Stand: 30.05.2011 14:54 Uhr

Jürgen Dethloff - Alles auf eine Karte

von Cornelius Kob

Der Zweite Weltkrieg war nicht für alle Menschen eine persönliche und wirtschaftliche Katastrophe. Der griechische Reeder Aristoteles Onassis begründete seinen Reichtum in dieser Zeit. Er vercharterte seine Schiffe zum Transport von Öl an die Alliierten. Nach dem Krieg investierte er weiter in das Öltransportgeschäft. Er war mittlerweile zu einem der größten Reeder der Welt geworden. Nach internationalen Ausschreibungen ließ er Anfang der 50er-Jahre seine Tankerflotte bei den Howaldtswerken in Hamburg und Kiel erweitern - für die immense Summe von 300 Millionen Mark.

Sprechfunkanlagen für Onassis' Flotte

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Nach dem Krieg baute Dethloff, hier Ende der 60er-Jahre, Funk- und Wechselsprechanlagen.

Jürgen Dethloff wurde 1924 in Stettin geboren. Ihn hatte es durch den Krieg aus seiner Heimat nach Hamburg verschlagen. Während des Krieges war er an der Entwicklung von Funkmessgeräten und des Radar beteiligt und so lag es nahe, in diesem Metier zu bleiben und sich hier an der Elbe auf die Schifffahrt zu spezialisieren. Gleich nach der Währungsreform machte er sich selbständig und baute Funk- und Wechselsprechanlagen besonders für schwierige Einsatzgebiete.

Das war genau das, was für die geplante Tankerflotte von Onassis geliefert werden sollte. Ein riesiger Auftrag, der die kleine Firma "Dethloff Elektronik" über zwei Jahre in Atem hielt. Am Ende wurde er zur vollen Zufriedenheit des griechischen Milliardärs ausgeführt. Als Onassis 1954 seine legendäre Privatyacht "Christina" in Kiel umrüsten ließ, war Jürgen Dethloffs Firma wieder mit von der Partie. Sprechfunkanlagen mit besonders großen Reichweiten und innovative Steuerungen der Elektronik passten zur "Christina", der damals größten und luxuriösesten Privatyacht. Jürgen Dethloff und sein Mitarbeiter Carl-Heinz Ulrichs durften nach der Fertigstellung eine zehntägige Spritztour mit dem 100 Meter langen Schiff von Kiel über England nach Monaco machen.

Neue Ideen für die Fischerei

Das Wirtschaftswunder hatte Dethloff also voll erwischt. Seine Firma hatte genug Geld, er viele Ideen. Eine schaffte es 1959 sogar auf den Titel des Magazins "Stern": die Weiterentwicklung der Elektrofischerei für den Fang auf hoher See. Davon ausgehend, dass die Meere in Zukunft unerschöpfliche Mengen an Nahrungsmittel liefern könnten, sollte eine riesige Elektrode die Fischschwärme anlocken und dann mit großen Pumpen an Bord saugen. Eine viel effizientere Methode als das Fischen mit Netzen. Aber obwohl Dethloff Zigtausende von D-Mark und jahrelange Arbeit in dieses Verfahren investiert hatte, kam er davon ab. Lange bevor man von der Überfischung wusste, kamen ihm Bedenken, mit solch hochtechnisierter Ausrüstung die Meere zu plündern.

Frische Fische im Test

Praktischer und erfolgreicher war seine Entwicklung des elektronischen Fischtesters. Mit ihm konnte man die Frische gefangener Fische problemlos und zuverlässig bestimmen. Ein Gerät, das vor allem für Fischauktionen gedacht war und sich in den südeuropäischen Ländern bis in die 70er-Jahre gut verkaufte. Denn nur so war es möglich, frischen Mittelmeer-Thunfisch von leicht verderblichem, aufgetautem Thunfisch aus Asien zu unterscheiden.