Stand: 22.07.2013 11:25 Uhr

Alexander Behm - Den Eisbergen auf der Spur

von Cornelius Kob
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Vom Erfinder zum Briefmarken-Motiv: Die Nord Brief hat Alexander Behm eine Marke gewidmet.

14. April 1912: Der Untergang der "Titanic" bewegt die Welt. Das größte und schnellste Passagierschiff sinkt nach der Kollision mit einem Eisberg. Etwa 1.500 Menschen kommen ums Leben. Auch der junge Ingenieur Alexander Behm ist von diesem Unglück erschüttert. Der Mecklenburger leitet damals eine physikalisch-technische Versuchsanstalt in Wien. Hier beschäftigt er sich mit der Ausbreitung von Schallwellen. Er hat die Idee zu einem Gerät, das mit Hilfe von Schallwellen Ortungen vornehmen kann und es so ermöglichen soll, Eisberge auch im Dunkeln oder bei Nebel rechtzeitig zu entdecken. Er sucht nach Unterstützung für sein Projekt und wird von der Münchener Universität an Hermann Anschütz-Kaempfe verwiesen. Der hatte 1905 in Kiel eine Firma zur Produktion von Kreiselkompassen gegründet. Diese funktionieren nach anfänglichen Schwierigkeiten einwandfrei und werden von der deutschen Marine eingesetzt.

22.7.1913: Ein Patent für das Echolot

Biografie Alexander Behm

11. November 1880: Alexander Behm wird in Sternberg, Mecklenburg geboren
1888-1896: Besuch des Gymnasiums mit Abschluss Mittlere Reife; anschließend
einjähriges Praktikum als Büchsenmacher in Hadersleben
bis 1903: Studium der Physik in Karlsruhe;
anschließend einige Jahre Assistent am Physikalischen Institut;
dann Wechsel nach Wien als Leiter einer physikalisch-technischen Versuchsanstalt
22. Juli 1913: Reichspatent für die Erfindung des Echolots
1920: Gründung der Behm-Echolot-Gesellschaft, Kiel
1928: Erhalt der Ehrendoktorwürde der Universität Kiel
22. Januar 1952: Alexander Behm stirbt im Alter von 71 Jahren in Tarp bei Flensburg.

Nachdem Alexander Behm seine Idee bei Anschütz-Kaempfe vorgestellt hat, kann er die technische Ausrüstung in dessen Firma nutzen und erhält auch finanzielle Unterstützung. Anfangs produziert er Knallgeräusche mit einem Gewehr, misst die Stärke des reflektierten Signals und errechnet daraus die Entfernungen. Auf die Dauer ist diese Messmethode aber nicht praktikabel. Er ändert das Verfahren. Nun will er aus der Zeit, die der Schall für den Hin- und Rückweg braucht, die Entfernung berechnen - daher der Name Echolot. Er benötigt keine lauten Knallgeräusche mehr, sondern kommt mit einem leisen Piepsen aus. Das Verfahren erhält am 22.7.1913 ein Patent. Eingereicht und bezahlt hat es Hermann Anschütz-Kaempfe. Der schenkt es Behm mit der Auflage, eine Firma zu gründen und das Patent zu nutzen.

Serienproduktion startet 1920 in Kiel

Behm hat allerdings erst 1920 die notwendigen Mittel und gründet die Behm-Echolot-Gesellschaft in Kiel, um das Gerät in Serie zu produzieren. Das Unternehmen existiert über den Tod Behms 1952 hinaus und schließt erst 1970.

Sehr bald entstehen konkurrierende Produkte, die sich in Details des Mess-Systems unterscheiden. Die kaiserliche Marine, der Hauptabnehmer für neue Entwicklungen in der Schifffahrt, testet die Geräte ausgiebig. Für den militärischen Einsatz ist entscheidend, dass die Wassertiefe sehr exakt festgestellt werden kann. So wird das Echolot bald zur Standard-Ausstattung auf allen größeren Schiffen.

Weiterentwicklung zur U-Boot- und Fischortung

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Das Prinzip des Echolots: Schallwellen werden ins Wasser gesendet und ihre Reflektionen an Hindernissen aufgefangen.

Eine Weiterentwicklung des Echolots, das Sonar, ermöglicht es, auch U-Boote unter Wasser zu orten. Eine Nutzung, an die Alexander Behm sicher nicht gedacht hatte, als er das Gerät erfand, um Schiffe vor Zusammenstößen mit Eisbergen zu schützen. Im Zweiten Weltkrieg erhält das Sonar große Bedeutung. Bei U-Boot Besatzungen ist das Piepsen des feindlichen Sonars gefürchtet, mit dem sie in vielen Fällen geortet werden konnten. Im Unterschied zum Echolot sendet das Sonar seine Schallwellen in horizontaler Richtung aus und kann so auch Gegenstände orten, die sich im weiteren Umfeld des Senders befinden.

Eine rein zivil genutzte Weiterentwicklung des Echolots ist der sogenannte Fischfinder. Mit dieser Apparatur können Fischer die Größe und Art von Fischschwärmen unterhalb des Schiffes feststellen, um ihre Fangergebnisse zu optimieren.

Bei der Eisberg-Suche hilft das Radar

Nur ausgerechnet zum Orten von Eisbergen - der eigentlichen Idee von Behm - taugt das Gerät nicht. Dafür eignet sich eine andere Erfindung, die mit Hilfe der Reflektion elektromagnetischer statt akustischer Wellen entfernte Gegenstände anzeigen kann. 1904 schon hatte der Niedersachse Christian Hülsmeyer sein "Telemobiloskop" vorgestellt. Es wird später unter dem Namen "Radar" bekannt.

Viele Erfindungen für Angler

Das Echolot bleibt nicht die einzige Erfindung Behms. Der Tüftler meldet insgesamt 110 Patente an, darunter die "unhörbare" Hundepfeife. Als leidenschaftlicher Angler entwickelt er auch auf diesem Gebiet zahlreiche neue Geräte. Immer wieder ersinnt er verbesserte Köder, Ruten und Rollen. Als bekannteste Erfindung gilt der Behm-Blinker, ein künstlicher Köder in Form eines Schiffsrumpfs mit stabilisierendem Ruder.