Stand: 24.08.2011 17:45 Uhr

Robert Koch - Ein Leben im Reich der Mikroben

von Dirk Köhne, NDR.de
Im deutschsprachigen Raum etablierte Koch die Ansicht, dass Bakterien krank machen. Vor allem das Bürgertum gewöhnte sich einen "hygienisch sauberen" Lebensstil an.

Berlin, 24. März 1882: Im Tagungssaal der Physiologischen Gesellschaft ist es mucksmäuschenstill. Die Anwesenden begreifen, welcher medizinischen Sensation sie gerade beiwohnen. Der Mediziner Robert Koch hat ihnen soeben mitgeteilt, dass er den Tuberkelbazillus isoliert habe. Zu dieser Zeit stirbt etwa jeder siebte Deutsche an der Lungenkrankheit. Die "Schwindsucht" gilt als unheilbar oder hat in milderen Fällen einen lebenslangen Klinikaufenthalt zur Folge. Mit dem Nachweis des Tuberkulose-Bakteriums ebnet sich nun der Weg für die Entwicklung eines Impfstoffs. Als Überträger der Krankheit ermittelte Koch die Atemluft: Im Sputum von Erkrankten wies er Tuberkelbazillen nach. Damit ist nun belegt, dass vor allem von Kranken mit offener Lungentuberkulose eine Gefahr ausgeht. Auf Kochs Entdeckung ist der Welttuberkulosetag begründet, der alljährlich am 24. März begangen wird.

Theorie der "üblen Gerüche" widerlegt

Nobelpreis für Robert Koch

Kategorie: Medizinnobelpreis
Jahr: 1905
Begründung des Komitees: " ... für seine Untersuchungen und Entdeckungen auf dem Gebiet der Tuberkulose".

Als Robert Koch Ende des Jahres 1843 in Clausthal zur Welt kommt, glaubt die Wissenschaft noch, dass Seuchen und Epidemien von sogenannten Miasmen ausgelöst werden - giftigen Dämpfe, die aus dem Erdreich emporsteigen. Mit der Entdeckung, dass Krankheiten wie die Pest, Tuberkulose oder Cholera von winzigen Mikroorganismen verursacht werden, revolutioniert Koch Jahre später die Medizin. Er beweist, wie wichtig Hygiene im Alltag ist. Bei der Choleraepidemie in Hamburg 1892 setzt er Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung durch. Er entdeckt den Erreger des Milzbrandes und der Tuberkulose und verbessert die Züchtung von Bakterienkulturen. Seine Forschungen tragen maßgeblich zur Eindämmung von Seuchen und zur Bekämpfung jahrhundertealter Krankheiten bei. 1905 wird Robert Koch für seine Verdienste mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet.

Dem Milzbranderreger auf die Spur gekommen

Schon als junger Lazarett-Arzt zeigt Koch großes Interesse an der Forschung. Im Deutsch-Französischen Krieg erfährt er, dass Soldaten oft an Milzbrand sterben, obwohl die Verwundungen nicht gravierend sind. Dies veranlasst ihn, nach der Ursache für die Milzbranderkrankungen zu forschen. Er erfindet die Technik des hängenden Tropfens. Dabei werden die Mikroben in einem Tropfen an der Unterseite eines Objektträgers kultiviert. Koch kann nun Bakterien im Blut von befallenen Tieren im Mikroskop beobachten und nachweisen. Mit seinen Beobachtungen und Feststellungen kann er belegen, warum sich Vieh auf bestimmten Weiden immer wieder mit Anthrax ansteckt: Die Bauern vergraben die Kadaver der gestorbenen Tiere nicht tief genug in der Erde. Zudem findet er heraus, dass getrocknetes Blut von infektiösen Schafen noch nach vier Jahren ansteckend ist.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.12.2005 | 11:20 Uhr

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