Stand: 04.10.2017 15:34 Uhr

Walter Kempowski - Ein literarischer Chronist

Er gehört seit Jahrzehnten zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren und gilt als einer der großen literarischen Chronisten deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts: Walter Kempowski. Anlässlich seines zehnten Todestages veranstaltet die Kempowski Stiftung Haus Kreienhoop in Nartum am 5. Oktober 2017 eine Gedenkveranstaltung für den Schriftsteller sowie eine Lesung mit Gerhard Henschel. Henschel war seit 1984 mit Kempowski bekannt und mit seinem Werk vertraut gewesen.

Vom Dorfschullehrer zum Autor

Am 29. April 1929 wurde Kempowski in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Drei Jahre nach Kriegsende wurde er wegen angeblicher Wirtschaftsspionage verhaftet und saß acht Jahre lang im DDR-Zuchthaus in Bautzen ein. Mitte der 50er-Jahre zog er in den Westen, studierte in Göttingen Pädagogik und arbeitete 20 Jahre lang als Dorfschullehrer in Niedersachsen, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.

Schriftsteller Walter Kempowski. © dpa Fotograf: Ingo Wagner

Walter Kempowski - Das letzte Gespräch

Redakteur Paul Kersten hat Walter Kempowski wenige Monate vor dessen Tod am 5. Oktober 2007 getroffen. Der Schriftsteller spricht unter anderem über seine Herkunft und Kindheit.

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Zu seinen bekannten Werken zählen unter anderen "Tadellöser & Wolff", "Uns geht's ja noch gold. Roman einer Familie" und "Deutsche Chronik". Für sein Mammut-Werk "Echolot" erhielt er auch aus dem Ausland große Anerkennung. Sein letztes Buch "Alles umsonst" erschien 2006. Der Roman handelt von der dramatischen Flucht der Deutschen im Kriegswinter 1945 aus dem von der Roten Armee besetzten Ostpreußen.

Tagebücher als wichtigste Quelle

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Sein Roman "Tadellöser und Wolff" wurde 1975 verfilmt. 1990 besuchte Kempowski die Drehorte in Rostock.

In seinen Werken beschäftigte sich der Autor immer wieder mit dem Thema totalitäre Gewalt und Ideologie. Dabei verarbeitete er zahlreiche Elemente der eigenen Biografie von der Zeit im Dritten Reich über die Kriegswirren und die Flucht bis hin zur Verurteilung und Inhaftierung wegen Spionage durch die sowjetischen Besatzer im Nachkriegsdeutschland.

Wichtigste Quelle für Kempowskis Schaffen waren Tagebücher: seine eigenen, die Kempowski seit 1945 geführt hatte, aber auch die Aufzeichnungen anderer Menschen, die er seit den 80er-Jahren sammelte. Vielen seiner Rezensenten galt Kempowski als Stellvertreter für eine ganze Generation des deutschen Nachkriegsbürgertums.

Zahlreiche Auszeichnungen

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2005 erhielt Walter Kempowski den Hans-Erich-Nossack-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft.

Kempowski hatte lange auf eine breite Anerkennung warten müssen - dem bekennenden Antikommunisten brachte der kommerzielle Erfolg seiner neun Chronik-Romane nicht unbedingt auch gleich die entsprechende literarische Würdigung. Das änderte sich grundlegend erst mit der Veröffentlichung der Echolot-Kriegschronologie in den 90er-Jahren. Zahlreiche Ehrungen folgten.

So erhielt Kempowski unter anderem im Oktober 2005 in Rostock den Hans-Erich-Nossack-Preis für sein Lebenswerk. Zu den weiteren Auszeichnungen zählen unter anderem der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (1994), das Bundesverdienstkreuz (1996) und der Verdienstorden des Landes Niedersachsen (2004). 2005 erhielt er den Thomas-Mann-Preis.

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Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde ihm im Rostocker Rathaus die Ehrendoktorwürde des Juniata College Huntington (US-Bundesstaat Pennsylvania) verliehen.

Die Akademie der Künste in Berlin, die 2005 das Archiv des Schriftstellers übernommen hatte, stellte dessen persönliche Sammlung in diesem Jahr unter dem Titel "Kempowskis Lebensläufe" aus. Wegen seiner Krankheit konnte der Schriftsteller die Schau nicht selber sehen. Nach Angaben seiner Frau war diese Ausstellung aber der "Höhepunkt seines Lebens". "Die Bedeutung, die Sie meinem Werk beimessen, hat mich überrascht, und die Liebe und Sorgfalt, die man der Realisation dieser Ausstellung angedeihen ließ, macht vieles wieder gut", erklärte Kempowski in einer Grußbotschaft, die sein Sohn Karl Friedrich zur Eröffnung verlas. Seine Geburtsstadt Rostock hatte Kempowski 1994 die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Schreiben trotz schwerer Krankheit

Am 5. Oktober 2007 starb Walter Kempowski nach schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Er litt an Darmkrebs. Bis zuletzt hatte er sich von seiner Erkrankung nicht unterkriegen lassen. Er schrieb weiter an einem neuen Buch und lud noch zu Literaturnachmittagen in seinem Haus in Nartum bei Bremen ein.

Wenige Tage danach, am 8. Oktober, ist der Schriftsteller in aller Stille in seinem Wohnort im Kreis Rotenburg/Wümme beerdigt worden. Die Beisetzung habe auf Wunsch der Familie im engsten Familien- und Freundeskreis stattgefunden, sagte die Sprecherin von Kempowskis Verlag Albrecht Knaus, Susanne Klumpp. "Haus Kreienhoop" in Nartum, in dem Kempowski mit seiner Frau lebte, ist an bestimmten Terminen für Literatur- und Kulturveranstaltungen geöffnet und kann auf Anfrage auch besichtigt werden.

Podcast Info Zeitzeichen Mediathekbild © plainpicture

1929: Geburtstag Walter Kempowski

NDR Info -

Stichtag: 29. April 1929. Der Schriftsteller Walter Kempowski wird in Rostock wird geboren.

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