichen Bücher und Filme. Darin trinken die Pratogonisten Werner und Holgi Bier aus Flaschen mit Bügelverschluss, die sie mit einem lauten "Plopp" öffnen. Das Bier, das im Comic "Bölkstoff" heißt, wird zum Kult und ist fortan bundesweit heiß begehrt. "Alle Studenten haben diese Comics gelesen. Alle wollten sie jetzt endlich 'Bölkstoff' trinken und meinten, es sei Flensburger. Also hat man sich deutschlandweit um Flensburger gerissen. Die Großhändler standen bei uns Schlange", erinnert sich Dieter Pawel.

"Werners" Karriere seit 1978

Rötger "Brösel" Feldmanns Comicfigur "Werner" tauchte erstmals 1978 in der Satirezeitschrift "Pardon" auf und prägte seitdem gängige Worte und Sprüche wie "Bölkstoff", "Tass Kaff", "Dat muss kesseln" oder "Hau wech den Scheiß".

Seit 1981 sind 14 Comicbücher und mehrere Sonderbände erschienen und millionenfach verkauft worden. Die Comicbücher wurden zum Teil verfilmt, aktuell gibt es fünf "Werner"-Filme.

Und wie beurteilt das Unternehmen den unerwarteten Erfolg? Der Marke Flensburger haben die "Werner"-Comics aus Sicht von Andreas Dethleffsen gutgetan: "Die Marketingstrategen haben sich immer gefragt: 'Passt das zu unserem Image oder ist das zu prollig?' Ich glaube aber, von heute aus gesehen oder auch von damals aus gesehen: Das war alles viel zu sophisticated. Das war einfach etwas, das jungen Leuten Spaß machte. Da lachte man drüber. Das fand man witzig. Das war, finde ich, etwas Gutes".

Arbeiten an der "Plopp-Quote"

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Der Bügelverschluss ist das Markenzeichen des Biers aus Flensburg. An seiner Optimierung wird laufend getüfftelt.

Der Erfolg durch die "Werner"-Comics macht der Brauerei auch deutlich, wie wichtig der Bügelverschluss mit dem "Plopp" als Marketinginstrument ist. "Für den Verbraucher ist es ein besonderes Erlebnis, wenn er unser Bier konsumiert", sagt Laborleiter Sascha Wunderlich. Er arbeitet deshalb daran, die sogenannte "Plopp"-Quote zu steigern. Derzeit liegt sie bei 99,6 Prozent, das heißt, von 100 Flaschen ploppen 99 beim Öffnen. Mehr als vier Millionen Euro hat die Brauerei investiert, um einen Bügelverschluss zu entwickeln, der den Druck besser hält. Das Ziel: ein akustisch optimaler "Plopp" bei allen Flaschen.

Der Kampf am Markt ist hart

Der "Plopp" allein reicht allerdings nicht, um sich am Markt durchzusetzen. In Deutschland geht der Bierkonsum zurück, viele Konkurrenten setzen auf niedrige Aktionspreise, die eine kleine Brauerei nicht bieten kann. Die guten Plätze im Supermarkt sind hart umkämpft. "Dort geht es um Platzierungen, um jeden Zentimeter, den man an Platzierung bekommt. Wenn ich als Außendienstlerin nicht da bin und mich um die Platzierung kümmere, dann werde ich immer kleiner gemacht. Ich werde nach ganz unten in das Regal gestellt und irgendwann bin ich ganz weg", erklärt Bezirksleiterin Maren Heitmann.

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Mit Vielfalt im Markt bestehen: Heute hat die Brauerei viele verschiedene Biersorten im Sortiment.

Doch entgegen dem Branchentrend wächst die Flensburger Brauerei, vor allem über den Export. Die Chinesen etwa lieben das Bier von der Förde, sie verbinden damit norddeutsche Kneipengemütlichkeit. Jede Woche liefert die Brauerei einen Container nach China und der Markt wächst. Andreas Dethleffsen blickt deshalb optimistisch in die Zukunft: "Ich möchte mein Familienunternehmen über die Zeit führen und in eine nächste Generation bringen. Wir müssen uns einfach der Tatsache stellen, dass sich Menschen, dass sich Märkte, dass sich Umgebungen verändern. Und mir ist es sehr wichtig, dass wir in diesem veränderten Umfeld unseren eigenen Weg und unseren richtigen Weg finden".

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Unsere Geschichte | 11.03.2017 | 11:30 Uhr