Stand: 05.06.2012 10:30 Uhr

Das Planetarium: Hamburgs Fenster zum All

von Stefanie Grossmann

Seit Jahrhunderten fasziniert Menschen das Universum und die Frage nach ihrer Herkunft. Schon die Urvölker orientierten sich am Himmel, und worüber sich anfänglich Mythen und Legenden rankten, lehrten Wissenschaftler wie Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler das Verständnis vom heutigen Weltbild. Möglich machten den Blick zum Himmel Fernrohre, Teleskope und später Planetarien. Seit dem 30. April 1930 besitzen auch die Hamburger ihr Fenster zum All - das Planetarium im Stadtpark.

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Durch die Beleuchtung erscheint das Hamburger Planetarium bei Nacht besonders imposant.

Der Weg bis zur Eröffnung war ein steiniger. Allein dem Enthusiasmus des Hamburger Lehrers Hans Haage ist es zu verdanken, dass nach sechs Jahren auch Hamburg sein Planetarium bekam. Haage stattete damals Schulen mit Lehrmodellen für die Astronomie aus. Er hatte 1924 an der Eröffnung des ersten Zeiss-Planetariums in Jena teilgenommen und versuchte fortan, die Hamburger Behörden für den Bau eines Planetariums zu begeistern.

Bereits 1925 kam ein Vertrag über den Bau eines Projektionsapparates zwischen dem Senat und der Firma Carl Zeiss in Jena zustande. 150.000 Goldmark sollte das technische Gerät kosten.

"Altbau statt Neubau"

Der Neubau eines Planetariums war der Stadt allerdings zu teuer. So ging man auf die Suche nach einem geeigneten Bauwerk und fand es 1929 im Wasserturm des Stadtparks in Winterhude. Die Planer hatten für den Wasserturm einen repräsentativen Standort ausgewählt - er sollte am höchsten Punkt der Parkanlage als optischer Höhepunkt stehen. Neben der Funktion als Wasserturm war der Bau auch als Aussichtspunkt gedacht.

Vom Versorgungsturm zur Planetenmaschine

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Das Planetarium ist im denkmalgeschützten Bau eines ehemaligen Wasserturms untergebracht.

1912 hatte der Dresdner Architekt Oskar Menzel unter der Aufsicht des damaligen Hamburger Baudirektors Fritz Schumacher mit dem Bau des letzten Wasserturms für die öffentliche Versorgung der Stadt begonnen. Durch den Ersten Weltkrieg wurde der Turm erst 1916 fertig. Charakteristisch für die Bauweise ist die Verbindung von Tradition und Moderne. Der Backsteinbau im Stil der Reformarchitektur verzichtet weitgehend auf dekorative Elemente. Der traditionellen wilhelminischen Bauweise entsprechen Kuppeldach, Kolossalbogen und die kaskadenartige Brunnenanlage. Die Monumentalität des Baus ergab sich allein aus der Größe: Der Turm hat eine Höhe von 65 Metern, und seine Vorderfront misst 29 Meter Breite.

Von Beginn der 30er-Jahre diente er zwar aufgrund des gestiegenen Wasserverbrauchs der Hansestadt noch als Reservoir. 1944 endete seine Funktion endgültig, weil eine Mine die Hauptrohre zerstörte.

Schwieriger Umbau - erfolgreicher Start

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Der Sternensaal im Hamburger Planetarium mit dem ersten Projektor Zeiss II um 1930.

1929 begannen die Umbauarbeiten für das Planetarium. Ausführende waren die Hamburger Wasserwerke unter der Leitung des Architekten Hans Loop. Der Umbau gestaltete sich nicht ganz einfach, weil die Kuppel zu niedrig war und der Tropfboden höhergelegt werden musste. Letztlich entstand ein 23 Meter hoher zylindrischer Raum mit 22 Metern Durchmesser. Durch eine Zwischendecke gewann Loop zwei Etagen - den oberen Teil für das Planetarium und die untere Etage für eine Wandelhalle, Kassenraum sowie Ausstellung- und Veranstaltungsräume. Nach einem Jahr Umbauzeit und Kosten von 257.750 Reichsmark konnte das Planetarium am 30. April 1930 seinen Betrieb aufnehmen.

Ein Jahr später titelte das "Hamburger Abendblatt": "Die erste Bilanz des Planetariums: 108.511 Hamburger sehen zu den Sternen empor." Im Vergleich mit anderen Planetarien in Deutschland war dies ein sensationeller Erfolg, und auch in der Folgezeit blickte die Stadt mit Stolz auf die Besucherzahlen: Rund 3.000 besuchten im Schnitt monatlich Veranstaltungen wie "Der Himmel der Heimat" oder "Die Wunder und Geheimnisse des gestirnten Himmels". Eine weitere Attraktion war die Aby-Warburg-Bibliothek mit Exponaten zum Thema Sternglaube und Sternkunde.

Oberschulbehörde als Dienstherr

In den Anfangsjahren unterstand das Planetarium der Verwaltung der Oberschulbehörde. Die Leitung oblag deshalb einem Oberstudienrat. 1934 löste Johannes Meyer den ersten Verantwortlichen Dr. Körner ab und blieb bis 1964 im Amt. Er lenkte die Geschicke trotz Krieg und Nachkriegsjahren erfolgreich. Zum Glück blieb das Planetarium nahezu unversehrt, obwohl es in den Kriegsjahren als Unterkunft für Soldaten diente. Darüber hinaus wurden Piloten und Nautiker mithilfe der Sternenvorführungen ausgebildet.