Stand: 03.10.2013 12:01 Uhr  | Archiv

Vor 80 Jahren: Erstes "Reichserntedankfest"

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Am 2. Oktober 1933 fand auf dem Bückeberg bei Hameln das erste "Reichserntedankfest" statt.

Das "Deutsche Erntedankfest" ist Blut-und-Boden-Kitsch in Reinkultur: Die Nationalsozialisten haben damit Erntedank für ihre Zwecke instrumentalisiert. Vor 80 Jahren wurde das sogenannte Reichserntedankfest zum ersten Mal begangen: Am 2. Oktober 1933 feierten unter dem Motto "Blut - Boden - Arbeit" rund eine halbe Million Menschen das Fest. Den Schauplatz für die zentrale Veranstaltung hatten die Nazis ganz bewusst gewählt: den Bückeberg nahe Hameln.

Weser, Varusschlacht und "Deutscher Boden"

Bei der Region handele es sich um "ureigensten deutschen Boden", erfüllt von "freiem kämpferischem Bauerntum", verkündeten die Nationalsozialisten. Dazu lägen dort Äcker, die "von den Kämpfen der deutschen Stämme um den deutschen Boden mit Blut getränkt" seien: Schon damals vermutete man den Austragungsort der Varusschlacht, bei der die Germanen die Römer glorreich besiegt hatten, in der Nähe - und die Weser als ein von der Quelle bis zur Mündung deutscher Fluss floss auch noch durch das Gebiet.

Goebbels-Rede im Radio, Bauern-Empfang in Berlin

Das Fest begann am frühen Morgen mit einer Goebbels-Ansprache im Radio, bevor dann in Berlin Bauernabordnungen empfangen wurden und Hitler in der Reichskanzlei ihre Gaben "aus Acker und Garten, Weinberg und Heide" kredenzt bekam. Anschließend flog der mit einem großen Tross nach Hannover und fuhr von dort - an Spalier stehenden Dorfbewohnern vorbei - zum Bückeberg.

Inszenierung der Massen

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Auf dem Bückeberg nahmen Jahr für Jahr bis zu 1,3 Millionen Menschen an den Erntedankfesten der Nationalsozialisten teil.

Dort angekommen stieg Hitler - zu den Klängen des Badenweiler-Marsches - zur pyramidenförmigen Ehrentribüne hinauf, bekam die Erntekrone überreicht, hielt eine Rede, danach gab es ein riesiges Feuerwerk. Ab 1935 nahmen auch Teile der Wehrmacht an dem Fest teil und zeigten unterhalb des von Albert Speer gestalteten Festplatzes ein Manöver mit Artillerie, Panzern und Bombenflugzeugen.

Bis zu 1,3 Millionen Bauern auf dem Bückeberg

Vordergründig war es zwar ein Fest der Bauern, dem Regime diente das "Reichserntedankfest" jedoch vor allem als Kulisse für Selbstinszenierung, Massenverführung und Vorbereitung auf den Krieg. Bis 1937 strömten jedes Jahr bis zu 1,3 Millionen Bauern aus allen Landesteilen in ihren Trachten auf den Bückeberg - dann jedoch war wieder Schluss mit den "Reichserntedankfesten": 1938 wurde die Feier wegen der Sudentenkrise kurzfristig abgesagt, 1939 hatte dann der Zweite Weltkrieg bereits begonnen.

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