Stand: 27.08.2014 00:00 Uhr

Heidi Kabel - Die Bühne war ihr Leben

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Was machen die Nachbarn? Heidi Kabel als Frau Boldt in dem legendären Ohnsorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus".

Sie gehörte zu Hamburg wie der Michel und die Elbe. Und wer an Heidi Kabel denkt, dem fällt sofort das Ohnsorg-Theater ein. 66 Jahre lang stand sie dort in mehr als 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne und spielte sich in die Herzen eines Millionen-Publikums. Unvergessen bleiben ihre Auftritte in Klassikern wie "Tratsch im Treppenhaus", "Trautes Heim" oder "Die Kartenlegerin", die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden und noch heute die Zuschauer begeistern. Am 27. August wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Geradlinigkeit, Witz und Herz

Hausfrauen, Schlampen, Hausdrachen oder Mütter - Heidi Kabel schlüpfte in alle Rollen großer Frauengestalten des Volkstheaters und das mit norddeutscher Geradlinigkeit, Witz und Herz. In den 40er-Jahren spielte sie zur Aufbesserung ihrer Gage noch Schifferklavier, da die Bühnen nur wenig besucht wurden. Mit der bundesweiten Übertragung der Ohnsorg-Aufführungen im Fernsehen nahm ihre beeindruckende Karriere Mitte der 50er-Jahre ihren Anfang. Heidi Kabel machte das Plattdeutsche salonfähig und schuf damit ein norddeutsches Gegenstück zu den großen Mundart-Bühnen wie dem bayerischen Komödien-Stadl und der "kölschen" Bühne von Willy Millowitsch.

Heidi Kabel: 66 Jahre im Rampenlicht

Neben dem Theater wirkte sie auch in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit. Zu den bekanntesten zählen "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969), "Grün ist die Heide" (1972) mit ihrem langjährigen Bühnenkollegen Henry Vahl, die Krimireihe "Tante Tilly" (1986-1987) und die musikalische Unterhaltungsshow "Haifischbar" (1970-1973). Ihre letzte Rolle spielte Heidi Kabel mit 92 - an der Seite ihrer Tochter in dem Detlev-Buck-Film "Hände weg von Mississippi".

Mit 18 zum Ohnsorg-Theater

Heidi Bertha Auguste Kabel wurde am 27. August 1914 in Hamburg geboren - gegenüber der "Niederdeutschen Bühne" in den Großen Bleichen - ein geradezu wegweisender Start ins Leben. Eigentlich wollte sie Pianistin werden. Aber als sie mit 18 Jahren eine Freundin zum Vorsprechen begleitete, wurde sie an ihrer Stelle in das Ensemble des späteren Ohnsorg-Theaters aufgenommen. Im selben Jahr hatte sie ihre Bühnenpremiere mit dem Stück "Ralves Carstens" und etablierte sich schnell im Haus. Das Plattdeutsche lernte sie schon in früher Jugend von ihrem Vater: Der selbstständige Buchdrucker war "Vorsitzender des Vereins für geborene Hamburger" und veranstaltete niederdeutsche Abende.

Um auf der Bühne bestehen zu können, begann Heidi Kabel eine Schauspielausbildung. 1937 heiratete sie ihren Kollegen, den Schauspieler Hans Mahler, der 1947 die Leitung des Ohnsorg-Theaters übernahm und auf die Rollen seiner Frau entscheidenden Einfluss hatte. Er starb 1970. Aus der Ehe stammen die Söhne Jan-Rasmus und Heiko sowie die Tochter Heidi, die ebenfalls am Ohnsorg-Theater zum Star wurde.