Stand: 29.01.2009 13:31 Uhr  | Archiv

Oldenburg wird "wiedervereint"

von Susanne Abolins-Aufderheide
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1962: Das Warten in der Heiligengeiststraße hat ein Ende.

"Es war ein Freudentag, als die Eisenbahnschranken abgebaut wurden", sagt Gerhard Licht. Der 84-Jährige war am 25. Mai 1966 mit seiner Super-8-Kamera beim feierlichen Akt am Oldenburger Pferdemarkt dabei. Der ehemalige Fernsehtechnikermeister erzählt: "Die Eisenbahnlinie war ein Hindernis. Wenn man in die Stadt wollte, musste man zehn Minuten vor den Schranken warten und manchmal auch länger. Es war nicht nur ein Zug, sondern es wurden bis zu drei Züge durchgelassen. Und der Schrankenwärter öffnete die Schranken nicht, bis alle drei Züge durch waren."

 

Bahnübergang

Pferdemarkt

Bahnschranken teilten Oldenburg bis 1966 in zwei Hälften. Der Umbau des Bahnübergangs wurde groß gefeiert. Ein Beitrag der Sendung "Meine Filme - unsere Geschichte".

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Eisenbahnlinie nach Wilhelmshaven 1867 eröffnet

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1906: Blick über den Pferdemarkt und die Stadt Oldenburg.

Bereits 1682 wird der Pferdemarkt als "Marktplatz vor Oldenburg" und "Treffpunkt der Pferdezüchter" erwähnt. 1803 lässt Herzog Peter Friedrich Ludwig den Platz anlegen: Mitten über den fast quadratischen Platz führt die Heiligengeiststraße. Baumreihen säumen die Straße und machen sie zur Allee. Auch der Platz wird mit symmetrischen Baumreihen bepflanzt, um den Pferden und ihren Verkäufern Schutz zu bieten. Treffen im Bereich des Pferdemarktes schon im Mittelalter wichtige Fernverkehrsstraßen, zum Beispiel nach Friesland und Rastede, aufeinander, so entsteht jetzt im Laufe der Zeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Einen besonderen Einschnitt und den Aufbruch Oldenburgs in die Moderne bringt die Eisenbahnlinie Bremen - Oldenburg - Wilhelmshaven 1867 mit sich. Mehr als zwei Jahrzehnte hatten Oldenburger Kaufleute und Industrielle versucht, einen Eisenbahnanschluss zu realisieren. Ganz Oldenburg fiebert der Eröffnung am 15. Juli 1867 entgegen. Die Eisenbahnstrecke trennt nun die Altstadt von der sich rasch entwickelnden Nordstadt.

Bahnübergänge pro Tag 220 Minuten geschlossen

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1960: Viel Verkehr auf der Heiligengeiststraße.

Oldenburg entwickelt sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Eisenbahnknotenpunkt, und in Verbindung mit den Kunst- und Wasserstraßen bildet die Stadt die Verkehrsdrehscheibe des ganzen Landes. Bereits um 1900 verursachen geschlossene Bahnschranken oft lange Wartezeiten im Straßenverkehr. Anfang der 60er-Jahre herrscht ein Verkehrschaos. Etwa 120 Zug- und Rangierfahrten rollen täglich über acht Bahnübergänge im Herzen der Stadt - auf dem Pferdemarkt sind auf einer Länge von 275 Metern allein vier Bahnübergänge - und verursachen 95 Schrankenschließungen. Insgesamt sind die Schranken der acht Bahnübergänge pro Tag 220 Minuten geschlossen. Vor allem in der Rushhour kommt es zu Staus von mehreren Hundert Metern, die nahezu den gesamten Innenstadtverkehr lahmlegen.

Pferdemarktbrücke ist 308 Meter lang

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Bahnhochlegung 1966: Zeitweise fahren die Züge auf zwei Ebenen.

Auf Drängen der Stadt Oldenburg beginnt die Bundesbahn im Jahr 1961 mit der Planung für die Hochlegung der Bahnstrecken nach Leer und nach Wilhelmshaven. 1963 werden die Verträge über einen Brückenbau am Pferdemarkt geschlossen, und 1966 wird das Projekt verwirklicht. Der Eisenbahnverkehr vom Bahnhof über den Pferdemarkt verläuft nun über eine 308 Meter lange und zwölf Meter breite Brücke, die auf 14 Pfeilerreihen steht. Die Bahnschranken am Pferdemarkt gehören der Vergangenheit an.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/pferdemarkt104.html