Stand: 04.11.2013 12:11 Uhr

Die KZ-Gedenkstätte Hamburg-Neuengamme

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Ein Mahnmal, Gedenktafeln und mehrere Ausstellungen erinnern an die Opfer des KZ.

Mit mehr als 100.000 Häftlingen war das Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme das größte seiner Art im Nordwestdeutschland. Etwa die Hälfte von ihnen überlebte die qualvolle Gefangenschaft nicht oder wurde ermordet. Seit 2005 erinnert eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ an die Leiden der Inhaftierten. Neben einem Gedenkbereich mit Mahnmal gliedert sich die Anlage in mehrere Dauerausstellungen. Im Mittelpunkt steht die Schau "Zeitspuren: Das Konzentrationslager Neuengamme 1938-1945 und seine Nachgeschichte" in einem ehemaligen Häftlingsblock.

Reportage

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Außerdem erwarten die Besucher drei ergänzende Ausstellungen - eine über die Lager-SS sowie zwei zum Thema KZ-Zwangsarbeit in der Rüstungs- und in der Ziegelproduktion. Drei Rundwege erschließen das weitläufige Gelände und führen zu historischen Gebäuden und Anlagen wie der Klinkerfabrik und den Überesten des Arrestbunkers.

Langer Weg zur Gedenkstätte

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Große Flächen mit Bruchsteinen symbolisieren die Baracken des Lagers.

Nach Kriegsende internierten die Briten NS-Funktionsträger in dem intakt vorgefundenen Lager. Ab 1948 nutzte die Hamburger Justizbehörde die Gebäude als Gefängnis. Die Erinnerungen an das KZ wurden verdrängt. Statt eine Gedenkstätte zu errichten, baute die Stadt Hamburg immer mehr Zeugnisse des Schreckens wie Wachtürme, Zäune und Krematorien ab. Ende der 60er-Jahre entstand auf dem Gelände ein weiteres Gefängnis. Erst 1965 wurde am Rande des Geländes ein Mahnmal für die KZ-Opfer eingeweiht, 1981 kam ein kleines Dokumentenhaus dazu. Nach jahrelangen Diskussionen wurde eines der Gefängnisse im Juni 2003 verlegt und die Gebäude bis 2005 zu einer Gedenkstätte umgebaut. Als 2006 auch das zweite Gefängnis schloss, konnte sie 2007 erweitert werden.

Weitere Informationen
04:55 min

Neuengamme gestern und heute

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Hamburg Journal

Es hat viele Jahre gedauert, bis im ehemaligen KZ Neuengamme eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Fotos dokumentieren, wie das Gelände vor dem Umbau aussah. Video (04:55 min)

Fast jeder zweite Häftling starb

Mindestens 42.000 der insgesamt mehr als 100.000 Häftlinge haben das Konzentrationslager nicht überlebt. Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges starben zahlreiche Menschen: Am 20. April 1945 erhängten SS-Leute 20 jüdische Kinder, an denen medizinische Experimente vorgenommen worden waren. Zwischen dem 21. und 23. April wurden 13 Frauen und 58 Männer wegen Widerstands gegen die Nazis hingerichtet. Am 3. Mai, dem Tag der Kapitulation Hamburgs, kamen rund 7.000 KZ-Häftlinge auf Schiffen in der Neustädter Bucht bei britischen Bombardements ums Leben. Die Nazis hatten die Häftlinge aus Neuengamme wegbringen lassen, um ihre Verbrechen zu vertuschen. Als britische Soldaten am 4. Mai das KZ-Gelände betraten, fanden sie es leer vor.

Größtes Lager in Nordwestdeutschland

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In diesem Klinkerwerk mussten viele der Häftlinge Zwangsarbeit verrichten.

Zunächst als Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen (Brandenburg) angelegt, wurde das rund 70 Hektar große Gelände des KZ Neuengamme 1940 selbstständig und mit 86 Außenstellen das größte nordwestdeutsche Lager. So mussten Gefangene in Bremen und Wilhelmshaven für die Kriegsmarine Schiffe bauen. Auf dem Lagergelände selbst schufteten viele Häftlinge im Klinkerwerk. Andere wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt, mussten Trümmer von Bombenschäden wegräumen oder Panzerschutzgräben bauen.

Bordell für Häftlinge

1944 lässt die SS im Neuengammer Hauptlager eine Sonderbaracke bauen - ein Häftlingsbordell. Sogenannte "arische" Kapos und Lagerälteste (Häftlinge, die als Helfer der Lagerleitung arbeiteten) dürfen es aufsuchen, wenn sie einen entsprechenden Antrag gestellt haben. Die zehn Zwangsprostituierten tragen den schwarzen Winkel. In der Symbolik der Nationalsozialisten bedeutet dies: asozial. Zwei Stunden lang müssen die Frauen jeden Abend den ausgewählten Häftlingen zur Verfügung stehen.

Die geringsten Überlebenschancen hatten Gefangene, die im sogenannten "Kommando Elbe" eingesetzt wurden. Um die Dove-Elbe schiffbar zu machen, müssen die KZ-Häftlinge das Gewässer ausheben und einen Stichkanal zum Lager bauen. Ab 1941 kam die Mehrheit der Häftlinge aus den besetzten Ländern. Zunächst bildeten die polnischen, ab 1942 die sowjetischen Häftlinge die größte Gruppe. Mehr als die Hälfte der Gefangenen kam aus Osteuropa, große Gruppen aber auch aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Dänemark.

Am 1. September 1942 übernahm SS-Sturmbannführer Max Pauly das Kommando des KZ Neuengamme. Unter seiner Leitung wurden 448 sowjetische Kriegsgefangene gezielt ermordet, im Arrestbunker mit Zyklon B vergast.

Drei weitere Erinnerungsstätten

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In der Gedenkstätte Bullenhuser Damm erinnert je ein Koffer an die getöteten Kinder.

Neben der zentralen Gedenkstätte in Neuengamme erinnern drei weitere in ehemaligen Außenstellen an die Opfer des NS-Regimes: Bullenhuser Damm, Fuhls- und Poppenbüttel. Die Schule am Bullenhuser Damm ist ein Ort mit besonders tragischer Geschichte: Dort wurden jüdische Kinder, die zuvor für medizinische Experimente missbraucht worden waren, ermordet und sowjetische Häftlinge erschossen. Eine Ausstellung und ein Rosengarten laden zum Gedenken ein. Im ehemaligen Eingangsbereich der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel können sich Besucher in einer Ausstellung über das Schicksal der Häftlinge informieren. Die Gedenkstätte Plattenhaus Poppenbüttel dokumentiert die Zerstörung jüdischen Lebens in der Hansestadt und die Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus.

Zeitzeuge

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Karte: Gedenkstätten an das KZ Neuengamme

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Geraubte Leben: Europa im KZ Neuengamme / 09.11.2013 / 13:30 Uhr