Stand: 07.11.2015 10:39 Uhr

KZ Neuengamme: Tatort und Gedenkstätte

Allein die schiere Größe des Geländes macht betroffen: Die KZ-Gedenkstätte in Neuengamme in den Hamburger Vierlanden umfasst 57 Hektar - eine Größe von etwa 80 Fußballfeldern. Es dauerte viele Jahre, bis die Geschichte des Konzentrationslagers umfassend öffentlich dokumentiert und der Opfer angemessen gedacht wurde: Erst seit 2005 ist das gesamte Areal eine Gedenkstätte. Zuvor gab es nur ein Mahnmal, das am 7. November 1965 eingeweiht worden war.

Mahnung und Erinnerung in Neuengamme

Mit etwa 100.400 Häftlingen war das Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme einschließlich der 86 Außenlager das größte in Nordwestdeutschland. Mindestens 42.900 Menschen überlebten den nationalsozialistischen Terror dort nicht. Als die Briten das Lager am 4. Mai 1945, erreichten, fanden sie es leer vor. Die Nazis hatten es räumen lassen, um ihre Verbrechen zu vertuschen.

Rundwege führen zu Orten des Naziterrors

Noch bis 2003 hatte die Stadt Hamburg das Gelände als Gefängnis genutzt, Angehörige der KZ-Opfer konnten den Ort, an dem ihre Verwandten gelitten hatten, nicht einmal betreten. Erst nach dem Abriss der Strafanstalt wurde der Weg frei für eine Gedenkstätte, die heute das gesamte Areal des ehemaligen Konzentrationslagers umfasst. Drei Rundwege von 1,5 bis 4,5 Kilometern Länge führen zu zentralen Orten des Schreckens: Den Appellplatz, auf dem sich die Häftlinge mehrmals täglich aufstellen mussten und auf dem auch öffentliche Hinrichtungen stattfanden. Den Arrestbunker mit schmalen Einzelzellen, in dem Hunderte Gefangene getötet wurden und das Krematorium, in dem die Leichen der KZ-Häftlinge verbrannt wurden.

Ausstellung im früheren Häftlingsblock

Bild vergrößern
Große Flächen mit Bruchsteinen markieren die Grundrisse der ehemaligen Baracken des Lagers.

In einem ehemaligen Häftlingsblock hinter dem rekonstruierten Appellplatz befindet sich die Hauptausstellung der Gedenkstätte. Sie dokumentiert die in Neuengamme verübten Verbrechen und das Leiden der Häftlinge in den Jahren von 1938 bis 1945, widmet sich aber auch der Nachnutzung des ehemaligen Konzentrationslagers, die über Jahrzehnte verhinderte, dass in Neuengamme eine echte Erinnerungsstätte entstehen konnte. Vier ergänzende Ausstellungen sind in weiteren historischen Bauten zu sehen. Sie thematisieren unter anderem die KZ-Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion in den ehemaligen Hallen des Rüstungsbetriebs Walther-Werke. Die Ausstellung im früheren Klinkerwerk dokumentiert unter dem Titel "Arbeit und Vernichtung" die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter in der Ziegelproduktion.

Mahnmal erinnert an die Opfer

Bild vergrößern
Stoffbahnen mit den Namen der Opfer erinnern an die Toten von Neuengamme.

Zum Besuch der Gedenkstätte sollte auch ein Gang zum Internationalen Mahnmal und zum Haus des Gedenkens gehören, die etwa ein Kilometer entfernt von Haupteingang liegen. Erst 1965 wurde am Rande des Geländes und außerhalb des Areals der damaligen Haftanstalt das Mahnmal für die KZ-Opfer eingeweiht. Es besteht aus einer schlichten Stele, die an den Schornstein des Krematoriums erinnern soll, einer Ehrenmauer und der Bronzeskulptur eines sterbenden Häftlings. Im Haus des Gedenkens sind auf langen Stoffbahnen die Namen von 22.460 Häftlingen mit Sterbedatum verzeichnet. Den Tausenden weiteren Opfern, deren Namen nicht bekannt sind, ist ein weiterer Raum gewidmet. Das Haus des Gedenkens war ursprünglich ein kleines Dokumentenhaus, in dem sich bis 1995 die einzige Ausstellung zum KZ Neuengamme befand.