Stand: 26.02.2016 10:14 Uhr

1981: Großdemo gegen AKW Brokdorf

von Kathrin Weber, NDR.de
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Als Atomkraftgegner die Tore zum Baugelände in Brokdorf blockieren, setzt die Polizei Wasserwerfer ein.

28. Februar 1981: Ein Sonnabend, Minusgrade, über Norddeutschland fegt ein eisiger Ostwind hinweg. Aus allen Teilen der Republik machen sich Menschen auf in die Wilstermarsch. In der flachen Region an der Unterelbe gut 60 Kilometer nordwestlich von Hamburg liegt ein kleiner Ort, der seit Mitte der 70er-Jahre in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist: Brokdorf. 1972 hatte die Kraftwerk Union AG  beschlossen, dort ein Atomkraftwerk zu bauen. Dagegen formiert sich in den Folgejahren ein breiter Protest: Im November 1976 kommt es bei einer Großdemonstration mit rund 30.000 Teilnehmern zu Gefechten zwischen Polizei und Demonstranten. Im Oktober 1977 verfügt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg einen unbefristeten Baustopp, weil die Entsorgung noch nicht geklärt ist. Gut drei Jahre herrscht Ruhe, bis das Gericht am 22. Januar 1981 den Baustopp aufhebt.

Demonstrationsverbot ja oder nein?

Daraufhin kündigen Atomkraftgegner eine Großdemonstration für den 28. Februar an, die der Landrat des betroffenen Kreises Steinburg für die gesamte Wilster Marsch verbieten lässt. Einen Tag vor den geplanten Protesten hebt das Verwaltungsgericht Schleswig das Verbot zum größten Teil auf. Nur wenige Stunden später - in der Nacht zum Sonnabend, als bereits zahlreiche Demonstranten angereist sind  - verhängt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erneut ein Demonstrationsverbot für die ganze Region.

Straßensperren sollen Demonstranten aufhalten

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10.000 Beamte sind am 28. Februar 1981 im Einsatz, um das Baugelände in Brokdorf zu sichern.

Dennoch strömen am Sonnabendmorgen Tausende Demonstranten aus verschiedenen Richtungen in die Wilster Marsch. Die Polizei, die damit rechnet, dass die Protestierenden versuchen werden, zum Baugelände zu gelangen, hat großräumige Straßensperren errichtet. So blockiert sie etwa stundenlang die A 7 in der Nähe des Horster Dreiecks für Fahrzeuge, die aus Süden kommen, und errichtet eine Straßensperre in Itzehoe. Viele Atomkraftgegner erreichen trotzdem ihr Ziel - sie haben in der Region übernachtet, kommen mit der Bahn oder umgehen die Sperren. Um 10 Uhr findet eine Auftaktkundgebung des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in der Stadt Wilster mit etwa 10.000 Teilnehmern statt. Nach deren Ende setzen sich die Demonstranten in zwei Märschen in Richtung Brokdorf in Bewegung. Eine Gruppe wählt den Weg über Dammfleth. Dort hat die Polizei eine Sperre aus Containern errichtet. Demonstranten, die sich einzeln auf Waffen kontrollieren lassen, werden allerdings durchgelassen. Später wird die Sperre ganz aufgehoben.

Ausschreitungen am Bauzaun

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Am Nachmittag kommt es am Bauzaun zu gewalttätigen Übergriffen. Einige Demonstranten werfen Steine.

Etwa 35.000 Demonstranten kommen schließlich bis zum bewachten Baugelände durch. Viele haben die Sperren umgangen und sich einen Weg über Felder und zugefrorene Gräben gebahnt. Alles verläuft friedlich, bis es am Nachmittag direkt am Bauzaun zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Während ein Großteil der Protestler bereits den Rückweg angetreten hat, werfen circa 3.000 militante Demonstranten Steine, Brandflaschen und Wurfgeschosse gegen die Beamten. Die Polizei setzt Tränengas, Wasserwerfer und Hubschrauber ein und vertreibt die Demonstranten aus der Umgebung des Baugeländes. Der weitere Rückzug der Atomkraftgegner verläuft ohne größere Zwischenfälle. Die Polizei meldet später 128 verletzte Beamte, der BBU 45 verletzte Demonstranten, andere Quellen sprechen von rund 70.