Stand: 15.09.2016 06:28 Uhr

1991: Die Brockenbahn dampft wieder

Der Plan war kühn - nicht nur in seiner Zeit. Eine Eisenbahnstrecke sollte bis auf den höchsten Gipfel Norddeutschlands führen, den mehr als 1.100 Meter hohen Brocken. Vielleicht steckte hinter der Idee der gleiche Harzer Pioniergeist, der schon seit Jahrhunderten notwendig war, um in der schroffen Landschaft Bergbau zu betreiben. Jedenfalls werden Ende des 19. Jahrhunderts drei Gesellschaften gegründet, die dem Süd- und Ostharz die Eisenbahn bringen. Die Königsetappe soll auf den Brocken führen: 19 Kilometer von der Station Drei Annen Hohne in 540 Metern Höhe über Schierke zum Gipfel. Am 27. März 1899 ist es soweit, die Strecke wird eingeweiht. Eine zweite Premiere gibt es fast 100 Jahre später: Am 15. September 1991 - heute vor 25 Jahren - schnaufen im wiedervereinten Deutschland die ersten Passagierzüge zum Brocken, nach einer 30 Jahre langen Pause.

Mit Volldampf auf den Brocken

Züge transportieren Ausflügler und Rohstoffe

1899 ahnt wohl niemand, welch wechselvolle Geschichte der Brockenbahn bevorsteht. Die Strecke erschließt den sagenumwobenen Berg nicht nur für immer mehr Ausflügler. Sie wird auch zu einem Symbol der Teilung Deutschlands. Zunächst rollen die Züge wie geplant, bringen Besucher auf den Brocken und transportieren Holz sowie Bodenschätze aus dem Harz ab. Im Zweiten Weltkrieg werden die Gleise beschädigt, die russische Militärverwaltung schränkt den Verkehr nach Kriegsende ein. 1949 übergibt sie die Brockenbahn in die Regie der Deutschen Reichsbahn. Wenig später fahren wieder Personenzüge auf den Gipfel.

Der Mauerbau stoppt den Zugverkehr

Mitte der 50er-Jahre schafft die DDR-Reichsbahn 17 neue Dampflokomotiven für die nur einen Meter breiten Schmalspurgleise der Bahnen im Harz an. Die meisten davon gehören noch immer zum Fuhrpark der heutigen Harzer Schmalspurbahnen (HSB), auch auf der anspruchsvollen Route zum Brocken. Doch schon am 14. August 1961 schnauft der vorerst letzte Personenzug auf den Berg. Der Mauerbau in Berlin sorgt dafür, dass die innerdeutsche Grenze auch im Harz undurchlässiger wird. Wer von Drei Annen Hohne nach Schierke reisen will, benötigt einen Passierschein, von Schierke auf den Brocken fahren nur noch Güterzüge. Sie versorgen Soldaten, die auf dem Gipfel im militärischen Sperrgebiet stationiert sind. 1987 wird der Zugverkehr komplett eingestellt.

Neustart im vereinten Deutschland

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Weite Teile der Strecke führen durch den Wald.

Nach der Wiedervereinigung 1989 kommen rasch Pläne auf, die Schmalspurbahnen im Harz zu erhalten und die Brockenbahn wieder zu beleben. Landkreise und Gemeinden gründen im März 1991 eine "Kommunale Gründungsgesellschaft zur Erhaltung der Harzer Schmalspurbahnen", die noch im selben Jahr in die Harzer Schmalspurbahnen GmbH übergeht. Der touristische Aspekt steht nun im Vordergrund. Gleise und Anlagen werden mit Millionenaufwand zügig saniert und am 15. September 1991 beginnt der Zugverkehr zwischen Schierke und dem Brockenbahnhof unter der Regie der Reichsbahn mit einem großen Fest. Seit Juli 1992 rollen die Züge wieder ganzjährig nach einem festen Fahrplan, derzeit mit bis zu elf Fahrten pro Richtung täglich.

Die spektakuläre Strecke, die spiralförmig um den Berg führt, um die Steigung zu mildern, gehört zu den größten Touristenattraktionen im Harz. Jedes Jahr transportieren die Dampfzüge mehrere Hunderttausend Menschen zu Deutschlands höchstgelegenem Bahnhof eines Zuges, der ohne Zahnräder oder Zugseile auskommt.

Karte: Mit Volldampf auf den Brocken
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