Stand: 18.06.2010 13:39 Uhr  | Archiv

Bert Kaempfert - Erfinder des Easy Listening

von Beatrix Hasse

"Ich sage immer, ich schreibe nur Hits", sagte Bert Kaempfert 1979 in einem Radio-Interview. "Nur die Leute wissen es nicht." Die Wirklichkeit sieht anders aus. Der in Hamburg geborene Komponist und Arrangeur war damals schon weltweit bekannt - und ist es bis heute geblieben. Evergreens wie "Strangers in the Night" und "Spanish Eyes" stammen aus seiner Feder. Kaempfert gilt als Begründer des "Easy Listening". Er mochte Swing-Musik mit internationalen Einflüssen und ungewöhnlichen Instrumentierungen. Nach seinem Tod vor 30 Jahren, am 21. Juni 1980, hinterließ der Tonkünstler rund 700 Arrangements und 400 Eigenkompositionen und hatte - so Schätzungen - 150 Millionen Schallplatten verkauft.

Folgenschwerer Unfall

Die Musik wird Berthold Heinrich Kaempfert nicht gerade in die Wiege gelegt: Als Sohn des Malergesellen Otto Kaempfert und seiner Frau Helene kommt er am 16. Oktober 1923 auf die Welt. Die kleine Familie lebt in einfachen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Barmbek.

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Auf dem neuen Klavier klimpert der sechsjährige Kaempfert zuerst nur herum.

1929 wird der Sechsjährige von einem Taxi angefahren. Der Unfall geht glimpflich aus, lediglich ein paar Rippenbrüche trägt der Kleine davon. Die Versicherung zahlt 500 Mark und Mutter Helene trifft eine Entscheidung mit Folgen: Sie kauft von dem Geld ein Klavier. Lust zum Üben hat der Spross zwar nicht, doch klimpert er viel auf den Tasten herum und denkt sich Melodien aus. Wie sehr das Instrument seinen weiteren Lebensweg bestimmen wird, ahnt die Familie da wohl noch nicht.

Mit 14 Jahren ist Bert - den Künstlernamen legt er sich Jahre später für den internationalen Markt zu - noch zu jung für seinen Berufswunsch Schiffssteward. So meldet ihn der Vater nach Abschluss der Volksschule 1937 bei einer privaten Musikschule an. Klarinette, Saxophon, Klavier und Akkordeon lernt der talentierte Junge neben Fächern wie Harmonielehre. Zwei Jahre später kann die Familie das Geld für die Schule nicht mehr aufbringen. Ohne abgeschlossene Ausbildung spielt Kaempfert beim Tanzorchester Hans Busch vor - und kann sofort anfangen. Weil er mit Abstand der Jüngste im Ensemble ist, taufen ihn die Musikerkollegen bald "Fips". Der Spitzname bleibt ihm ein Leben lang.

Schwierige Kriegsjahre

Ab 1940 wird das Hans-Busch-Orchester verpflichtet, vor Wehrmachtssoldaten- und Offizieren zu spielen. Die Tour geht gen Osten bis nach Danzig. Dort wird Kaempfert 1941 eingezogen. Nach der Grundausbildung dient er als Gefreiter im Musikkorps auf Sylt und muss statt Tanzmusik nun Marschmusik spielen, in den letzten Kriegswochen in Rendsburg bei der Flakabwehr dienen. Er gerät in dänische Kriegsgefangenschaft, landet einige Wochen später wieder in Schleswig-Holstein. In der britischen Besatzungszone gründet er eine Kapelle, spielt auf Tanzabenden für die Armee und fängt mit dem Komponieren an. Kurz darauf lernt er Heinrich Gödecke und Max Wittmann kennen, gründet mit ihnen das Varieté-Ensemble "Pik Ass", das bald erfolgreich durch Norddeutschland tourt.

Beginnender Erfolg mit amerikanischer Musik

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Kaempfert agiert gern im Hintergrund, nur mit seinem Orchester steht er in der Öffentlichkeit.

1946 ruft Kaempfert sein eigenes Orchester ins Leben. Das Varieté der Stadt Bremen engagiert die Musiker und lädt sie ein, in einer Villa bei Bremerhaven zu wohnen. Kaempfert zieht dort mit seiner großen Liebe Hannelore ein, die er im Jahr zuvor kennengelernt hat. Die beiden heiraten, im November des Jahres kommt die erste Tochter zur Welt.

Nebenbei spielt Kaempfert mit seiner Band in US-amerikanischen Clubs. Als Gage bekommen die Musiker oft nur Zigaretten, die sie aber auf dem Schwarzmarkt gegen Lebensmittel tauschen. Außerdem kommt Kaempfert durch die Amerikaner auch an Noten seiner geliebten Musik heran - etwa von Glenn Miller - und kann so sein Wissen erweitern. Wenige Monate später knüpft der Tonkünstler erste Kontakte zu Radio Bremen und wird mit seinem Orchester zu Musikaufnahmen eingeladen.

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