Stand: 01.07.2015 10:01 Uhr

Büsum - von der Insel zum Seebad

Ein lebendiger Hafen, ein grüner Strand, seichtes Nordseewasser und das alles bequem erreichbar per Bahn und Auto: Büsum gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen an der schleswig-holsteinischen Nordsee. Dabei war Büsum einst nicht etwa ein Dorf auf dem Festland, sondern eine Nordseeinsel vor der Küste von Dithmarschen.

Grünstrand, Salzwasser und Zehen voll Schlick

Doch Sturmfluten im 14., 15. und 16. Jahrhundert veränderten den Ort für immer: Im Süden spülten die Fluten Inselland fort, im Norden dagegen schwemmten sie Schlick an. Auf diese Weise näherte sich die Insel Büsum dem Festland so weit an, dass es 1585 gelang, einen Damm dorthin zu bauen. Durch Eindeichungen in der Folgezeit verlor Büsum endgültig seinen Inselcharakter.

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Ein dankbarer Pirat schenkte Büsum ein Taufbecken

Aus der Zeit, in der Büsum eine Insel war, stammt noch die kleine Fischerkirche, die nach dem Schutzheiligen der Schiffer, Fischer und Küstenbewohner, dem heiligen Clemens, benannt ist. Die weiß gestrichene Kirche mit ihrem Dachreiter wurde 1552 erbaut. Das bronzene Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert soll der Seeräuber Cord Widderich im 15. Jahrhundert von der Insel Pellworm geraubt und den Büsumern geschenkt haben - als Dank dafür, dass die Bewohner ihm Unterschlupf gewährt hatten.

1818 erscheinen erste Badekarren am Strand des Fischerdorfs

Vom Seebad zum Heilbad

1837 wurde Büsum zum Nordseebad, 1949 zum Nordseeheilbad.
Für die Titel gelten besondere Auflagen: So muss ein Seebad nicht nur am Meer oder in unmittelbarer Meeresnähe liegen, sondern auch eine gute Luft- und Badewasserqualität sowie mindestens einen Kurarzt und eine touristische Infrastruktur vorweisen können.
Noch strenger sind die Vorgaben für die Vergabe des Titels Seeheilbad. An diesen Orten müssen auch Heilmittel wie Meersalz oder Meeresschlick vorhanden sein.
Seebäder gibt es in Deutschland sowohl an der Ost- als auch an der Nordsee.

Über Jahrhunderte lebten die Büsumer hauptsächlich von Fischfang und Landwirtschaft. Im 19. Jahrhundert kam der Fremdenverkehr als neue Einnnahmequelle hinzu: Der seichte Nordseestrand zog immer mehr Besucher an. Ab 1818 ließen die Büsumer erste Badekarren aufstellen. Später ersetzten sie die Karren durch stabilere Badehäuschen, die weniger flutgefährdet waren. Der Nordseetourismus kam in Schwung. Am 1. Juli 1837 erschien erstmals ein Bericht in der "Dithmarsischen Zeitung", der Büsum als Seebad würdigte. Dieses Datum gilt heute als Gründungsjahr des Seebades.

Mit der Eisenbahnanbindung kamen die Feriengäste

Die Anreise war damals noch alles andere als bequem. Mit der Kutsche dauerte sie von Hamburg aus drei Tage. Im Jahr 1883 erhielt Büsum, als erstes Seebad Deutschlands, eine Bahnstation - ein gewaltiger Schritt für den Ferienort: Mit der verbesserten Verkehrsanbindung des Ortes nahm die Bedeutung des Fremdenverkehrs für Büsum stark zu. 1890 erschien ein erster Werbeprospekt fürt das Seebad, 1896 begann Büsum damit, eine Kurtaxe zu erheben. Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Ort bereits 8.500 Übernachtungen pro Jahr. Zugleich boomte die Krabbenfischerei: Ab 1890 siedelte sich eine wichtige Krabbenschiffflotte an, Büsumer Krabben wurden zum Markenzeichen.

Baden, Watt wandern, promenieren

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Seit 1837 ist Büsum ein Nordseebad. Bis heute lockt der Ferienort jedes Jahr Hunderttausende Gäste an.

Bis heute prägen die Krabbenkutter - neben Seenotkreuzern, Museums- und Ausflugsschiffen - das Hafenbild. Krabbenbrötchen essen und an Hafen und Grünstrand promenieren, außerdem Watt wandern und Baden in der seichten Nordsee - diese Mischung zieht bis heute jedes Jahr Hundertttausende Gäste an. Heute zählt Büsum mehr als eine Million Übernachtungen jährlich.

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