Stand: 01.02.2017 18:38 Uhr

Zerstört und wiederaufgebaut: St. Jacobi

Wer von der Alster Richtung Mönckebergstraße schlendert, sieht nur wenige Meter hinter der Einkaufsmeile den Turm der St. Jacobi-Kirche aufragen. Was heute beste Citylage ist, gehörte Mitte des 13. Jahrhunderts noch nicht einmal zur Stadt. Als Anlaufstelle für Pilger auf ihrem Weg zum Grab des Heiligen Jacobus im spanischen Santiago de Compostela wurde St. Jacobi 1255 erstmals als kleine Kapelle erwähnt. Erst mit der Erweiterung der Stadtmauer 1260 wurde sie zu einer Hamburger Kirche.

Diese Kunstschätze beherbergt die Jacobikirche

Von der Kapelle zur stattlichen Kirche

Über die Jahrhunderte wurde St. Jacobi vielfach um- und ausgebaut. Von 1350 bis 1400 erfolgte der Ausbau zu einer dreischiffigen Hallenkirche im gotischen Stil, 1508 erhielt das Gotteshaus ein viertes Kirchenschiff, 1769 den ersten Blitzableiter Europas. Auch der Turm wurde mehrfach verändert. Im Inneren schmückte die Gemeinde die Kirche mit wertvollen Kunstwerken. Dazu zählten bis zu 20 Altäre, eine Orgel des berühmten norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger sowie zahlreiche Gemälde.

Cholera und Bomben besiegeln das Schicksal der Gemeinde

St. Jacobi ist eine der fünf Hauptkirchen Hamburgs und präsentiert sich heute mit modernem Turm.

Beim Großen Brand von 1842, der ein Viertel der Stadt vernichtete, blieb St. Jacobi überraschend unversehrt. Der Ausbruch der Cholera 50 Jahre später hatte hingegen schwerwiegende Folgen. Das Gängeviertel rund um die Kirche wurde wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse abgerissen, die Gemeinde verlor ein Sechstel ihrer Mitglieder. Im Zweiten Weltkrieg kam es noch schlimmer. Bei einem Angriff US-amerikanischer Bomber wurde die Kirche am 18. Juni 1944 getroffen. Der Turm stürzte auf das Kirchenschiff, das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Lediglich die Kunstwerke überstanden die Katastrophe - der Kirchenvorstand hatte seine Schätze nach den Bombenangriffen auf Lübeck (1942) und Hamburg (1943) in einen Schutzraum auslagern lassen.

Wiederaufbau mit modernem Turm

Nach dem Krieg wurde St. Jacobi bis 1962 wieder aufgebaut. Während das Kirchenschiff nach mittelalterlichem Vorbild in Backstein rekonstruiert wurde, erhielt der Kirchturm ein modernes Gesicht. Er ist gerade und schlicht mit Kupferhaut, einziger Schmuck sind die Turmuhr und eine goldene Spitze mit Kugel.

Wertvolle Kunstschätze blieben erhalten

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Die Orgel besitzt viele Pfeifen aus der Zeit vor 1700 und hat einen besonders schönen Klang.

Im Inneren strahlt St. Jacobi noch heute in mittelalterlichem Glanz. Der zweifellos größte Kunstschatz steht im Westteil der Kirche - die Arp-Schnitger-Orgel aus dem Jahre 1693. Sie ist die größte erhaltene Barockorgel in Nordeuropa. Zwischen 1989 und 1993 umfangreich restauriert, ist sie jeden Sonntag beim Gottesdienst sowie bei Konzerten zu hören. Außerdem bietet die Kirche regelmäßig spezielle Orgelführungen an. Auch die drei mittelalterlichen Altäre sind noch in der Kirche zu sehen, ebenso das Stadtpanorama Hamburgs von Joachim Luhn aus dem Jahr 1681.

Anlaufstation für Pilger

Eine Pilgerkirche ist St. Jacobi übrigens noch heute. Sie versteht sich als Knotenpunkt zwischen den nordischen Wegen und denen auf dem europäischen Festland und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Pilger zu unterstützen. Mit Bernd Lohse hat die Kirche sogar einen eigenen Pilgerpastor. Und im Kircheninneren stehen zwei Statuen, die den Namensgeber und Schutzpatron der Pilger zeigen: Jacobus mit Pilgerhut, Wanderstab und Muschel.

Karte: St. Jacobikirche in Hamburg
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Dieses Thema im Programm:

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