Stand: 21.09.2015 14:20 Uhr  | Archiv

Axel Springer - Medientitan aus Hamburg

von Irene Altenmüller
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Axel Springer, der Patriarch: So sah ihn sein Sohn, der als Fotograf unter dem Pseudonym Sven Simon arbeitete.

Feindbild der 68er und Machtmensch, Kämpfer für die Wiedervereinigung und Freund Israels: Axel Springer war eine Jahrhundertfigur, an der sich die Geister schieden wie an kaum einer anderen Persönlichkeit im Nachkriegsdeutschland. Der Hamburger Zeitungsverleger schuf mit dem Axel-Springer-Verlag eines der größten Medienimperien Europas. Seine Blätter - von der "Bild"-Zeitung über "Die Welt" bis zur "Hör zu" - erreichen Millionenauflagen und sind bis heute meinungsprägend in der deutschen Öffentlichkeit.

Heimatkunde: Axel Springer

Heimatkunde: Axel Springer

Hamburg Journal -

Der Hamburger Axel Springer schuf einen der größten Verlage Europas. Vier Fakten über den Mann hinter den Schlagzeilen.

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Anfänge in Hamburg Altona

Geboren wird Axel Caesar Springer am 2. Mai 1912 in Altona, das damals noch zu Schleswig-Holstein gehört. Sein Vater Hinrich Springer ist Inhaber des Verlags Hammerich und Lesser, außerdem Herausgeber der Tageszeitung "Altonaer Nachrichten". Nach der Schule macht Axel Springer zunächst eine Druckerlehre im Verlag des Vaters, später volontiert er bei einer Nachrichtenagentur und bei der "Bergedorfer Zeitung". 1934 geht Springer als Sport- und Wirtschaftsredakteur zu den "Altonaer Nachrichten" seines Vaters und wird dort bald stellvertretender Chefredakteur.

Scheidung aus "Karrieregründen"?

Doch mit der Machtergreifung Hitlers ändert sich die politische Landschaft tiefgreifend. 1941 werden die "Altonaer Nachrichten" eingestellt, Springer arbeitet weiter als Redakteur mit beschränkter Zulassung und Verlagsbuchhändler. Ein ärztliches Attest bewahrt ihn 1939 vor dem Wehrdienst. Zwar sind sich Biografen heute weitgehend darüber einig, dass Axel Springer und seine Familie in innerer Opposition zu den neuen Machthabern standen, offen stellt sich die Familie aber nicht gegen das Regime: Von seiner Frau Martha, einer Halbjüdin, mit der eine Tochter hat, lässt Springer sich scheiden - "aus Karrieregründen", wie sein Biograph Hans Peter Schwarz mutmaßt. Die Ehe mit einer Halbjüdin war beruflich nachteilig, die Ehe zudem gescheitert - Springer hatte zahlreiche Affären mit anderen Frauen. Bereits 1939 heiratet er seine zweite Ehefrau Erna Frieda Holm, mit der 1944 den Sohn Axel bekommt.

Aufstieg im Nachkriegsdeutschland

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Axel Springer Ende der 40er-Jahre. Mit der "Hör zu" begann der Aufstieg des Verlegersohns zum Medienzar.

Nach dem Krieg beginnt Springer zunächst als Buchverleger. Er bringt ab 1946 die "Nordwestdeutschen Hefte" heraus mit Hörfunkbeiträgen des Nordwestdeutschen Rundfunks, dem Vorgänger des Norddeutschen und Westdeutschen Rundfunks. 

Ende desselben Jahres erscheint erstmals die Programmzeitschrift "Hör zu". Das Magazin entwickelt sich äußerst erfolgreich: Ende der 60er-Jahre ist die "Hör zu" mit einer Auflage von rund vier Millionen Exemplaren europaweit die Zeitschrift mit der höchsten Auflage.

"Bild": Deutschlands erstes Boulevardblatt

1948 erhält Springer außerdem die Lizenz für die Herausgabe einer eigenen Tageszeitung, des "Hamburger Abendblatts". Springers größter Coup folgt im Jahr 1952: Mit der "Bild"-Zeitung bringt er die erste deutsche Boulevard-Zeitung auf den Markt. Bis heute ist die "Bild"-Zeitung das auflagenstärkste Blatt Deutschlands und steht zugleich wegen Inhalt und Form seiner Berichterstattung regelmäßig in der Kritik.

Springer reist nach Moskau

Der Verlag expandiert weiter: 1953 kommt die "Welt" als künftiges publizistisches Flaggschiff hinzu, 1956 folgt eine Beteiligung am Ullstein-Verlag. Mit Mitte 40 ist Axel Springer der wichtigste Mann der deutschen Presselandschaft. Doch das reicht dem ehrgeizigen Konzernchef nicht: 1958 versucht Springer, nicht nur indirekt über seine Zeitungen, sondern auch direkt Einfluss auf die große Politik zu nehmen. Er reist nach Moskau, um Nikita Chruschtschow, dem damaligen Staats- und Regierungschef der Sowjetunion, sein Konzept für eine deutsche Wiedervereinigung nahezubringen - ohne Erfolg. In der Folgezeit hält Springer seine Chefredakteure dazu an, kompromisslos gegen Sowjetunion und DDR Stellung zu beziehen. Immer wieder thematisieren die Springer-Blätter auch die anhaltende Massenflucht aus der DDR. Aus der bis dahin relativ unpolitischen "Bild"-Zeitung wird ein politisches Kampfblatt.

Psychische Krisen

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In den 50er-Jahren gerät Springer in eine seelische Krise und entwickelt einen Hang zu esoterischen Lehren.

Während der Springer-Verlag in den 50er- und beginnenden 60er-Jahren nur einen Weg kennt - den nach oben - verläuft das Privatleben des Verlegers turbulent. 1953 heiratet er seine dritte Frau Rosemarie, von der er sich 1961 trennt, um 1962 seine vierte Frau zu heiraten, mit der er im selben Jahr Sohn Raimund Nicolaus bekommt. Zugleich häufen sich bei Springer gesundheitliche Krisen: Er ist psychisch labil, leidet unter psychosomatischen Erkrankungen, die 1957 in einer schweren seelischen Krise gipfeln. Der Gestalt des beispiellos erfolgreichen, weltkundigen und zupackenden Verlegers steht ein dem Mystisch-Religiösen und Esoterischen zugeneigter, Astrologie-gläubiger Sinnsucher gegenüber.

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