Stand: 07.05.2012 12:19 Uhr

Bernhard Markwitz - Der Schwimmhelfer

von Cornelius Kob

Als die Familie Markwitz Anfang der Fünfzigerjahre nach Winterhude zieht, einem Hamburger Stadtteil in der Nähe der Alster, denkt niemand daran, dass der Goldfischteich im Garten des Hauses einmal ihr Leben verändern wird. 1956 fällt Annette, die dreijährige Tochter von Bernhard Markwitz in diesen Teich, als sie mit ihrer Kindergießkanne Wasser holen will. Ein Alptraum für Eltern. Nur durch einen Zufall wird die Kleine noch rechtzeitig entdeckt und gerettet. Nach diesem Erlebnis schwört sich Bernhard Markwitz, alles daran zu setzen, Menschen das Schwimmenlernen zu erleichtern. Denn der Ostpreuße aus Königsberg liebt Wasser, schwimmt und taucht gern und gut. Schon mit 17 ist er ausgebildeter Rettungsschwimmer.

Die ersten Versuche

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Ein Unfall am Gartenteich bringt Bernhard Markwitz auf die Idee, eine neuartige Schwimmhilfe zu erfinden.

Bis dato gibt es Schwimmhilfen nur aus Kork. Sie werden um den Bauch gebunden und nutzen wenig, denn der Auftrieb ist gering und der Oberkörper kippt nach vorne. Markwitz muss etwas Neues erfinden und weiß, dass es dabei auf den Drehpunkt ankommt, damit der Nichtschwimmer Oberkörper und Kopf über Wasser halten kann. Seine entscheidende Idee: Schwimmhilfen an den Armen. Er experimentiert zunächst mit den Schläuchen von Kinderrollern. Das Prinzip funktioniert, aber die Tragfähigkeit der Gummischläuche reicht nicht aus. Auf der Suche nach dem richtigen Material stößt er auf PVC. Dieser damals noch neue Kunststoff eignet sich hervorragend. Jetzt muss er nur noch dafür sorgen, dass die Schläuche nicht drücken und die Blutversorgung abschnüren, nicht scheuern und keine Luft verlieren, wenn mal ein Ventilstöpsel herausrutscht.

Ein Lottogewinn zur rechten Zeit

 

Lebensdaten Bernhard Markwitz

1920: Bernhard Markwitz wird in Königsberg geboren
1948: nach englischer Kriegsgefangenschaft kommt er nach Hamburg
1953: Tochter Annette wird geboren
1956: Annette entgeht nur knapp dem Tod durch Ertrinken, Markwitz entwickelt seine erste Idee für eine Schwimmhilfe.
13. Juni 1964: Erste Vorführung der BEMA "Schwimmflügel" im Schwimmbad Hamburg-Ohlsdorf
10. Februar 2000: Markwitz stirbt im Alter von 80 Jahren

Erste Versuche mit den weiterentwickelten Schwimmflügeln in der heimischen Badewanne sind erfolgreich. Jetzt müssen sie patentiert und in großen Mengen produziert werden. Aber woher soll das Geld dafür kommen? Als Kaufmann hat Markwitz keine so großen Summen übrig, deshalb soll ein Lottoschein helfen. Zwar sind die Chance auf einen Hauptgewinn bekanntermaßen äußerst gering, aber genau zum richtigen Zeitpunkt gewinnt Bernhard Markwitz tatsächlich eine Viertelmillion Mark. Im Gegensatz zu anderen Lottogewinnern verprasst er das Geld nicht, sondern investiert es in seine Schwimmflügel und erzielt mit der Gründung der Firma BEMA langfristig die beste Rendite, die man sich denken kann.

Aus Hamburg in alle Welt

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Zunächst wurde der Schwimmflügel belächelt, heute ist er in aller Welt ein Begriff.

1964 führt er seine BEMA-Schwimmflügel im Schwimmbad Ohlsdorf in Hamburg erstmals offiziell vor. Anfangs ist die Öffentlichkeit skeptisch, aber Markwitz widmet sich voll und ganz der Werbung für seine Erfindung. Er hat immer Schwimmflügel dabei, um sie vorzuführen. Selbst im Urlaub mit seiner Familie stattet er die Mitreisenden am Pool und am Strand damit aus. Jeder soll sie ausprobieren und sich davon überzeugen, dass die Schwimmflügel sogar Erwachsene über Wasser halten können. Seine Hartnäckigkeit hat Erfolg - die Schwimmhilfe aus Hamburg tritt ihren Siegeszug um die Welt an. Weit über 100 Millionen Stück sind bis heute verkauft worden. Kein Wunder, dass sich Markwitz schon bald mit Plagiaten herumärgern muss, die vor allem in den USA den Markt überschwemmen. Aber die Originale sind stets ein Stück voraus. Denn im Laufe der Zeit werden immer wieder Verbesserungen eingeführt. Heute ist das deutsche Wort "Schwimmflügel" in der Welt so bekannt wie "Autobahn" oder "Kindergarten".

Dieses Thema im Programm:

09.04.1996 | 19:30 Uhr

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