Stand: 01.03.2016 17:55 Uhr

Verfahren gegen frühere KZ-Wächterin eingestellt

Eine ehemalige KZ-Aufseherin wird mangels hinreichenden Tatverdachts nicht angeklagt. Wie die Hamburger Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigte, wurde das Ermittlungsverfahren gegen die 93-Jährige aus Hamburg nach etwas mehr als einem Jahr eingestellt.

Hunderte starben auf Todesmarsch

Ihr war vorgeworfen worden, 1945 einen Todesmarsch von Gefangenen des NS-Regimes vom KZ-Außenlager Grünberg in Schlesien mit dem Ziel Bergen-Belsen als Aufseherin begleitet zu haben - das NDR Fernsehmagazin Panorama 3 hatte darüber berichtet. Auf dem 400 Kilometer langen Marsch sollen von 2.000 weiblichen Gefangenen etwa 1.400 gestorben sein.

Hilde M. hatte in einem Video-Interview aus dem Jahr 2004 selbst berichtet, am ersten Teil des Marsches teilgenommen zu haben. Ihre Erzählungen dazu fanden sich im Archiv der Gedenkstätte des KZ Bergen-Belsen, wo das Filmmaterial nahezu unbemerkt lagerte. Ob sie jedoch auch am weiteren, tödlichen Verlauf des Marsches teilnahm, konnte von der Anklage nicht mehr verifiziert werden.

Keine Straftaten nachgewiesen

Die Zeugen waren verstorben oder nicht mehr aufzufinden, so die Staatsanwaltschaft. Der Rentnerin hätten daher keine Straftaten mehr nachgewiesen werden können. Ihre Tätigkeit im KZ selbst war nicht Gegenstand der Ermittlungen. Hierfür war sie bereits im Jahr 1945 von der britischen Besatzungsmacht zu einem Jahr Haft verurteilt worden.

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