Stand: 02.02.2013 16:40 Uhr  | Archiv

Max Brauer: Der starke Mann aus Altona

von Irene Altenmüller, NDR.de

Eine der größten Straßen des Stadtteils ist nach ihm benannt, ebenso eine bekannte Schule, eine Stiftung und eine Hafen-Barkasse. Kaum ein Name ist in Hamburg-Altona so allgegenwärtig wie der von Max Brauer. Als Erster Bürgermeister führte er die Stadt von 1946 bis 1953 und von 1957 bis 1961 durch die schwierigen Nachkriegsjahre und die Zeit des Wiederaufbaus. Wer war der Mann, der bis heute als einer der wichtigsten Bürgermeister der Hansestadt gilt?

"Kampf mit der Armut" prägt seine Kindheit

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Die Politik prägt das Leben Max Brauers von früher Jugend an. Als 17-Jähriger tritt er in die Gewerkschaft, kurz darauf in die SPD ein.

Max Brauer wird am 3. September 1887 in Ottensen geboren, er ist das achte von 13 Kindern. Die Verhältnisse sind ärmlich, der Vater arbeitet als Glasbläser. "Es war für die ganze Familie ein Kampf mit der Armut. Jeder hatte beizutragen, um das Notwendige für die Familie herbeizuschaffen", erinnerte sich Brauer an seine Kindheit und Jugend. Obwohl begabt und wissenshungrig, folgt Max dem Willen seines Vaters und verlässt als 14-Jähriger die Volksschule, um eine Lehre als Glasbläser zu beginnen. Dabei hatte sich sogar der Rektor der Schule dafür eingesetzt, den Jungen weiter zur Schule zu schicken. "Ich wollte Lehrer werden. Aber an den eisernen Tatsachen scheiterte das alles", so Max Brauer.

Der redegewandte Streikführer landet auf der schwarzen Liste

Schon als Jugendlicher ist Max Brauer politisch aktiv: 1904 tritt er in die Gewerkschaft ein, 1905 gründet er im mecklenburgischen Damgarten, wo er mit seiner Familie mittlerweile wohnt, die erste SPD-Ortsgruppe. Schon bald tut er sich als redegewandter Streikführer hervor, woraufhin ihn die Glasfabrikanten auf eine überregionale schwarze Liste setzen. In seinem erlernten Beruf findet er nun nirgends mehr Arbeit. Brauer verdingt sich als Bau- und Fabrikarbeiter, bis ihn 1909 die Ottenser Genossenschaft Konsum-, Bau- und Sparverein einstellt. Schon bald steigt er dort zum Betriebsleiter auf.

Max Brauer, ehemaliger Erster Bürgermeister Hamburgs © dpa

Max Brauer - Sozialdemokrat und Bürgermeister

NDR Info ZeitZeichen

Am 3. September 1887 wurde Max Brauer geboren. Bis heute ist sein Name in Hamburg präsent.

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1915 wird Max Brauer im Ersten Weltkrieg an der Hand verletzt und kommt zurück nach Altona. Ein Jahr später heiratet er Erna Pehmöller, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hat, von denen einer noch als Kleinkind stirbt.

Im November 1918 zieht er für die Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung von Altona ein, das damals noch zu Preußen gehört - er ist dort der jüngste Senator. 1919 übernimmt er das Amt des zweiten Bürgermeisters und des Stadtkämmerers.

Aufstieg zum Bürgermeister von Altona

1924 wird Max Brauer nach dem Tod des bisherigen Amtsinhabers zum Oberbürgermeister von Altona gewählt. Während seiner Regierungszeit vergrößert sich Altona erheblich: Mit dem Groß-Altona-Gesetz werden zahlreiche umliegende Dörfer eingemeindet, darunter Eidelstedt, Blankenese und Rissen. Die Steuern der reichen Elbdörfer fließen nun nach Altona. Max Brauer stößt auch die städtebauliche Entwicklung Altonas an: Die Stadt lässt Arbeitersiedlungen bauen, vor allem durch die 1922 auf Initiative Brauers gegründete Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona (SAGA). Es entstehen zudem wichtige öffentliche Bauten wie ein neues Arbeitsamt, eine Stadthalle und ein neues Stadion - der Vorgängerbau der heutigen Arena in Stellingen. Mit der Stadt Hamburg handelt Brauer eine Hafengemeinschaft aus - der Altonaer Elbhafen war für die Unternehmen zu klein geworden.

Brauer muss vor den Nazis ins Ausland fliehen

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Beim Altonaer Blutsonntag marschieren Nazis 1932 durch Altona. Nach Hitlers Machtübernahme 1933 bleibt Max Brauer nur die Flucht ins Exil.

Mit der weltweiten Wirtschaftskrise ab 1929 und der folgenden Massenarbeitslosigkeit gewinnen die Nationalsozialisten auch in Altona an Zulauf. Immer offener provozieren sie auch in traditionell "roten" Stadtteilen. Ihre Provokationen gipfeln am 17. Juli 1932 im Altonaer Blutsonntag, bei dem 18 Menschen sterben.

Nach der Machtübernahme der Nazis 1933 gerät Max Brauer als führender Politiker der Sozialdemokraten schnell in die Schusslinie der Nationalsozialisten: Sie bezichtigen ihn der Korruption. In einem Gerichtsverfahren wird Brauer freigesprochen, doch die Repressionen gehen weiter. Nur knapp entgeht Max Brauer einer Verhaftung und flieht über Österreich und die Schweiz nach Paris.

Über alte sozialdemokratische Kontakte erhält Max Brauer einen Auftrag des Völkerbundes. Er soll ins chinesische Nanking reisen, dem Sitz der Regierung Chiang Kai-shek. In China erarbeitet er Vorschläge für den Aufbau der Verwaltung sowie für Hilfsmaßnahmen im schulischen und sozialfürsorgerischen Bereich. Ein Jahr später ist er zurück in Frankreich. Dort droht ihm nun die Auslieferung nach Deutschland - die deutschen Behörden haben ein entsprechendes Ersuchen gestellt. Max Brauer entschließt sich, mit seinem Sohn in die USA überzusiedeln. Frau und Tochter folgen ihnen. 1943 nimmt Max Brauer die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.

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