Stand: 23.12.2015 16:34 Uhr

Heinrich Schliemann - Auf den Spuren Trojas

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Heinrich Schliemanns Name ist eng verbunden mit der Suche nach Troja, der sagenumwobenen Stadt in Homers Geschichte von der Ilias. Der Schlüssel zu der Verbindung findet sich bereits in Heinrichs Kindheit - als der Siebenjährige zu Weihnachten Georg Ludwig Jerrers "Weltgeschichte für Kinder" bekommt und darin eine Abbildung des brennenden Troja entdeckt. Der junge Heinrich kann nicht glauben, dass von den Mauern der Stadt nichts mehr übrig sein soll und kommt mit seinem Vater überein, "dass ich Troja ausgraben sollte".

Düstere Kindheit

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Vom Lande bricht Heinrich Schliemann schon in jungen Jahren in die weite Welt auf.

Diese Vision zieht sich wie ein roter Faden durch Schliemanns Leben - auf dem vor allem in der Kindheit ein Schatten liegt. Heinrich kommt am 6. Januar 1822 im mecklenburgischen Neubukow zur Welt. 1823 zieht die Familie nach Ankershagen, wo sein Vater Ernst Schliemann, Lehrer und Theologe, eine gut bezahlte Pfarrstelle annimmt. Obwohl gebildet, hat das Familienoberhaupt einen schlechten Ruf. Er ist als Lehrer in Hamburg gescheitert und hoch verschuldet. Zudem gilt er als liederlich, verschwenderisch und gewalttätig. Ganz anders die Mutter: Luise Therese Sophie Bürger ist zart, einfühlend und musikalisch. Sie bekommt neun Kinder, nach der letzten Geburt stirbt sie im Kindbett. Heinrich schreibt später in einer seiner Biografie: "Es war dies ein unersetzlicher Verlust und wohl das größte Unglück, das mich und meine Geschwister treffen konnte."

Sein Verhältnis zum Vater bleibt stets ambivalent. Schliemann will auf keinen Fall wie sein Vater werden. Obwohl er ihn verabscheut, idealisiert er seine eigene Kindheit und unterstützt ihn, auch finanziell.

Ankershagen - ein mythischer Ort?

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Die Dorfkirche in Ankershagen wurde 1266 eingeweiht.

Weitere Schicksalsschläge folgen: Der Vater verliert die Pfarrstelle, auch wegen eines Verhältnisses zum Dienstmädchen, Heinrich kommt zu seinem Onkel Friedrich Schliemann in Kalkhorst bei Grevesmühlen. Nach kurzem Gymnasialbesuch geht Heinrich auf die Realschule und macht anschließend eine fünfjährige Ausbildung in einem Kramerladen in Fürstenberg, einem damaligen Markt- und Handelsplatz an der Havel. Troja liegt damals noch weit weg, aber es ist in Erzählungen stets präsent. Und: Ankershagen an der Müritz kann mit dem historischen Schauplatz durchaus mithalten. Es ist ein Dorf mit vielen verwunschenen Plätzen wie Gräbern, Hügeln, kleinen Seen, riesigen Bäumen und unterirdischen Gängen. Im Dorf steht auf einem Hügel eine der größten und ältesten Kirchen Mecklenburgs. Der Feldsteinbau stammt aus dem späten 13. Jahrhundert, einer Epoche zwischen Romantik und Gotik. Vom Glockenturm aus schweift der Blick weit über die Landschaft hinaus.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 06.01.2014 | 19:30 Uhr

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