Stand: 03.10.2014 12:10 Uhr

Carl von Ossietzky: Ein mutiger Pazifist

von Moira Lenz

Der "Weltbühne-Prozess"

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Im Juli 1932 wird Carl von Ossietzky (M.) wegen des Ausspruchs "Soldaten sind Mörder" angeklagt, aber freigesprochen.

In den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit gerät von Ossietzky schließlich durch seine Anklage im sogenannten Weltbühne-Prozess. Der Artikel, der zu der Anklage geführt hatte - "Windiges aus der Deutschen Luftfahrt" von 1929 - hatte die verbotene Aufrüstung der Reichswehr aufgedeckt. Ende 1931 wird von Ossietzky wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Aus der Haft schreibt er seiner Frau: "Unter Hochrufen ging ich durchs Gefängnistor. Dieser Tag, der der traurigste hätte werden können, ist für mich der stolzeste meines Lebens geworden." Obwohl 1932 amnestiert, wird er 1933 - noch in der Nacht des Reichstagsbrandes - wieder verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager gebracht, zuletzt in das KZ Esterwegen im Emsland, wo die Gefangenen unter furchtbarsten Bedingungen die Moore trockenlegen müssen.

In Haft misshandelt und erkrankt

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Freunde und politische Weggefährten begleiten von Ossietzky (3.v.l.) im Mai 1932 bis an das Tor der Haftanstalt Tegel.

In der KZ-Haft wird Carl von Ossietzky schwer misshandelt: Ein "zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen", so beschreibt ihn der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt, dem es im Herbst 1935 gelingt, den Gefangenen im KZ Esterwegen zu treffen.

Thomas Mann und Albert Einstein setzten sich für von Ossietzky ein

Seine politischen Freunde setzen sich derweil dafür ein, dass dem Journalisten der Friedensnobelpreis zuerkannt wird. Sie werben ab 1935 bei zahlreichen Prominenten im Rahmen einer internationalen Kampagne um Unterstützung für ihren Vorschlag. Albert Einstein, Karl Barth und Thomas Mann sind nur drei der großen Namen, die sich für die Ehrung des Journalisten stark machen. Doch das Nobelpreiskomitee scheut sich, von Ossietzky den Preis zuzuerkennen - das NS-Regime übt starken außenpolitischen Druck auf die norwegische Regierung aus.

Stattdessen setzt das Komitee die Verleihung im Jahr 1935 aus. Erst ein Jahr später, am 23. November 1936, erkennt es Carl von Ossietzky die Auszeichnung rückwirkend für das Jahr 1935 zu. Da ist der Schriftsteller bereits todkrank: In der KZ-Haft hat er sich mit Lungentuberkulose infiziert. Erst am 6. November 1936, wenige Tage vor der Verleihung des Friedensnobelpreises, wird er offiziell aus der Haft entlassen.

 

Friedensnobelpreis für den Nazi-Gegner

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1933 wird von Ossietzky im KZ Sonnenburg inhaftiert, später ins KZ Esterwegen im Emsland überführt.

Gegen den Willen des Nazi-Regimes nimmt Carl von Ossietzky den Preis an - und stellt sich damit offen gegen NS-Reichsmarschall Hermann Göring, der ihn persönlich gedrängt hatte, auf die Auszeichnung zu verzichten.

Mit mutigen Worten erklärt er seine Entscheidung: "Nach längerer Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, den mir zugefallenen Friedensnobelpreis anzunehmen. Die mir von dem Vertreter der Geheimen Staatspolizei vorgetragene Anschauung, dass ich mich damit aus der deutschen Volksgemeinschaft ausschließe, vermag ich nicht zu teilen. Der Nobelpreis für den Frieden ist kein Zeichen des inneren politischen Kampfes, sondern der Verständigung zwischen den Völkern."

Doch zur Verleihung nach Norwegen darf er nicht fahren. Wenig später verfügt Adolf Hitler, dass künftig kein Reichsdeutscher mehr einen Nobelpreis annehmen dürfe. Wenige Tage nach der Auszeichnung kommt von Ossietzky zur Behandlung seiner Tuberkulose ins Krankenhaus. Am 4. Mai 1938 stirbt er an den Folgen der Krankheit.

"Sieg über die Barbarei"

Willy Brandt, der in seiner Rede 1971 an Carl von Ossietzky erinnerte, war übrigens selbst maßgeblich beteiligt an der internationalen Kampagne für den Publizisten, die schließlich zu dessen Auszeichnung führte - eine Auszeichnung, die mehr war als nur eine symbolische Geste, wie Brandt in seiner Nobelpreis-Rede betonte: "Seine Ehrung war ein moralischer Sieg über die Mächte der Barbarei".

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