Stand: 12.02.2009 18:00 Uhr  | Archiv

Heinrich der Löwe - Ein Bayer prägt den Norden

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Das Wappentier des welfischen Herzogs Heinrich: der Braunschweiger Löwe vor der Burg Dankwarderode.

Nicht nur vor der Burg Dankwarderode in Braunschweig, sondern auch vor den Dom-Kirchen in Lübeck, Ratzeburg und Schwerin sowie vor der Kaiserpfalz in Goslar finden ihn Besucher: den bronzenen Löwen. Aus dem Süden nach Norddeutschland mitgebracht hat das Wappentier der Welfen Heinrich der Löwe im 12. Jahrhundert - es gilt als Zeichen seiner Macht.

Der vermutlich um das Jahr 1129 in Ravensburg geborene Herzog von Bayern und Sachsen ist der Rivale des Staufers Friedrich Barbarossa, der 1155 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird. Doch nur Reichsfürsten, die eine starke Hausmacht besitzen, können dem Kaiser für die Gefolgschaft bei Kriegszügen Bedingungen stellen und so ihren Einfluss geltend machen. Deshalb versucht Heinrich der Löwe Zeit seines Lebens, die welfischen Ländereien und seine Macht zu vergrößern. Seine Residenz ist Braunschweig, das bereits 1142 in seinen Besitz übergeht. Dort lässt er einen Dom errichten und die Stadtburg erweitern. 

Christianisierung der nordelbischen Slawen 

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Bildnis Heinrichs des Löwen - Ausschnitt eines Gemäldes von Christian Tunica.

Besonders Norddeutschland ist das Ziel von Heinrichs Expansionspolitik: Im Jahr 1147 beteiligt sich Heinrich der Löwe am Wendenkreuzzug, den Papst Eugen III. und Bernhard von Clairvaux zur Christianisierung der nord- und ostelbischen Slawenstämme ausrufen. Dabei unterwirft er Teile des slawischen Obotriten-Reiches im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Der Feldzug hat für Heinrich doppelte strategische Bedeutung: Weil der Kriegszug zeitgleich mit dem 2. Kreuzzug stattfindet, müssen Heinrich und seine Ritter dem Kaiser nicht ins Heilige Land folgen. Er kann seine Macht in Norddeutschland - auch gegenüber den anderen Reichsfürsten - ungestört ausbauen. 

Doch erst im Jahr 1160 gelingt es Heinrich dem Löwen zusammen mit dem dänischen König Waldemar I. das Reich des Obotriten-Fürsten Niklot vollständig zu erobern. Der slawische Fürst wird im Kampf getötet. Sein Sohn Pribislaw leistet zwar zunächst noch Widerstand, lässt sich jedoch taufen und erhält die verlorenen Gebiete 1167 von Heinrich dem Löwen als Lehen zurück - das Geschlecht der Herzöge von Mecklenburg ist geboren. 

Neugründung der Hansestadt Lübeck 

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Zentrum des mittelalterlichen Ostseehandels: die Hansestadt Lübeck.

Auch die Entwicklung einer der größten Handelsmächte des Mittelalters hat Heinrich der Löwe entscheidend geprägt: Im Jahr 1159 gründet er das durch einen Brand zerstörte Lübeck neu. Durch geschickte Verträge mit Schweden, der Insel Gotland und dem russischen Nowgorod sichert er der Hansestadt die Vormachtstellung im Ostseehandel und damit großen Reichtum. Der Herzog profitiert vom wirtschaftlichen Erfolg der Lübecker. Die reichen Kaufleute leisten hohe Abgaben an den Herzog. Über Jahrhunderte gehört die Stadt an der Trave zu den wichtigsten Handelszentren in ganz Nordeuropa.
 

Reichsacht und Exil in England 

Auf dem Zenit seiner Macht probt Heinrich der Löwe im Jahr 1176 den Aufstand gegen Kaiser Friedrich Barbarossa. Für seine Gefolgschaft bei einem Feldzug gegen den lombardischen Städtebund in Norditalien fordert der Welfe als Gegenleistung die Stadt Goslar, die durch Silberbergbau zu großem Reichtum gelangt ist. Der Kaiser lehnt ab. Eine folgenschwere Entscheidung des Herzogs, wie sich 1179 herausstellen soll: Nach der Rückkehr von seinem Feldzug verbündet sich Kaiser Barbarossa mit Heinrichs Gegnern unter den Reichsfürsten.

Zeitgenössische Miniatur des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Das Bildnis wurde 1188 von einem bayerischen Geistlichen angefertigt.

Auf mehreren Reichstagen versuchen diese, wegen Rechtsverstößen Anklage gegen den Herzog zu erheben. Heinrich der Löwe antwortet mit Gegenklagen, erscheint aber niemals selbst zu den Verhandlungen. Der Streit gipfelt darin, dass Friedrich Barbarossa die Reichsacht über den Welfen verhängt, die Herzogtümer Bayern und Sachsen verteilt der Kaiser als Lehen an seine fürstlichen Rivalen. Zudem zieht der Kaiser mit dem Reichsheer gegen den Geächteten zu Felde. 

Im Jahr 1182 folgt die Verbannung Heinrichs des Löwen: Er geht nach England ins Exil und begibt sich unter den Schutz von König Heinrich II., seinem Schwiegervater. 1189 kehrt der Welfe zurück nach Deutschland und erhält auf Vermittlung des Mainzer und Kölner Erzbischofs kleine Teile seines Besitzes zurück. Doch erst im Jahr 1194 wird Heinrich rehabilitiert: Er schließt einen Frieden mit Barbarossas Nachfolger, Kaiser Heinrich VI., und die Ländereien um Braunschweig gehen wieder in seinen Besitz über. 1195 stirbt Heinrich der Löwe in seiner Residenzstadt. 

Heinrichs Sohn wird welfischer Kaiser 

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Als Otto IV. besteigt der Sohn Heinrichs des Löwen im Jahr 1209 den deutschen Kaiser-Thron. Ausschnitt eines Gemäldes des Braunschweiger Landesmuseums.

Heinrichs dritter Sohn, der unter der Obhut seines Onkels - des legendären englischen Königs Richard Löwenherz - in England aufwächst, besteigt im Jahr 1209 als Otto IV. den deutschen Kaiser-Thron. Im Streit um das Königreich Sizilien entfacht der Welfe einen Machtkampf mit Papst Innozenz III., der mit dem Kirchenbann Ottos und 1214 mit seiner militärischen Niederlage endet. 1215 wird er durch den Staufer Friedrich II. als Kaiser abgelöst. Otto bleibt der einzige Welfe, der jemals den deutschen Kaiser-Thron bestiegen hat.